Dabei kann man nicht nur gratis die Nacht- U-Bahn benutzen, sondern hat auch freien Eintritt in zahlreiche Lokale in der ganzen Stadt - darunter B72, Wuk, U4, Ost- Klub, Praterdome, Reigen und Passage.
Im heurigen Jahr können die Wiener dann an insgesamt 37 Nächten durch den Untergrund brausen - neben den Wochenenden auch vor dem Nationalfeiertag, Allerheiligen und Maria Empfängnis. 200 Mitarbeiter schieben dafür Nachtschicht.
Um das subjektive Sicherheitsgefühl zu heben, wird jede der insgesamt 22 Garnituren von zwei Polizisten (Dienstbeginn 23.30 Uhr) begleitet. "Wir müssen durch strukturelle Maßnahmen und geschickte Dienstplanung diese Präsenz gewährleisten", so der Wiener Polizeipräsident Gerhard Pürstl, angesprochen auf die stets beklagte Personalknappheit bei der Exekutive. Man sei bereits seit rund einem Jahr mit etwa 100 Beamten täglich im U- Bahnnetz unterwegs.
Allein im Jahr 2009 hat die Exekutive hier bereits 2.700 Anzeigen - 900 davon Verwaltungsübertretungen beispielsweise wegen Lärms - aufgenommen. Zudem gab es 1.700 Festnahmen. Was die Sicherheit bei der Nacht- U-Bahn angeht, "sehe ich aus polizeilicher Sicht dem Ganzen sehr gelassen entgegen", beruhigte Pürstl.
Unterstützt wird die Exekutive von 22 Mitarbeitern der Verkehrsbetriebe, sogenannten Nightlinern, deren Präsenz mit der Polizei abgestimmt wird. Sie sollen den Fahrgästen auch im Stationsbereich für Infos zur Verfügung stehen, auf die Einhaltung der Beförderungsbedingungen achten sowie in Konfliktsituationen deeskalierend wirken und im Bedarfsfall die Polizei verständigen. Außerdem werden sie gelegentlich Fahrscheinkontrollen durchführen.
Koordiniert werden Exekutive und Nightliner von einer gemeinsamen Einsatzzentrale aus, die in der Leitstelle der Wiener Linien in Erdberg untergebracht ist. Dort laufen auch sämtliche Bilder der Überwachungskameras in Zügen und Stationen zusammen. Unterwegs sein werden in der Nacht ausschließlich die neuen durchgängigen Garnituren - mit Ausnahme der U6, wo es solche nicht gibt. Dort werden jedoch nur Züge zum Einsatz kommen, die mit Videokameras ausgestattet sind, betonte Wiener- Linien- Geschäftsführer Michael Lichtenegger.
Auf personelle Präsenz wird auch in den Stationen selbst gesetzt: Die Knotenpunkte der U- Bahnen, insgesamt zehn Stationen, werden mit jeweils zwei Stationswarten besetzt sein. In allen übrigen Haltestellen, in denen es tagsüber eine Aufsicht gibt, wird jeweils ein fixer Stationswart an Ort und Stelle sein.
Derzeit benutzen rund 16.000 Personen die Nightlines außerhalb der Wochentage. Sie werden sich ab dem ersten September- Wochenende an teils neue Fahrpläne gewöhnen müssen. Viele Strecken werden modifiziert, um Parallelführungen mit der Nacht- U-Bahn zu vermeiden. Dadurch sollen 800.000 Euro eingespart werden, womit der nächtliche Busverkehr künftig mit 5,6 Millionen Euro jährlich zu Buche schlagen wird.
Auffälligste Änderung: Die Nightlines werden an den Wochenenden keine Ringrunden mehr drehen. Außerdem werden die Busse N25, N50, N58, N64 und N75 gänzlich gestrichen. Andere Routen werden verlängert oder so angepasst, dass sie ans U- Bahnnetz angeschlossen werden. Unverändert bleiben sieben von 17 Nachtbuslinien: N20, N23, N31, N41, N43, N46 und N71. Laut Wiener Linien sind dann 96 Prozent der Wiener an das nächtliche Öffi- Netz angebunden.
Die jährlichen Kosten für das Nacht- U-Bahnsystem betragen rund 5,1 Millionen Euro. Durch das neue Angebot erwarten sich die Verkehrsbetriebe mittelfristig rund 30.000 Passagiere pro Wochenende - inklusive Nachtbusse.
Die Einführung einer Nacht- U-Bahn in Wien war eines von fünf Themen bei der Volksbefragung im Februar. Damals hatte sich eine knappe Mehrheit der Bewohner der Bundeshaupt dafür entschieden. Zur Freude der Jungen ÖVP: Die Nachwuchspolitiker hatten zuvor schon monatelang für einen 24- Stunden- Betrieb geworben.