Die einzige wirklich brenzlige Situation war die Blockade zweier Busse in der Herrengasse. Die Polizisten mussten die Besucher aus den Fahrzeugen in Richtung des Balles eskortieren, um einen Zusammenstoß mit den Demonstranten zu verhindern. Das Gelände um die Hofburg war weiträumig abgesperrt worden, die Ballbesucher betraten die Festräume über den Josefsplatz.
Die 20 Festnahmen erfolgten wegen versuchter Brandstiftung sowie Sachbeschädigung. Zudem sei ein Sprengsatz sichergestellt worden, teilte Polizeisprecher Roman Hahslinger nach Mitternacht mit. Drei Ballgäste sowie fünf Polizisten wurden leicht verletzt.
Strache unbehelligt eingetroffen
Unbehelligt von Demonstranten, aber unter großem Medienandrang traf FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache beim WKR-Ball ein. Ihm zur Seite stand der Wiener FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus. Beide zeigten sich einmal mehr befremdet über die heftige Kritik am Burschenschafterball. Strache gab lediglich zur Protokoll, die Ballbesucher wollten unbehelligt eine angenehme Ballnacht verbringen (siehe Video in der Infobox). Die anwesenden Polizisten grüßte der FP-Chef demonstrativ mit Handshakes.
Anschließend hielt der FPÖ-Obmann die Eröffnungsrede des Balls. "Wir haben heute ein wundervolles kulturelles Fest, das wir uns nicht nehmen lassen", meinte er im Hinblick auf die Demonstrationen gegen die Veranstaltung und betonte: "Wir sind anständige Demokraten." Organisator Udo Guggenbichler begrüßte in seiner Rede mehr als 3.000 Ballgäste und meinte: "Wir werden auch in Zukunft Bälle veranstalten, ob es anderen gefällt oder nicht."
Strache: Ball-Gegner sind "antidemokratische Gewalttäter"
Die "Diffamierung" der Ballgäste und -veranstalter im Vorfeld habe nahezu alles überboten, was bisher dagewesen sei, meinte Strache. Darum sei der diesjährige Besuch auch so wichtig. Die Gegner des Balls nannte der FPÖ-Chef "antidemokratische Gewalttäter", von solchen "undemokratischen Mechanismen" solle man sich nun aber nicht ablenken lassen. Der Ball sei "zum Symbol geworden für Demokratie und Meinungsfreiheit", die Burschenschafter würden auch in Zukunft "unbeirrbar unsere Feiern abhalten".
Guggenbichler freute sich darüber, dass in diesem Jahr wesentlich mehr Gäste als in den vergangenen erschienen seien. Laut Veranstalter war der Ball "restlos ausverkauft". Neben Strache war auch der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf erschienen. Er hatte zuvor im Parlament einen Empfang für seine Gäste veranstaltet, darunter auch die Anführerin des französischen "Front National" und Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen, der schwedische Parlamentarier Kent Ekeroth der "Schwedendemokraten", sowie Philip Claeys vom belgischen "Vlaams Belang". Auch der freiheitliche EU-Abgeordnete Andreas Mölzer traf im Laufe des Abends am Josefsplatz ein, er entstieg einem Reisebus.
Mehrere Tausend bei Demonstration
Unterdessen lief am Heldenplatz die Gegenkundgebung. Der Sprecher der Veranstalterplattform, Nikolaus Kunrath, erklärte, man habe 6.000 bis 8.000 Leute gezählt. Zwischenfälle seien keine zu vermelden, allerdings ging den Veranstaltern für einige Zeit der Saft aus: Der Generator gab seinen Geist auf, die Verstärkeranlage hatte keinen Strom.
Polizeisprecher Hahslinger sprach von 2.500 Kundgebungsbesuchern. Insgesamt waren die Sicherheitskräfte mit mehreren Hundert Polizisten aus fünf Bundesländern unterwegs. Wie auch in den vergangenen Jahren galt ab 16.30 Uhr in der unmittelbaren Umgebung der Veranstaltung ein Platzverbot. Diese Zone durfte dann nur mehr von Berechtigten betreten werden. Dass dennoch die Demonstration unter dem Motto "Jetzt Zeichen setzen - gegen Rechtsextremismus und WKR-Ball" erstmals vor den Toren des Kongresszentrums erlaubt war, freute Mitveranstalter Kunrath.
Gedenk- und Aktionswoche gegen Rassismus
Die Liste der Unterstützer der Kundgebung gegen den seit Jahren umstrittenen Ball war jedenfalls lang und reichte von den Grünen über die Evangelische Kirche, die Israelitische Kultusgemeinde Wien und die Katholische Aktion bis hin zu ÖGB, SPÖ und diversen NGOs.
Die Demo war auch nicht die einzige Veranstaltung, die ganze Woche schon gab es eine "Gedenk- und Aktionswoche gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus". Am Freitagvormittag fand am Heldenplatz eine Gedenkveranstaltung anlässlich des Jahrestags der Befreiung des KZ Auschwitz statt. Dass der WKR-Ball ausgerechnet an diesem Datum stattfand, wurde als besonderer Affront betrachtet.
Ball findet seit 1987 in der Hofburg statt
Der Wiener Korporationsring, der den umstrittenen Ball veranstaltet, ist der Zusammenschluss der farbentragenden Wiener Hochschulkorporationen. Zweck ist laut eigenen Angaben "die Vertretung gemeinsamer Interessen, vor allem ein gemeinsames Vorgehen in allen rein hochschulpolitischen Fragen". Der WKR hat derzeit 21 Mitgliedsorganisationen, davon großteils schlagende Verbindungen.
Seit dem Gründungsjahr 1952 veranstaltet der Korporationsring alljährlich einen Ball. Anfangs im Konzerthaus, übersiedelte man 1987 in die Wiener Hofburg. War das Medieninteresse anfangs noch gering, kam es in den vergangenen Jahren immer häufiger zu Protesten. Kritiker werfen dem WKR vor, ein rechtsextremes Vernetzungstreffen zu organisieren.
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