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Germany's Next Topmodel - ein Leidensbericht

11.03.2010, 10:38
Germany"s Next Topmodel - ein Leidensbericht
Knapp ein Jahr ist vergangen, seitdem ich das letzte Mal einen Fuß ins Model- Loft gesetzt habe. Jetzt zwingt mich das charmante Lächeln von Sara Nuru auf dem Cover von "Germany's Next Topmodel" dazu, die Strapazen des Klum'schen Modelcastings erneut auf mich zu nehmen. In Fällen wie diesen zeigt sich einmal mehr, wie hart das Leben eines Spieletesters wirklich ist.

"Mein erster Tag als angehendes Model. Oh Gott, ich bin so nervös", schießt es mir bei der Ankunft in dem Model- Loft durch den Kopf. "Ich hoffe, die anderen Mädchen sind nett und nicht solche Zicken, wie man sie aus dem Fernsehen kennt." Doch in diesem Punkt sollte ich mich irren, wenngleich ich es zugegebenermaßen erst gar nicht darauf anlege, mir Freunde zu machen. "Zeig den anderen Tussis einfach, wo's langgeht", hatte mir meine Freundin Anna zuvor noch per Mail gesagt, und daran halte ich mich jetzt auch.

Von kleinen Würstchen und gruseligen Stalkern

Franziska eröffne ich daher gleich erst mal, dass sie wohl gar nicht hier wäre, wenn sie wirklich so toll wäre. Und Lea konstatiere ich, eine Stalkerin zu sein, eine ziemlich gruselige noch dazu. Meine Popularitätswerte rasseln daraufhin zwar in den Keller, aber ich bin ja schließlich hier um zu gewinnen. Nur die eine der insgesamt elf Schnepfen, deren Name mir gleich wieder entfallen ist, weil ich ohnehin nicht vorhabe, jemals wieder ein weiteres Wort mit ihr zu wechseln, gibt mir Kontra: "Was du kleines Würstchen von mir hältst, interessiert mich kein bisschen." Auch wurscht.

Im Fernsehen wirkt das alles irgendwie anders

Apropos Wurst: Ich habe Hunger. Das Gezicke hat mich offenbar ausgelaugt. Finde ich nicht schleunigst den Kühlschrank, um meine Energiereserven aufzufüllen, straft mich die Jury mit Punktabzug. Erfreut darüber, dass Essen zu einem fixen Bestandteil des Spiels geworden ist, mache ich mich also auf die Suche nach der Küche und stelle dabei fest: "Im Fernsehen wirkt das alles irgendwie anders. Auch das Haus ist größer." Nur schöner ist es seit dem letzten Besuch leider nicht geworden. Wie man angesichts der absolut grottigen Texturen überhaupt herausfinden möchte, wer die Schönste im Lande ist, stellt mich vor ein Rätsel.

"Nicht so viel futtern, sonst rollst du"

Endlich: der Kühlschrank. Ich schlinge ein "üppiges Baguette mit Remoulade" herunter, haue mich aufs Ohr und setze das Mahl nach dem Aufstehen am nächsten Tag mit Käse- Nachos, Pancakes samt Ahornsirup und einem Schokoriegel fort, um für die Herausforderungen des Tages optimal gestärkt zu sein. Die Warnung "Nicht so viel futtern, sonst rollst du" schlage ich in den Wind. Die Quittung dafür bekomme ich wenig später beim Sporteln mit meinem Trainer, eine Art Burt- Reynolds- Verschnitt mit schnittiger "Rotzbremse" im Gesicht, serviert.

Während das Stepper- Training, bei dem auf Wunsch nun auch das Balance Board zum Einsatz kommt, noch recht leicht von der Hand geht, scheitere ich beim Laufband schon an der Beschreibung. Letzen Endes geht es wohl darum, mit der Wii abwechselnd im Kreis im oder gegen den Uhrzeigersinn zu fuchteln, was aber nicht so recht funktionieren will. Das Stolzieren auf dem Catwalk, bei dem es Wii- Mote und Nunchuck im Takt zu schütteln gilt, klappt zwar besser, ist deshalb aber noch lange nicht weniger affig.

Stylen, Dressen und Schminken

Das gilt auch für die nächste Herausforderung: das Hübsch- Machen. Dem jeweiligen Mode- Thema der Woche folgend – ich habe zuvor intensiv am PC über Glockenhosen und andere modische Besonderheiten der vergangenen Dekaden recherchiert -, versuche ich mich im Stylen, Dressen und Schminken. Erkenntnis: "So ein professionelles Make- Up ist doch schwerer als ich dachte. Bisher reichten mir immer Abdeckcreme, Eyeliner und Maskara, und jetzt kommen die hier noch mit Rouge, Puder und so weiter." Verflixt.

Augen zu und durch

Aufgebrezelt und zugekleistert geht es schließlich zur letzten Herausforderung vor der ersten "Entscheidungsshow", der Heidi übrigens auch heuer wieder fernbleiben wird: das Foto- Shooting. Dieses hat im Vergleich zum Vorgänger immerhin eine kleine Verbesserung erfahren und erlaubt nun sogar den Austausch von Hintergrundkulisse und Deko- Artikeln. Da ich immer noch Probleme damit habe, mich an das Pixel- Massaker auf dem Bildschirm zu gewöhnen, verschwende ich darauf jedoch keine Sekunde und drücke den Auslöser. Ganz nach dem Motto: Augen zu und durch.

Fazit: "Sonst saß ich immer vor dem Fernseher, jetzt bin ich selbst dabei. Es ist noch immer wie ein Traum." Allerdings kein besonders schöner Traum, denn was dem Wii- Besitzer hier als Unterhaltung verkauft werden soll, grenzt schlichtweg an Frechheit. Acht in der Aufmachung äußerst simple und stupide Mini- Games, die es immer wieder und wieder zu absolvieren gilt, sind selbst für die Jüngsten unter uns zu wenig, um vom Hocker gehauen zu werden. Immerhin: Nach dem Debakel vom Vorjahr (siehe Infobox) kann sich das Spiel dank marginaler Verbesserungen (Balance- Board- Unterstützung, teilweise Sprachausgabe, größeres und insgesamt weniger steriles Loft) wenigstens einen Punkt dazuverdienen. Für eine Kaufempfehlung ist das aber nach wie vor zu wenig.

Plattform: Wii (getestet), DSi
Publisher: Sevengames
krone.at- Wertung: 2/10

von Sebastian Räuchle

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