Rapid greift durch

Edlinger: “Vielleicht sind wir einfach zu tolerant gewesen”

Sport
29.08.2012 22:05
Jahr(zehnt)elang hat sich die Fanarbeit des SK Rapid in Dialogbereitschaft, Nahbarkeit und Offenheit materialisiert. Doch der "Verein zum Anfassen" wird sich künftig deutlich prüder geben. Präsident Rudolf Edlinger, dem nach dem Skandal beim EL-Spiel in Saloniki der Geduldsfaden endgültig gerissen ist, kündigt scharfe Sanktionen gegen Radaubrüder an und sinniert selbstkritisch: "Vielleicht waren wir in der Vergangenheit zu tolerant."

Juni 2011: Dutzende hellhörige Journalisten lauschen gebannt, wie ein leicht griesgrämiger Rapid-Präsident bei einer Pressekonferenz mit schneidendem Timbre scharfe Sanktionen gegen Rapid-Fans ankündigt. Vor wenigen Wochen hatten unverbesserliche Chaoten im grün-weißen Lager während des Wiener Derbys im Hanappi-Stadion das Feld gestürmt, einen Abbruch erzwungen und dem Verein erheblichen finanziellen Schaden zugefügt.

"Wiederholung" im Jahr 2012
August 2012: Dutzende hellhörige Journalisten lauschen gebannt, wie ein leicht griesgrämiger Rapid-Präsident bei einer Pressekonferenz mit schneidendem Timbre scharfe Sanktionen gegen Rapid-Fans ankündigt. Vor wenigen Tagen hatten unverbesserliche Chaoten im grün-weißen Lager Leuchtraketen auf PAOK-Saloniki abgefeuert, dadurch dazu beigetragen, dass das EL-Play-off-Hinspiel beinahe nicht stattfinden hätte können, und dem Verein erheblichen finanziellen Schaden zugefügt.

Während nach dem ersten geschilderten Szenario die Verantwortlichen des SK Rapid bald wieder zurückruderten, den beleidigten Fans Zugeständnisse machten und den berühmten "Sanktionen-Katalog" zugunsten der Supporter adaptierte, scheint es Edlinger diesmal ernst zu meinen. Und nicht nur er. Auch Andy Marek, 15 Jahre lang der Fan-Guru schlechthin, zieht Konsequenzen und sich aus der grün-weißen Fanarbeit weitgehend zurück (siehe Infobox).

Edlinger kündigt "harten Weg" an
"Wir werden künftig einen harten Weg einschlagen", erklärt Edlinger: "Es gibt Menschen, für die Fußball ein sekundäres Ereignis ist, und dem Verein schaden – bewusst oder einfach nur aus Dummheit. Diese Leute wollen wir nicht. Daher werden wir die Sanktionen verstärken. Vielleicht sind wir da in der Vergangenheit einfach zu tolerant gewesen."

Die ersten konkreten Maßnahmen: Den sechs in Saloniki verhafteten Rapid-Fans wird in Hütteldorf Hausverbot aufgebrummt. Werden sie im Zuge des Prozesses, der auf sie wartet, verurteilt, verwandelt sich dieses vorübergehende Hausverbot in ein langfristiges Stadionverbot mit der Dauer von bis zu zehn Jahren um.

Die Angst vor einem "leeren Trinkbecher"
Edlinger, der trotz allem weiterhin eine Lanze für "den Großteil unserer Fans" bricht, ist der Ernst der Lage bewusst. Für seinen Verein steht viel auf dem Spiel. "Selbst der Wurf eines leeren Trinkbechers beim Rückspiel gegen PAOK Saloniki könnte für uns den Ausschluss aus der Europa League bedeuten." Daher werde es im Vorfeld des Spiels strenge Kontrollen geben.

Fannah wolle man sich als Verein zwar auch in Zukunft geben, "aber jene, die dem Verein Schaden zufügen, werden künftig bei uns nicht mehr willkommen sein".

Edlinger in Saloniki "persönlich attackiert"
Was freilich nichts daran ändert, dass man gegen das Urteil der UEFA, 75.000 Euro Geldstrafe und ein Geisterspiel, berufen werde: Weil "ich als Präsident dazu verpflichtet bin, den wirtschaftlichen Schaden für den Verein so gering wie möglich zu halten", wie Edlinger begründet. Zudem seien die Rahmenbedingungen beim Hinspiel in Griechenland "sowohl für Spieler als auch für Fans geradezu untragbar gewesen", moniert der Präsident: "Ich bin bis vergangenen Donnerstag bei einem Fußballspiel noch nie persönlich attackiert worden. Beim Spiel in Saloniki war das sehr wohl der Fall." Daher werde man das Urteil anfechten. Am künftigen Umgangston mit unliebsamen Fans wird aber wohl auch ein erfolgreicher Einspruch nichts ändern.

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