Beim ORF meldete sich eine Frau, die in den 1970er- Jahren von einem inzwischen verstorbenen Stadtpfarrer wiederholt an der Brust berührt worden sein soll. "Als ich in die Pubertät gekommen bin, hat er mich immer wieder gefragt, ob ich schon aufgeklärt bin. Dann hat er mir immer wieder mit beiden Händen an die Brust gefasst. Das war mir sehr unangenehm", sagte die Frau im Radio- Frühjournal.
Sie äußerte auch den Verdacht, dass ihre Mutter Opfer des Pfarrers geworden sei, als diese sich einmal Geld in der Pfarre lieh. Da die Mutter schon tot sei, lasse sich das aber nicht mehr klären. Der Priester sei damals nach einschlägigen Gerüchten versetzt worden. Nach diesem Bericht meldete sich noch eine weitere Frau, die ebenfalls von dem Pfarrer unsittlich berührt worden sei.
Auch der Prior von St. Peter, Korbinian Birnbacher, berichtete von drei neuen Fällen. In den Jahren 1965 bis 1972 sollen eine Ordensfrau, Ordensbrüder, ein Weltpriester und ein Mitschüler einen Mann missbraucht haben. Der Fall betreffe aber nicht St. Peter. "Das Gespräch war erschütternd", schilderte Birnbacher einer Zeitung.
Im Zusammenhang mit den jüngsten Missbrauchsvorwürfen sprach sich nun nach Kardinal Christoph Schönborn auch der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser für eine Diskussion über den Zölibat aus. "Die Zeiten und die Gesellschaft haben sich verändert. Und deswegen wird die Kirche überlegen müssen, wie sie diese Lebensform weiterpflegen kann, oder was sie verändern muss", sagte Kothgasser am Donnerstagabend in der ORF- Sendung "Salzburg heute". Er schäme sich sehr für die katholische Kirche, besonders wegen des vielen Leids, das Priester durch sexuellen Missbrauch jungen Menschen angetan hätten.
Der Erzbischof bedauerte auch, dass die Kirche in der Vergangenheit Fehler bei der Aufklärung von Missbrauchsfällen begangen habe, "das müssen wir leider Gottes sagen. Es wird nur schwer zu überwinden sein. Darum brauchen wir ein ganz neues Bemühen um mehr Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit. Diese stünden uns vom Evangelium her gut an."
Kothgasser zeigte auch gewisses Verständnis, dass nach den jüngsten Vorfällen Menschen aus der Kirche austreten. "Viele Gläubige sind motiviert, ein wirklich christliches Leben zu führen. Wenn sie dann solche Beispiele sehen, wo gerade das Gegenteil geschieht, da wird es in der Kirche ein starkes Bemühen geben müssen, um mehr Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit zu leben."
Sehnsüchte tauchen auf