Rollenspiel-Fest

Grund für schlaflose Nächte: “Kingdoms of Amalur”

Spiele
27.02.2012 16:12
Wenn Fantasy-Autor Robert Anthony Salvatore, "Spawn"-Schöpfer Todd McFarlane und Lead Designer Kevin Rolston ("Elder Scrolls III: Morrowind" und "Elder Scrolls IV: Oblivion") gemeinsame Sache machen, dann kann dabei eigentlich nur Gutes herauskommen. Und so ist es im Fall von "Kingdoms of Amalur: Reckoning", dem jüngsten Rollenspiel-Spross aus dem Hause EA, dann auch - sehr zum Leidwesen des Spielers, dem damit zahlreiche schlaflose Nächte bevorstehen.

"Kingdom of Amalur: Reckoning" beginnt zunächst recht unkonventionell, nämlich mit dem Ableben des eigenen Charakters. Doch durch eine wundersame Fügung des Schicksals kehrt dieser alsbald von den Toten zurück und bringt dadurch die Ereignisse gehörig durcheinander. Als Auserwählter gilt es sich fortan einer dunklen Bedrohung zu stellen – oder zunächst einmal auf eigene Faust die Welt von Amalur zu erkunden.

Krieger, Schurke oder Magier?
Zur Auswahl stehen dafür vier verschiedene Rassen, die mit jeweils unterschiedlichen Begabungen und Talenten gesegnet sind. Dazu zählen etwa Geschick beim Handeln, beim Schmieden oder in der Alchemie. Davon unabhängig können sich die optisch ganz nach Belieben erstellbaren Charaktere einer bestimmten Klasse verschreiben. Die Grenzen zwischen Krieger, Schurke oder Magier sind allerdings fließend, räumt der Titel dem Spieler doch große Freiheiten bei der Spezialisierung seines eigenen Charakters ein.

Wunderbare Item-Vielfalt
So kommt es, dass man als an Langschwert und Hammer gewöhnter Krieger bei Bedarf auch mal einen Stab oder Dolch schwingen und von den Vorzügen mächtiger Zauber Gebrauch machen kann. Das ist umso erfreulicher, wenn man bedenkt, dass es im Spiel eine schier unglaubliche Anzahl unterschiedlicher Waffen, aber auch Rüstungen und sonstiger Ausrüstungsgegenstände gibt. 

Ob diese normal, magisch oder gar einzigartig sind, ist auf einen Blick erkennbar. Auf Knopfdruck können im großzügig angelegten und aufgeräumten Inventar zudem zwei Items miteinander verglichen werden. Was nicht gebraucht wird, wandert in die "Plunder"-Abteilung, um beim nächsten Händler auf einen Schlag in bare Münzen verwandelt zu werden. Alternativ lassen sich die Altmetall-Vorräte auch zerstören, was bei entsprechendem Talent nicht nur neuen Platz im Rucksack schafft, sondern auch einen bestimmten Anteil des Verkaufswertes sichert, ohne dass man dafür einen Händler hätte aufsuchen müssen.

Vom Hundertsten ins Tausendste
Durchdacht ist auch das Quest-Log, indem Haupt- und Nebenquests fein säuberlich voneinander getrennt sind. Auch Missionen einzelner Gruppierungen, denen sich der Held im Spielverlauf anschließen kann, scheinen hier ebenso auf wie spezielle Sammel-Aufgaben und bereits erledigte und somit zu den Akten gelegte Quests. Sinnigerweise werden frisch angenommene Aufträge nicht automatisch aktiviert, sodass es auf der Mini-Map stets übersichtlich bleibt. Letztere kann auf Wunsch übrigens über die Optionen automatisch gen Norden ausgerichtet werden – auch das ein Service am Spieler.

Neue Fertigkeiten für den Kampf
Die Aufträge selbst könnten unterschiedlicher nicht sein, und schnell gerät man von einer Mission in die nächste. Am Ende winken jedoch stets Gold und/oder materielle Güter sowie – wohl am wichtigsten – Erfahrungspunkte, die schlussendlich in einem Stufenaufstieg resultieren. Neben den bereits erwähnten Grundtalenten wie Handelsgeschick, Schmiedekunst und weiteren, können dann auch neue Fertigkeiten für den Kampf erlernt werden, die sowohl passiver als auch aktiver Natur sein können - also entweder an der Gesundheits-Leiste zehren oder kurzweilig den Mana-Vorrat verringern.

Entdecke die Möglichkeiten
Kompensiert werden kann dies wiederum unter anderem durch Tränke, die in der Alchemie bewanderte Charaktere sich selbst brauen können. Die dafür benötigten Zutaten, im Spiel Reagenzien genannt, finden sich in ganz Amalur. Gleiches gilt für Gegenstände, die zum Schmieden von Waffen oder Rüstungen benötigt werden, denn auch diese können an dafür vorgesehenen Orten eigenhändig gefertigt werden – sei es für den Eigenbedarf oder zum Weiterverkauf.

Eine zusätzliche Möglichkeit der Individualisierung und des Herumexperimentierens bietet das sogenannte Gemmenschleifen, welches es dem Spieler erlaubt, im Spiel verteilte magische Scherben miteinander zu kombinieren und anschließend an Waffen oder Rüstungsteilen mit entsprechender Fassung anzubringen. Die Widerstandfähigkeiten gegen unterschiedliche Zauber (Eis, Feuer, Blitz, Gift) lassen sich so zum Beispiel erhöhen und machen aus einem vergleichsweise gewöhnlichen schnell ein einzigartiges Item.

Monster noch und nöcher
Gelegenheiten, von diesen Gegenständen Gebrauch zu machen, gibt es reichlich, fällt das Bestiarium zur Freude des Spielers doch überraschend groß aus. Fast jeder Landstrich wartet mit seinen ganz eigenen Monstern auf, die Palette erstreckt sich dabei von kleinen Wichten und Elfen über die wolfähnlichen Barghest oder Niskaru-Blutjäger bis hin zu den schwerfälligen, aber umso schlagkräftigeren Jottun oder Trollen, um nur ein paar zu nennen. Ganz zu schweigen von den zahlreichen menschenähnlichen Widersachern, die nach dem Leben des Helden trachten.

Einfach zu erlernen, schwer zu meistern: das Kampfsystem
Gestalten sich die Kämpfe anfangs noch recht simpel, sind mit zunehmendem Spielverlauf immer ausgefeiltere Strategien vonnöten, um sich gegen die mitunter auch gemischt zusammengesetzten Gegnergruppen zu behaupten. Problematisch wird es vor allem dann, wenn die eigene Kampfgeschwindigkeit, die von der Wahl der Waffe abhängt, nicht mit jener des Feindes konform geht und etwa flinke Kobolde immer wieder den eigenen Angriff mit dem langsamen Hammer oder Großschwert unterbinden.

Wahre Wunder können in einem solchen Fall neben einem Schild die besonderen Fertigkeiten des Helden bewirken. So kann beispielsweise der Krieger mit einer Art magischem Enterhaken einzelne Gegner aus der Menge herauslösen und zu sich heranziehen, oder er lässt mit einem mächtigen Schrei seine Feinde erzittern. Bis zu vier solchen Fertigkeiten können auf Tastendruck abgerufen werden. Der konventionelle Kampf gestaltet sich ebenfalls sehr einfach: Sowohl Haupt- als auch Zweit- bzw. Distanzwaffe werden mit einer einzigen Taste bedient. Abhängig davon, wie kurz oder lange diese gedrückt wird und den Pausen dazwischen ergeben sich unterschiedliche Angriffe mit teils verheerender Wirkung.

Opulente Optik
Das wiederum macht nicht nur Spaß, sondern sieht – so wie das gesamte Spiel an sich – auch noch großartig aus. Nach dem optisch eher unspektakulären Prolog unter Tage fesselt "Kingdoms of Amalur: Reckoning" bald mit seinen offenen und abwechslungsreich gestalteten Landschaften. Nebst üppigen Wäldern mit idyllischen Dörfern wartet der Titel unter anderem mit hügeligen Graslandschaften und staubigen Wüsten auf, die zu durchqueren aufgrund der vielen Details die reinste Freude ist. Und wer es eilig hat, kann schließlich immer noch auf die Schnellreisefunktion zurückgreifen.

Technisch einwandfrei
Obwohl EA empfiehlt, das Spiel auf der Festplatte der Konsole zu installieren, gibt es auch beim direkten Zugriff von der Disc kaum Anlass zur Kritik. Dass Texturen gelegentlich etwas zögerlich nachladen, fällt kaum auf und wenn dann nicht ins Gewicht. Auch die Ladezeiten beim Betreten von Häusern, Höhlen und anderen Innenräumen liegen im vertretbaren Rahmen. Dabei besticht Kingdoms of Amalur neben den Details auch durch eine komplette Sprachausgabe und eine amtliche musikalische Untermalung. Verbesserungswürdig scheint einzig die KI der Gefährten, die den Helden von Zeit zu Zeit bei seinen Missionen begleiten. Wie so oft sind sie mehr Hindernis als echte Hilfe, sodass die Hauptarbeit mal wieder an einem selbst hängen bleibt.

Fazit: "Kingdoms of Amalur: Reckoning" bietet den von der "The Elder Scrolls"-Reihe gewohnten Tiefgang mit der Action und Item-Vielfalt eines "Diablo". Das Ganze kommt noch dazu optisch so hübsch verpackt und technisch einwandfrei daher, dass Genre-Fans gar nicht anders können werden, als über Tage und Wochen in die komplexe Welt von Amalur einzutauchen. Dank vieler durchdachter Feinheiten im Gameplay (Inventar, Quest-Log, Schnellzugriffsrad, etc.) gelingt der Einstieg im wahrsten Sinne d

Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3, PC
Publisher: Electronic Arts
krone.at-Wertung: 9/10

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