Wo andere Rennspiele auf den Luxus einer Rahmenhandlung verzichten, wartet "GRID 2" tatsächlich mit so etwas wie einer Story auf. Die ist zwar ziemlich einfach gestrickt und kommt ohne unerwartete Wendungen oder denkwürdige Charaktere aus, aber es gibt sie, immerhin. Die Kurzform: Als junger, aufstrebender Rennfahrer wird der Spieler von einem reichen Mäzen entdeckt, der eine eigene Rennserie gründen will.
Story: Spieler macht neue Rennserie bekannt
Es ist die Aufgabe des Spielers, die neue Rennserie unter den Motorsportfans bekannt zu machen und zusätzliche Teams zum Mitmachen zu bewegen, indem er sie in Rennen schlägt. So schaltet man auch neue Inhalte wie Autos oder Kurse frei - von beidem gibt's in "GRID 2" reichlich. Neue Herausforderungen bringen neue Strecken und Autos mit sich, Fahrzeuge werden zusätzlich auch in eigenen Rennen freigeschaltet.
Die Palette der fahrbaren Untersätze reicht von US-amerikanischen Muscle Cars à la Ford Mustang über japanische Drift-Boliden wie den Nissan Skyline bis hin zu ausgewachsenen Supersportwagen wie den Mercedes SL 65 AMG. Auch wenn manch bekannter Sportwagenhersteller in dem Game fehlt, bietet es eine ansehnliche Autosammlung mit vielen unterschiedlichen Flitzern, die sich auch in puncto Fahrverhalten oft deutlich unterscheiden.
Abwechslungsreiche Schauplätze, rasante Rennen
Auch bei der Streckenauswahl bietet "GRID 2" viel Abwechslung. Rennen über kalifornische Landstraßen können ebenso bestritten werden wie Stadtkurse mit vielen engen Kurven oder ausgewachsene Rennstrecken wie der Red-Bull-Ring in Spielberg. Die verfügbaren Modi reichen von ganz normalen Rennen über Herausforderungsrennen, in denen ein bestimmter Gegner geschlagen werden muss, bis hin zu Zufallsrennen, bei denen sich der Streckenverlauf jederzeit ändern kann. Fahrzeug-Herausforderungen und Überholrennen, bei denen möglichst viele Gegner möglichst spektakulär überholt werden müssen, gibt es ebenfalls.
Für Abwechslung ist also gesorgt. Aber wie spielt sich "GRID 2" eigentlich? Rasant, wie wir meinen. Das Spiel bringt das Geschwindigkeitsgefühl schon mit den Anfangsfahrzeugen gut rüber, mit schnelleren Boliden versetzt es den Spieler endgültig in einen Geschwindigkeitsrausch. Dabei ist es stets fordernd, den Wagen auf der Strecke zu halten, in Kurven die Ideallinie zu finden und das Auto nach spektakulären Drifts gekonnt abzufangen, damit die Zurschaustellung fahrerischen Könnens nicht im Seitengraben endet.
Fiese KI und gelungenes Schadensmodell
Die künstliche Intelligenz der Gegner tut ihr Übriges, dass so schnell keine Langeweile aufkommt. Die computergesteuerten Fahrer sind ernstzunehmende Gegner und schrecken nicht davor zurück, den Spieler mit sanfter Gewalt in die Leitplanke zu befördern. Auch untereinander schenken sich die Computergegner nichts, was gerade am Beginn eines Rennens immer wieder mal herumfliegendes Blech nach sich zieht.
Apropos Blech: "GRID 2" hat ein gut gelungenes Schadensmodell, das auf den niedrigeren Schwierigkeitsstufen nur kosmetische Auswirkungen hat, auf höheren Schwierigkeitsgraden aber auch mal zu einem Totalschaden führen kann und das Fahrverhalten beeinflusst. Schwer beschädigte Autos legen gerne mal einen Links- oder Rechtsdrall an den Tag und machen es dem Spieler schwer, aufs Podest zu fahren. Wer mit aktiviertem Schadensmodell fährt, sollte es deshalb durchaus etwas vorsichtiger angehen lassen.
Rückspulfunktion gegen Anfängerfehler
Um allzu schwerwiegende Fahrfehler auszubügeln, gibt es wieder die bereits aus dem Vorgänger bekannte Rückspulfunktion. Endet ein waghalsiges Manöver mit einem Sturz von einer Klippe oder überschlägt sich der Wagen wegen einer zu schnell genommenen Kurve, darf der Spieler das Rennen zurückspulen und den Fahrfehler korrigieren. Je nach Schwierigkeitsgrad darf man im Rennen eine bestimmte Zahl dieser Rückspulvorgänge nutzen. Wer alle schon am Beginn des Rennens verpulvert, hat am Ende keine mehr übrig.
Insgesamt hat das Gameplay von "GRID 2" einen guten Eindruck bei uns hinterlassen. Das Fahrverhalten bietet ein vernünftiges Mindestmaß an Realismus – selbst Bodenunebenheiten wirken sich auf den Grip des Wagens aus – und bleibt dabei trotzdem gut zugänglich. Es ist rasant und spektakuläre Drifts verlangen dem Spieler exaktes Gegenlenken ab, frustrieren dabei aber nicht.
Optik: hübsch, aber ohne Wettereffekte
Auch grafisch weiß "GRID 2" zu gefallen. Die Strecken sind mit Liebe zum Detail designt, Staubwolken und herumwirbelndes Laub veranschaulichen die Geschwindigkeit, mit der die Boliden über die Straßen jagen. Auf den Autos spiegelt sich detailliert die Umgebung und die Texturqualität der getesteten PC-Version gefällt.
Auf übermäßige Sonnenspiegelungen, wie es in manch anderem Rennspiel derzeit Mode ist, verzichtet Codemasters. Auf Wettereffekte leider auch - Regenrennen gibt's nicht. Erfreulich: Das Spiel läuft trotz der schönen Grafik auch auf älteren PC-Systemen noch mit vernünftiger Bildrate.
Boliden sind ins Detail individualisierbar
Einige Infos zum Aussehen der Autos: Die Boliden können vom Spieler bis ins Detail an seine Wünsche angepasst werden. Verschiedene Muster stehen ebenso zur Auswahl wie verschiedene Farben und Lacke. Einfärbige matte Boliden sind ebenso machbar wie quietschbunte Geschosse mit Flip-Flop-Lack. Wer mag, darf auch Sponsorpickerl und Felgen nach seinem Gutdünken verändern.
Ein kleiner Mangel an "GRID 2" ist das Fehlen einer Cockpit-Perspektive. Zwar gibt es First-Person-Ansicht, Motorhaubenansicht und zwei verschiedene Third-Person-Perspektiven, die bei vielen Rennspiel-Fans beliebte Cockpit-Perspektive hätte dem Spiel aber nicht geschadet.
Unaufdringlicher Sound, präzise Steuerung
Beim Sound gibt's an "GRID 2" dafür wieder nichts auszusetzen. Die Hintergrundmusik bei den Rennen ist dezent und atmosphärisch, das Röhren der PS-starken Boliden gefällt und wirkt einigermaßen realitätsnah und auch die Umgebungsgeräusche bis hin zu berstendem Blech wissen zu gefallen. Einzig die deutsche Sprachausgabe nervt gelegentlich, allerdings nicht unbedingt wegen der Wahl der Sprecher, sondern wegen der Neigung, dem Spieler nach Unfällen immer wieder mitzuteilen, wie kaputt sein Auto bereits ist.
Die Steuerung von "GRID 2" ist exakt und leicht zu erlernen, für ein Maximum an Spielspaß raten wir allerdings dazu, zum Xbox-Gamepad zu greifen. Selbiges unterstützte die PC-Version in unserem Test problemlos. Der Vorteil eines Gamepads: Analog-Sticks und analoge Trigger erlauben die bessere Dosierung des Gaspedals und vorsichtigere Lenkmanöver. Beides ist überlebenswichtig, wenn man an seinem Wagen hängt und nicht allzu oft Bekanntschaft mit der Streckenbegrenzung machen will.
Witziger Multiplayer mit Splitscreen-Modus
Der Mehrspielermodus von "GRID 2" bietet nach dem Durchspielen der Kampagne zusätzlichen Spielspaß. Das Spiel sucht entweder online nach passenden Gegnern und Herausforderungen für den Spieler, alternativ darf man auch ganz altbewährt im Splitscreen-Modus zu Hause gegeneinander antreten.
Weil die Online-Gegner mitunter ganz schön harte Nüsse sein können, sollte man sein fahrerisches Können zunächst im Einzelspielermodus verbessern, bevor man sich ins Internet wagt. Gerade für Anfänger besteht sonst Frustgefahr. Ansonsten gestaltet sich der Multiplayer ähnlich abwechslungsreich wie der Einzelspielermodus und fesselt über längere Zeit.
Fazit: Mit "GRID 2" ist Codemasters ein starkes Rennspiel gelungen, das vor allem durch sein gleichzeitig zugängliches und rasantes Fahrgefühl, die abwechslungsreichen Modi, Strecken und Autos und die fiese KI in Erinnerung bleibt. Die Entwickler haben das Spiel mit vielen cleveren Einfällen wie der Rückspulfunktion aufgewertet und auch optisch weiß das Game mit ein paar kleinen Abstrichen zu überzeugen.ari – fehlen aber. Auch eine Cockpit-Perspektive und Wettereffekte hätten das Spiel noch etwas aufgewertet. Was bleibt, ist ein gelungenes Rennspiel, das auch langfristig zu fesseln versteht.
Plattform: PC (getestet), PS3, Xbox 360
Publisher: Namco Bandai
krone.at-Wertung: 8/10
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