Als warnendes Beispiel führte Koller das Nationalteam seiner Heimat an. Die Schweizer besiegten nämlich Deutschland sensationell 5:3, nur vier Tage später setzte es ein 0:1 gegen Rumänien. Und Rumänien ist am Dienstag der nächste Gegner des ÖFB- Teams. Vielmehr gelte es nun, den Aufwärtstrend fortzusetzen und die Zufriedenheit der Fans aufrecht zu erhalten. "Das ist wie ein kleines Pflänzchen, das wir weiter mit Wasser gießen möchten. Ich habe den Spielern gesagt, dass wir den Leuten etwas geben müssen. Und jetzt freuen sich die Menschen und klopfen uns auf die Schultern", meinte der Coach.
Deshalb wird Koller für das Match gegen die Rumänen auch nicht zu viel ändern. Fraglich ist, ob die angeschlagenen Paul Scharner und Florian Klein fit werden. In der Innenverteidigung wird auf jeden Fall Aleksandar Dragovic zum Zug kommen. Dass der Basel- Legionär gegen die Ukraine nur auf der Bank saß, war laut Koller keine erzieherische Maßnahme nach der Affäre rund um die Schläge auf den Hinterkopf des Schweizer Sportministers Ueli Maurer. "Das hatte absolut nichts damit zu tun. Ich wollte Scharner auf dieser Position testen."
Die Welle an Ausfällen (Christian Fuchs, Martin Harnik, Emanuel Pogatetz) hat Koller zum Testen und Sichten verwendet. Mit Erfolg, wie der Schweizer meint. "Ich habe immer gesagt, dass wir nicht nur 23 Spieler brauchen. Die neuen Jungs haben sich gut eingebracht, menschlich und sportlich. Wir haben den Spielerpott sicher weiter vergrößert", sagte Koller. Besonders zufrieden war der 51- Jährige, dass die akribische Defensivarbeit der vergangenen Tage teilweise gut umgesetzt wurde. "Wir haben die vertikalen Bälle und das Hinterlaufen der Ukrainer gut unterbunden. Das haben wir uns erarbeitet und das wurde auch umgesetzt", analysierte der Chefcoach zufrieden.
Alles richtig gemacht hat Koller auch bezüglich Marko Arnautovic, der mit seinen zwei Treffern zum Matchwinner avancierte. Andere Trainer hätten den Offensivspieler wohl ausgetauscht. Auch Koller gestand solche Überlegungen ein, entschied sich aber anders. "Wichtig ist, dass man die Ruhe bewahrt. Und wenn man dann mit so einem geilen Tor belohnt wird, ist das natürlich das Schönste. Ich bin überzeugt, dass Österreich nicht viele Fußballer mit solchen Qualitäten hat", sagte Koller. Extralob gab es von Koller auch für einen weiteren Bremen- Kicker, nämlich für Zlatko Junuzovic, den Freistoß- Torschützen zum frühen 1:0. "Er ist ein echter Wuschler. Er ist sehr beweglich, war extrem unterwegs. Wie als wenn jemand vor dem Spiel seinen Motor aufgezogen hätte."
Aufholbedarf sah Koller in seiner Truppe vor allem vor der Pause im Offensivspiel. Das führte der Teamchef aber auf die verstärkte Defensivarbeit im Trainingscamp zurück. "Und wir brauchen mehr Ruhe bei unseren Angriffen, müssen den Ball mehr monopolisieren." Dass Kapitän Marc Janko am Freitag überhaupt nicht ins Spiel gefunden hat, entging natürlich auch Koller nicht. Dafür gab der Coach allerdings nicht Janko die Schuld.