"Krone": Sie haben in Ihrer Karriere 16 Grand Slams gewonnen, waren 285 Wochen die Nummer 1. Was für Ziele hat man da noch?
Roger Federer: Das bleibt immer gleich. Ich möchte bei den Grand Slams gut abschneiden. Das ist mir in den letzten Jahren immer geglückt. Mein großes Ziel ist es aber, wieder die Nummer 1 zu werden. Einfach, weil es ein schönes Gefühl ist, oben zu stehen.
"Krone": Heuer stehen auch die Olympischen Spiele an, Einzel-Gold fehlt Ihnen noch.
Federer: Schwer zu sagen, ob Olympia das größte Ziel heuer ist, das werden erst die Emotionen entscheiden. Aber es ist etwas Besonderes. Olympia ist nur alle vier Jahre und ich habe dort viel erlebt. In Sydney habe ich meine Frau kennengelernt, in Peking Doppel-Gold mit Stan Wawrinka geholt, das waren Riesen-Emotionen.
"Krone": Wie schaut da Ihre Vorbereitung aus?
Federer: Wir spielen Wimbledon, haben dann drei Wochen frei und spielen dann Olympia in Wimbledon. Also wieder auf Rasen. Das ist gut für den Körper. Ich werde davor zehn Tage pausieren, in die Schweiz fahren, um Freunde und Familie zu sehen.
"Krone": Sie warten seit zwei Jahren auf einen Grand-Slam-Sieg. Wie sehen Sie Ihre Chancen auf einen weiteren Titel?
Federer: Ich war immer nah dran, es ist aber meist unglücklich gelaufen. Die entscheidenden Matches gegen Nadal oder Djokovic habe ich knapp verloren. Natürlich hinterfrage ich mich nach solchen Niederlagen. Aber zumindest sehe ich, dass ich gut mithalten kann.
"Krone": Wie schwierig ist es, gegen solche Gegner zu bestehen?
Federer: Die Komplexität des Spiels von Nadal ist immer etwas Eigenes. Djokovic hat einen Super-Lauf und Murray wird auch eine tolle Saison spielen. Dahinter gibt es weitere Top-Spieler. Wir erleben momentan eine goldene Zeit im Tennis und ich bin stolz dazuzugehören.
"Krone": Spüren Sie Ihre 30 Jahre?
Federer: Etwas. Aber ich fühle mich nicht als Wrack und besser als vor zwei Jahren, als ich mit Rückenproblemen zu kämpfen hatte.
"Krone": Hat man als Profi genug Zeit für zwei Töchter?
Federer: Ich sehe meine Töchter 95 Prozent im Jahr, sie begleiten mich fast ständig. Ich sehe sie jeden Morgen, jeden Abend und wenn ich nicht trainiere den halben Tag.
"Krone": Welche Ziele haben Sie nach der Karriere?
Federer: Ich bin selber gespannt, wo ich in zehn Jahren bin. Ich freue mich, die Kinder heranwachsen zu sehen, hoffe vielleicht auf noch mehr.
"Krone": Werden die Tennis-Fans Sie vorher noch einmal in Wien sehen?
Federer: Ich hoffe, dass es sich ergibt, noch einmal in Wien zu spielen. Ich hatte in dieser Stadt viele schöne Momente. Prinzipiell habe ich viele Sympathien für Österreich.
"Krone": Österreichs aktuell bester Tennisspieler ist Jürgen Melzer. Wie schätzen Sie ihn ein?
Federer: Er hatte 2010 ein tolles Jahr, hat mich letzte Saison in Monte Carlo besiegt. Bei ihm geht es eher nach oben als nach unten. Er ist topfit, hat wunderbare Schläge.
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