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Weitere Opfer von Missbrauch gehen an die Öffentlichkeit

12.03.2010, 10:35
Weitere Opfer von Missbrauch gehen an die Öffentlichkeit (Bild: APA)
Foto: APA
Nach dem Bekanntwerden eines Missbrauchsfalles in der Erzabtei St. Peter und dem Rücktritt des Erzabtes haben sich nun weitere Opfer von sexuellen Übergriffen durch Kirchenvertreter gemeldet. Zwei Frauen wagten sich an die Öffentlichkeit, die von einem inzwischen verstorbenen Stadtpfarrer unsittlich berührt worden sein sollen. Und an den Prior von St. Peter wandten sich drei Opfer.

Beim ORF meldete sich eine Frau, die in den 1970er- Jahren von einem inzwischen verstorbenen Stadtpfarrer wiederholt an der Brust berührt worden sein soll. "Als ich in die Pubertät gekommen bin, hat er mich immer wieder gefragt, ob ich schon aufgeklärt bin. Dann hat er mir immer wieder mit beiden Händen an die Brust gefasst. Das war mir sehr unangenehm", sagte die Frau im Radio- Frühjournal.

Pfarrer nach einschlägigen Gerüchten versetzt

Sie äußerte auch den Verdacht, dass ihre Mutter Opfer des Pfarrers geworden sei, als diese sich einmal Geld in der Pfarre lieh. Da die Mutter schon tot sei, lasse sich das aber nicht mehr klären. Der Priester sei damals nach einschlägigen Gerüchten versetzt worden. Nach diesem Bericht meldete sich noch eine weitere Frau, die ebenfalls von dem Pfarrer unsittlich berührt worden sei.

Mann von mehreren Personen missbraucht

Auch der Prior von St. Peter, Korbinian Birnbacher, berichtete von drei neuen Fällen. In den Jahren 1965 bis 1972 sollen eine Ordensfrau, Ordensbrüder, ein Weltpriester und ein Mitschüler einen Mann missbraucht haben. Der Fall betreffe aber nicht St. Peter. "Das Gespräch war erschütternd", schilderte Birnbacher einer Zeitung.

Auch Kothgasser für Diskussion über den Zölibat

Im Zusammenhang mit den jüngsten Missbrauchsvorwürfen sprach sich nun nach Kardinal Christoph Schönborn auch der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser für eine Diskussion über den Zölibat aus. "Die Zeiten und die Gesellschaft haben sich verändert. Und deswegen wird die Kirche überlegen müssen, wie sie diese Lebensform weiterpflegen kann, oder was sie verändern muss", sagte Kothgasser am Donnerstagabend in der ORF- Sendung "Salzburg heute". Er schäme sich sehr für die katholische Kirche, besonders wegen des vielen Leids, das Priester durch sexuellen Missbrauch jungen Menschen angetan hätten.

Fehler bei der Aufklärung

Der Erzbischof bedauerte auch, dass die Kirche in der Vergangenheit Fehler bei der Aufklärung von Missbrauchsfällen begangen habe, "das müssen wir leider Gottes sagen. Es wird nur schwer zu überwinden sein. Darum brauchen wir ein ganz neues Bemühen um mehr Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit. Diese stünden uns vom Evangelium her gut an."

Verständnis für Kirchenaustritte

Kothgasser zeigte auch gewisses Verständnis, dass nach den jüngsten Vorfällen Menschen aus der Kirche austreten. "Viele Gläubige sind motiviert, ein wirklich christliches Leben zu führen. Wenn sie dann solche Beispiele sehen, wo gerade das Gegenteil geschieht, da wird es in der Kirche ein starkes Bemühen geben müssen, um mehr Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit zu leben."

Sehnsüchte tauchen auf
Der Erzbischof antwortete auch auf die persönliche Frage, wie ist es ihm als Priester in seinem Leben mit der Sexualität gegangen sei. Er habe wie seine Studienkollegen eine sehr gute Ausbildung diesbezüglich gehabt, sagte Kothgasser: "Auch wegen eines möglicherweise zu engen Kontaktes mit Jugendlichen. Als Salesianer von Don Bosco sind wir Erzieher. Und wir wurden immer wieder darauf hingewiesen, dass Kinder und Jugendliche nicht angerührt werden dürfen; was ja auch in der Bibel steht. Dass ab und zu die Sehnsucht auftaucht, eine Familie zu haben, das ist wohl klar - auch wenn man ab und zu schönen Menschen begegnet, dann erwacht sicher etwas, was zu uns Menschen gehört. Das ist doch ganz natürlich." Man müsse sich dann halt stets überlegen, wofür man sich entschieden habe.
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