Jahre später, als sein eigener Sohn elf wurde, missbrauchte er auch diesen sexuell. Danach unternahm der Vater weiterhin Versuche, sich seinem Sohn zu nähern, "aber ich habe mich gedrückt und bin ihm aus dem Weg gegangen", erklärte der mittlerweile 18- Jährige nun als Zeuge dem Schöffensenat unter Vorsitz von Richterin Susanne Lehr.
Der Missbrauch wäre vermutlich nie aufgeflogen, hätte der 49- Jährige nicht im vergangenen Dezember seinem Sohn und dessen Freundin erzählt, dass er derzeit einen Buben trainiere, mit dem er gern die Nacht verbringen würde. Die Freundin wurde stutzig, worauf ihr zunächst der 18- Jährige berichtete, dass sich vor einigen Jahren sein Vater an ihm vergangen habe.
Anschließend sah sich das Paar das Facebook- Profil des Mannes an und entdeckte, dass dieser mit zahlreichen jungen Buben bekannt war. Auf der Pinnwand eines 13- Jährigen hatte der 49- Jährige tatsächlich den Wunsch nach einer gemeinsamen Nacht geäußert. Daraufhin entschloss sich der Sohn nach wochenlanger Überlegung, den eigenen Vater anzuzeigen.
"Man kann nicht jemanden herumlaufen lassen, der eine Gefahr für andere ist", gab der 18- Jährige am Freitag vor Gericht zu Protokoll. Der Vater wanderte schließlich Ende März in U- Haft. Im Zuge der Ermittlungen stieß die Polizei auf das erste Opfer des Fußballtrainers, einen mittlerweile 28- Jährigen, der nun dem Schöffensenat schilderte, dass ihn der Trainer regelmäßig geküsst und berührt habe und wiederholt mit ihm kuscheln habe wollen.
Schon damals sei im Verein getuschelt worden, der Trainer "stehe auf Buben". Ein ehemaliger Mitspieler des 28- Jährigen erklärte als Zeuge, jener sei seiner Ansicht vom Trainer "deshalb ausgesucht worden, weil er der Schüchternste war".
Der Angeklagte legte ein umfassendes Geständnis ab: "Ich bekenne mich schuldig. Es stimmt alles, was da im Strafantrag drinnen steht." Er habe seine Neigungen jahrelang verdrängt, "bis ich Zuneigung zu dem Spieler verspürt habe. Das war ein Schock. Ich bin auf einmal auf die Idee gekommen, dass mir Männer gefallen." Den eigenen Sohn missbraucht zu haben, führte der 49- Jährige auf übermäßigen Alkoholkonsum zurück. Außerdem habe er sich damals "allein" gefühlt, nachdem seine Ehefrau Scheidungsabsichten geäußert hatte.
Bei einem Strafrahmen von bis zu zehn Jahren erschienen dem Gericht zweieinhalb Jahre Haft schuld- und tatangemessen. Davon wurden zehn Monate unbedingt ausgesprochen. Den Rest bekam der bisher Unbescholtene unter Setzung einer dreijährigen Probezeit bedingt nachgesehen.
Zudem untersagte der Schöffensenat dem staatlich geprüften Fußballtrainer, zukünftig eine Trainertätigkeit für Minderjährige auszuüben. Außerdem muss er seine pädophilen Neigungen therapeutisch behandeln lassen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Während der 49- Jährige die Entscheidung akzeptierte, gab die Staatsanwältin vorerst keine Erklärung ab.