"Ich kann nicht"

Geknickter Oscar Pistorius brach Trainingsversuch ab

Sport
13.04.2013 12:16
Oscar Pistorius hat es versucht. Der beinamputierte Profisportler ist mit seinem Betreuer Ampie Louw zum Trainingsgelände der Universität in Pretoria gefahren. Er schnallte sich die Karbonprothesen an und betrat die Tartanbahn - um dann sogleich wieder umzukehren. "Ich kann nicht", seien seine Worte gewesen, berichtet sein Trainer. Der mordverdächtige Paralympics-Star habe an diesem Tag Ende März sehr bedrückt den Sportplatz verlassen. "Er ist auch nur ein Mensch, er könnte jetzt gar nicht an einem Rennen teilnehmen, selbst wenn er wollte", betont Louw.

Es war ein ganz seltener Ausflug des Profisportlers, der früher so sehr die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, die Kameras und die Scheinwerfer liebte. Knapp zwei Monate vor der geplanten Prozesseröffnung (4. Juni) lebt er völlig zurückgezogen im Haus seines Onkels in Pretoria. Der Staatsanwalt will vor Gericht beweisen, dass Pistorius in der Nacht zum 14. Februar vorsätzlich seine Freundin Reeva Steenkamp (29) ermordet habe.

Freundin angeblich für Einbrecher gehalten
Der behinderte Profisportler beteuert, er habe die tödlichen Schüsse durch die Toilettentür seines Hauses nur abgegeben, weil er dahinter einen Einbrecher vermutete. Experten bezweifeln, dass der Prozess wirklich im Juni beginnen werde - wahrscheinlicher sei der Spätsommer oder Herbst, betonte der Jurist Stephen Tuson.

Sponsoren sprangen ab
Oskar Pistorius steht vor den Trümmern seines Lebens. Sponsoren und Werbepartner haben sich zurückgezogen. An eine Fortsetzung seiner Sportler-Karriere ist erst einmal nicht zu denken. Zwar hat ein Richter die Aufhebung der Kautions-Auflagen - wie die des Reiseverbots - angeordnet. Auch hat der internationale Leichtathletikverband bestätigt, dass Pistorius an internationalen Sportkämpfen teilnehmen könne. Aber wie südafrikanische Sportjournalisten berichten, sind die internationalen Veranstalter gar nicht so scharf auf eine Teilnahme des "Blade Runners".

Zwar wäre das Antreten des mordverdächtigen Südafrikaners spektakulär. Aber ein Rummel um Pistorius könnte leicht das Sportliche in den Schatten stellen, so die Befürchtungen. Zumal der 26-Jährige beim Vergleich mit nichtbehinderten Athleten kaum zur Weltspitze gehört. Bei der Leichtathletik-WM in Moskau im August hätte er schon mangels ausreichenden Trainings kaum Erfolgschancen.

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