"Er ist ein großartiger 'shot maker'. Er trifft immer ein paar wirklich gute, gefährliche Schläge. Es gibt auch nicht viele Burschen da draußen, die aus einem ersten Aufschlag so einen Return rausholen können", meinte Federer nach seinem nun schon wieder vierten Sieg ohne Satzverlust bei diesen US Open. Federer stürmt offenbar unaufhaltsam in Richtung siebentes US-Open-Finale en suite.
So einfach, wie es das Resultat aussagt, war es für Federer im ausverkauften Stadion jedenfalls nicht. "Es war schwer. Jürgen ist ein guter Spieler, hat großartiges Potenzial. Für ihn ist es auch wichtig, dass er so etwas konstant Woche für Woche bringt, was nicht leicht ist. Aber es scheint, als hätte er den Dreh heraußen."
Zwei Netzroller im Tie Break
Und zum Tiebreak meinte Federer: "Ich hatte wirklich Glück. Vielleicht hätte ich den Tiebreak sowieso gewonnen, aber so ist es eben. Ich habe seine große Frustration nach den zwei Netzrollern und dem 'overrule', das mir einen neuerlichen ersten Aufschlag gegeben hat und ich dann einen Servicewinner bekam, gesehen." Danach habe er Melzer mit drei unrein getroffenen Schlägen gebreakt. "Das waren gute zehn Minuten für mich", gestand Federer.
Den Zuschauern hat das zweite Duell Federer-Melzer am Labor Day, der amerikanischen Version des 1. Mai, jedenfalls gefallen, wohl auch den Superstars Cameron Diaz, Gwen Stefani oder der New-York-Yankees-Ikone Alex Rodriguez, A-Rod genannt. Auch Melzer ist das nicht entgangen, wenn dies auf den Leinwänden im Stadion gezeigt wurde.
Melzers schönste Tennis-Bühne
"Es ist sicherlich die schönste Tennisbühne der Welt. So eine Atmosphäre ist einzigartig. Die Night Session hier in New York ist, glaube ich, der Traum eines jeden Tennis-Spielers", war Melzer doch angetan. "Wenn man hier auch noch so gut spielt, wie ich das heute gemacht habe... leider mit dem falschen Ergebnis, aber ich hoffe, dass es nicht die letzte Partie auf diesem Platz war."
Für Melzer überwog trotzdem eindeutig die Enttäuschung. "Ich habe das Gefühl gehabt, ich war so knapp dran, das Match mehr als nur offen zu gestalten." Dass er bei den Majors in Paris, Wimbledon und den US Open erst an Nadal und zwei Mal Federer gescheitert ist, gibt Hoffnung auf mehr. "Es ist ein bisschen schade, dass ich jetzt in Wimbledon und hier gleich in den Roger reinrenne. Es ist zwar schön, die Setzung so hoch zu haben, aber es gibt ja auch noch andere."
Tolle Major-Bilanz
Dabei war Melzer gar nicht in Topform nach New York gekommen, hatte sich erst über den Kampf mit zwei Fünf-Satz-Siegen in die dritte Runde gespielt. Erst mit der Ferrero-Partie habe er sich wieder "in meine alte Form" reingespielt. "Ich habe mich von einer anderen Seite präsentiert und Matches gewonnen, wo ich nicht gut gespielt habe." Auch sein Manager Ronnie Leitgeb war zufrieden. "Das war eine deutliche Steigerung zu Wimbledon, er braucht sich für die Leistung nicht zu genieren." Die vergangenen drei Auftritte seines Schützlings bei Majors konnten sich sehen lassen. "Er verliert gegen die Nummern 1 und 2 der Welt und den Rest schlägt er. Wenn das immer so weitergeht, sind wir sehr zufrieden."
Novak Djokovic und Robin Söderling, die Nummern drei und fünf des Turniers, sind ebenso wie Gael Monfils ins Viertelfinale der US Open eingezogen.
Scharapowa kam, schrie und verlor
Eine Enttäuschung und zwei Überraschungen hat es aus Zuschauersicht bei den Damen gegeben. Das mit viel Spannung erwartete Duell der topgesetzten Caroline Wozniacki gegen die dreifache Major-Gewinnerin Maria Scharapowa hielt nämlich nicht das, was man sich davon versprochen hatte. Die Vorjahresfinalistin aus Dänemark war gegen die US-Open-Siegerin 2006 letztlich ungefährdet, Scharapowa kämpfte, schrie und beging nicht weniger als 36 unerzwungene Fehler inklusive neun Doppelfehlern.
Wozniackis Gegnerin wird Dominika Cibulkova sein. Die Slowakin bezwang völlig unerwartet die als Nummer elf gesetzte Swetlana Kusnezowa mit 7:5, 7:6(4). Überraschung Nummer zwei lieferte die Estin Kaia Kanepi mit ihrem Drei-Satz-Sieg über Yanina Wickmayer (BEL-15). Mit dem eigenartigen Resultat 0:6, 7:6(2), 6:1 setzte sich die 25-Jährige durch. In der Night Session war die Deutsche Andrea Petkovic in ihrem ersten Achtelfinale gegen die Russin Wera Swonarewa beim 1:6, 2:6 chancenlos. Swonarewa trifft nun auf Kanepi, die in der dritten Runde Jelena Jankovic (SRB-4) ausgeschaltet hatte.
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