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21.02.2010, 19:27
Denkzettel für den Bauernbund bei Kammer-Wahlen
Denkzettel für den Bauernbund bei Kammer-Wahlen (Bild: Jürgen Radspieler)
Bei den Wahlen zur Salzburger Landwirtschaftskammer hat es am Sonntag einen Denkzettel für den Bauernbund gesetzt. Die ÖVP-Organisation verlor gleich vier ihrer bisher 24 Mandate. Einen Erfolg verzeichneten hingegen die Unabhängigen Bauern: Sie legten fünf Sitze und fast 14 Prozentpunkte zu und verdreifachten sich somit. Und auch die Freiheitlichen mussten ein Mandat abgeben.

Der ÖVP-Bauernbund hält zwar mit 20 von 28 Mandaten weiterhin die absolute Mehrheit im Salzburger "Bauernparlament", hat jedoch mit dem Verlust von vier Mandaten massive Stimmeneinbußen erlitten. Der Unabhängige Bauernverband gewann fünf Mandate dazu und kam damit auf sechs Sitze. Der Mandatsstand der Freiheitlichen Bauernschaft wurde von zwei auf eins reduziert, die SPÖ-Bauern erreichte wie bisher ein Mandat. So lautete das vorläufige Endergebnis der Salzburger Landwirtschaftskammerwahlen von heute, Sonntag. Die Wahlbeteiligung lag mit 55,9 Prozent höher als im Jahr 2005 (51 Prozent).

In einigen Gemeinden "Absolute" verloren

In einigen Salzburger Gemeinden wie zum Beispiel in Seekirchen im Flachgau hat der Bauernbund die absolute Mehrheit verloren. Spitzenkandidat Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Eßl sagte in einer ersten Stellungnahme, dass die derzeitige Situation der Bauern nicht ganz einfach sei. Der Bauernbund sage den Bauern aber die Wahrheit und streue ihnen nicht Sand in die Augen, meinte Eßl in Richtung Unabhängigen Bauernverband.

Er habe immerhin noch um 1,3 Prozentpunkte mehr an Stimmen erreicht als bei seiner ersten Kandidatur im Jahr 1995 mit ebenfalls 20 Mandaten. "Dazwischen hatten wir sehr gute Ergebnisse", so Eßl. Die ÖVP-Bauern erzielten heute 12.087 Stimmen (68,08 Prozent).

Unabhängige hochzufrieden

Hochzufrieden zeigte sich hingegen der Spitzenkandidat des Unabhängigen Bauernverbandes, IG-Milch-Vorkämpfer Georg Eßl aus Kuchl. Seine Fraktion erhielt 3.743 Stimmen (21,08 Prozent). "Ich habe vor der Wahl gesagt, alles was über vier Mandaten liegt, ist ein Traum. Dieser Traum ist wahr geworden." Ausschlaggebend für den Stimmenzuwachs sei die Unzufriedenheit der Bauern über die sinkenden Milch- und Erzeugerpreise gewesen. "Ein Bauer kann nicht zu Preisen wie vor 40 Jahren produzieren. Der Bauernbund hat keine Lösungen aufgezeigt."

SPÖ überholt FPÖ

Die SPÖ-Bauern mit Spitzenkandidat LAbg Robert Zehentner aus Taxenbach haben mit 973 Stimmen (5,48 Prozent) die FPÖ-Bauern, die 951 Stimmen (5,36 Prozent) erzielten, überholt. "Einige Stimmen sind zum Unabhängigen Bauernverband gewandert. Der große Verlierer ist aber der Bauernbund. Mir ist es das erste Mal gelungen, dem politischen Gegner einen inhaltlichen Wahlkampf aufs Auge zu drücken - wie das Thema regionale Vermarktung, was ich seit 30 Jahren predige. Meine Linie hat sich inhaltlich bestätigt, die Botschaft ist bei den Bauern vielleicht noch nicht angekommen." Die Kritik von seinem Parteikollegen und Umweltlandesrat Walter Blachfellner an stinkenden Traktoren bei der Schneeräumung sei für den Wahlkampf aber "sicher nicht hilfreich" gewesen, gestand Zehentner ein.

"Reinrassig-Wahlkampf hat nicht geschadet"

Die Freiheitliche Bauernschaft, die mit ihrem Spitzenkandidat Alois Nußbaumer auf den vierten Platz gelandet ist, wird "die heimische Agrarpolitik weiter forcieren und an den nationalen Aspekten dranbleiben", wie Nußbaumer erklärte. Das Werbeplakat, auf dem eine Kuh und der Schriftzug "reinrassig und echt" abgebildet war, habe dem Wahlkampf der Freiheitlichen nicht geschadet, "ganz im Gegenteil", meinte der Freiheitliche. Es habe sich in den vergangenen Monaten abgezeichnet, dass der Bauernverband stark geworden sei. "Für uns war es schwer, sich als weitere Alternative herauszukristallisieren."

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