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Was Magna-Chef Wolf mit Faymann diskutieren will

04.09.2010, 20:28
Was Magna-Chef Wolf mit Faymann diskutieren will (Bild: APA/Herbert Pfarrhofer)
Foto: APA/Herbert Pfarrhofer
"Führen heißt Entscheidungen treffen": Am Montag diskutieren Bundeskanzler Werner Faymann und Österreichs bestbezahlter Manager Siegfired Wolf beim "Sommergespräch" über Politik und Krise. Was sich der "Magna"- Chef erwartet, sagt er im "Krone"- Interview.

"Krone": Herr Wolf, warum haben Sie sich für ein Sommergespräch mit dem Bundeskanzler entschieden?
Siegfried Wolf: Der Grund ist ganz einfach, Österreich liegt mir sehr am Herzen. Ich komme viel in der Welt herum und sehe viel, was um uns herum passiert. Vielleicht kann ich dadurch ein paar Ideen einbringen, was wir besser machen könnten.

"Krone": Worin unterscheidet sich die Führung eines Staates von der der Führung eines Unternehmens?
Wolf: Im Prinzip sollte es keine Unterschiede geben: Gute Führung braucht Kompetenz und Hausverstand. Gute Führung heißt aber auch Konsequenz zeigen und Entscheidungen treffen. Grundprinzip sollte sein, dass weder Unternehmen noch ein Staat auf Dauer mehr ausgeben können, als sie einnehmen. Das alles vermisse ich momentan leider bei der Politik.

"Krone": Warum haben Sie immer wieder ehemalige Politiker zu "Magna" geholt?
Wolf: Weil Wirtschaft und Politik Partner sein sollten und nur gemeinsam etwas bewirken können. Das hat sich wieder bei den Maßnahmen zur Bewältigung der Krise gezeigt. Nur durch sofortiges und gemeinsames Entscheiden wurde eine Brücke über die Krise gelegt, um den freien Fall zu verhindern.

"Krone": Ist die Krise denn vorbei?
Wolf: Nein. Wir sehen Gott sei Dank ein gutes Aufkeimen der Konjunktur und müssen mit aller Vehemenz auf weiteres Wachstum bauen. Wir haben zwar einige Brandherde gelöscht, ich denke da an Kurzarbeit und Konjunkturpakete, und dabei viel Geld verbraucht, das wir als Staat nicht wirklich hatten. Gerade deshalb müssen wir auf wirklich greifende Maßnahmen setzen, um nun auch die Staatsschulden abzubauen.

"Krone": Welche Vorteile bietet Österreich einem Unternehmen?
Wolf: Unternehmen werden immer nur in jene Länder gehen, wo es qualifizierte und motivierte Mitarbeiter gibt und in denen sie willkommen sind. Letzteres zeigt sich, indem man ihnen investitionsfördernde Rahmenbedingungen, ein wohlwollendes Klima und vor allem Stabilität entgegenbringt. Dank vieler kluger politischer Entscheidungen in unserem Land – zumindest in der Vergangenheit – verfügen wir über diese Voraussetzungen.

"Krone": Wie kann Österreich seine Position im internationalen Wettbewerb stärken?
Wolf: Wir sind international einem beinharten Wettbewerb ausgesetzt. In diesem Wettbewerb muss sich Österreich weiter behaupten. Wir haben die Chance, dass Unternehmen bei uns investieren, Arbeitsplätze schaffen und damit Wohlstand und sozialen Frieden sichern. Es müssen allerdings die Rahmenbedingungen stimmen. Wir müssen unbedingt mehr Augenmerk auf Bildung und Ausbildung legen. Junge, gut qualifizierte Facharbeiter werden immer dringend gesucht und sind das Rückgrat der Wirtschaft in unserem Land.

"Krone": Wie sinnvoll würden Sie eine Vermögenssteuer finden?
Wolf: Da habe ich ein paar Vorschläge für unseren Herrn Bundeskanzler, die ich ihm in unserer Diskussion am Montag unterbreiten werde.

"Krone": Ihr landwirtschaftlicher Betrieb erhielt 2009 Förderungen von rund 45.000 Euro? Ist der Betrieb auf diesen Zuschuss angewiesen?
Wolf: Staat und EU gewähren diese Förderung zur Erhaltung gesunder Lebensgrundlagen und für Umweltprogramme. Konkret bekam ich 23.000 Euro als Direktförderung und den Rest dafür, dass ich bei der Bewirtschaftung auf Gifte verzichte, die Wasser, Luft und Boden verseuchen. Die Förderungen sind eine finanzielle Kompensation für die daraus resultierenden geringeren Erträge. Ich und viele Kollegen im Bauernstand, egal, wie groß ihr Hof ist und ob sie ihn im Haupt- oder Nebenerwerb bewirtschaften, würden viel lieber eine Diskussion über faire Preise für unsere Produkte führen, als Förderanträge zu stellen. Es kann doch nicht sein, dass der Bauer für einen Liter Milch weniger Geld bekommt, als man Toiletten- Gebühr auf der Autobahnraststätte zahlt.

Ohne fairen Preis oder mit Förderungen als Ausgleich können leider die meisten Bauern nicht von ihrem Betrieb leben. Das wäre ein Schaden für Österreich, denn es kann wohl niemand vom Bauern erwarten, dass er die Landschaft in Schuss hält, die ein wesentlicher Faktor für unseren Tourismus ist, und dafür nicht nur leer ausgeht, sondern auch noch fleißig arbeiten darf und zahlen muss.

"Krone": Wie definieren Sie soziale Gerechtigkeit?
Wolf: Soziale Gerechtigkeit ist auch Leistungsgerechtigkeit. Und ich rede jetzt nicht von jenen, die aus welchen Gründen auch immer nichts beitragen können. Die Schwachen und unschuldig in Not Geratenen brauchen unsere ganze Unterstützung. Ich beobachte allerdings, dass immer weniger Menschen immer mehr arbeiten müssen, damit immer mehr immer weniger arbeiten können. Jeder zweite Erwerbstätige zahlt aber überhaupt keine Steuer. Man muss sich vorstellen, Steuerzahler arbeiten von Jänner bis Juni für den Staat! Ist das gerecht?

"Krone": Sie sind ein sogenannter Selfmade- Millionär: Haben Sie das Gefühl, Ihre Karriere zum Teil den Bedingungen in Österreich zu verdanken, sei es bei der Bildung, dem Unternehmergeist oder dem Steuersystem, oder wäre diese in einem anderen Land mit mehr oder weniger Kraftaufwand verlaufen?
Wolf: Ich war sehr vom Glück gesegnet und bin Österreich sehr dankbar, dass ich das alles hier geschafft habe. Üblicherweise geschehen solche Geschichten von jemandem, der ins Ausland gehen musste, um seinen Weg zu machen. Aber es braucht immer auch das Wollen: Ich habe als Lehrling begonnen und habe dann neben dem Beruf in der Abendschule die Matura gemacht. Im dritten Lehrjahr, mit 18 Jahren, hätte ich für meinen gesamten Lebensunterhalt mit 430 Schilling im Monat auskommen müssen – wenn ich nicht jedes freie Wochenende als Tankwart und nebenbei noch als Programmierer gearbeitet hätte, wäre sich das nicht ausgegangen. Ich bin nicht mit dem goldenen Löffel aufgewachsen, habe nichts geschenkt bekommen und habe früh lernen müssen, nicht mehr auszugeben, als ich habe.

"Krone": Wie sieht Ihre berufliche Zukunft aus?
Wolf: Ich bin nach wie vor Vorstand von Magna und habe einen aufrechten Vertrag.

Von Nadia Weiss, Kronen Zeitung

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