"Es gibt genaue Regeln, ab wann wir in einen Fall einsteigen", so Reinmüller. Nämlich nur bei Verbrechen, für die mehr als drei Jahre Haftstrafe drohen und bei denen der Verdächtige mit internationalem Haftbefehl gesucht wird. "Wir suchen Schwerverbrecher, die Most-Wanted von Österreich sozusagen", sagt Reinmüller.
Geografisch lagen die Schwerpunkte 2011 in Europa sowie in Nord- und Südamerika, berichtete das BK. Unter den Gefassten war etwa der Österreicher Sandro H., der am 24. Juni festgenommen worden war (siehe Infobox). Er soll in Kärnten eine Prostituierte und nach seiner Flucht in Paraguay ein deutsches Touristenpaar ermordet haben.
Fünf Fahnder, doch einer davon wird "verborgt"
Reinmüllers Abteilung besteht aus fünf Fahndern, einen davon hat er für ein Jahr an die europäische Polizeibehörde Europol "verborgt". Üblicherweise hat jeder Mitarbeiter ein bis maximal zwei Fälle im Laufen. "Hat einer von uns eine heiße Spur, werden alle Kollegen zusammengezogen und widmen sich dem einen Fall", so der Ermittler.
Es gibt Fälle, die zehn Tage dauern, andere wiederum werden erst nach jahrelangen Ermittlungen abgeschlossen. Besonders wichtig für die Fahnder ist die grenzüberschreitende Zusammenarbeit und ein im Jahr 2010 gestartetes EU-Netzwerk. Seit der Gründung dieses Projektes wurden 47 Kriminelle ausgeforscht und festgenommen.
Die Lösung gleicht einem Puzzlespiel
Die Lösung eines Falls gleicht einem Puzzlespiel. Am Beginn steht die Frage: "Wo kann der Gesuchte sein?", sagte Reinmüller. "Wir analysieren den Menschen von der Geburt bis zur Flucht." Welchen sozialen Status hat er? Welcher Sprachen ist er mächtig? Wer sind seine Freunde? Wie sieht sein soziales Umfeld aus? Wer sind wichtige Kontaktpersonen? "Oft sind etwa Schul- oder Studienkollegen wichtiger als Familienangehörige", erzählte Reinmüller.
"War einer zum Beispiel zwei- bis dreimal auf Urlaub in Florida und spricht Englisch, wird er nicht nach Frankreich flüchten", schilderte der Fahnder. Wichtige Anhaltspunkte für die Ermittler sind Einreisebestimmungen der Länder und ob es Auslieferungsabkommen mit Österreich gibt. Aber auch andere Fragen sind wichtig: Wo nimmt der Gesuchte Geld her, wie kann man heute reisen und welche Kommunikationswege gibt es?
Auch Psychologen helfen bei der Suche
"Wir arbeiten im Team. Jeder hat seine Ideen und Erfahrungen", erzählte Reinmüller. Gleichzeitig würden andere Experten des BK, etwa Psychologen oder Experten aus der Kriminalanalyse, beigezogen. "Alle Daten, die wir sammeln, schicken wir durch ein Spezialprogramm - eine Analysesoftware für Polizeieinheiten, Zeit-Weg-Diagramme werden erstellt." Und dann, wenn das Ergebnis steht, wird zugeschlagen.
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