Vorarlberger Pfarrer legt aus Protest Priesteramt nieder

03.09.2012, 15:19
Vorarlberger Pfarrer legt aus Protest Priesteramt nieder (Bild: APA/DIETMAR MATHIS)
Foto: APA/DIETMAR MATHIS
Vorarlbergs Katholiken sind am Sonntag von einem Rücktritt überrascht worden: Der Pfarrer von Dornbirn- Haselstauden, Ronald Waibel (54, Bild), verkündete in der Sonntagsmesse, dass er aus Protest sein Priesteramt niederlege. Er habe immer größere Schwierigkeiten, Vertreter der von Rom zentralistisch regierten Kirche zu sein. Waibel sieht seinen Rücktritt daher als "richtigen Schritt".

Der 1985 zum Priester geweihte Waibel hatte am Sonntagvormittag seiner Pfarrgemeinde erklärt, dass er seine Tätigkeit als Pfarrer aufgibt. "Ich habe mir das lange überlegt und bin überzeugt, dass das der richtige Schritt ist", sagte der 54- Jährige. Seine "rein persönliche Entscheidung" begründete er unter anderem damit, dass Rom den Dialog in dringend notwendigen Reformfragen verweigere und auch in fehlendem Vertrauen "in Mitarbeiter wie mich, die sich Gedanken über die Zukunft unserer Kirche machen".

Ebenfalls unzufrieden zeigte sich Waibel damit, dass sich der Vatikan Zeit lässt und Vorarlberg seit vergangenem Oktober ohne Bischof dasteht. Wen er sich als Bischof wünscht, wollte Waibel nicht sagen. "Es wäre aber wichtig, dass es ein Bischof ist, der das Volk ernst nimmt und auf den die Leute stolz sind", stellte der 54- Jährige fest.

Ex- Pfarrer will nun Krankenpfleger werden

Waibel sah mit dem über Pfingsten gefassten Entschluss zu seinem Abgang eine große Last von sich gefallen. Er habe von seiner Pfarrgemeinde dafür viel Hochachtung, aber auch Bedauern erfahren dürfen. Letztlich habe er den Druck aber nicht mehr ausgehalten. Der Pfarrerinitiative wünsche er, "dass sie weiter alles Mögliche versucht, um die gesteckten Ziele zumindest ansatzweise zu erreichen", so Waibel.

Waibel blicke mit Stolz und Freude auf seine 27 Jahre als Priester zurück. Er wird nun eine Ausbildung als Krankenpfleger beginnen. Bei der Diözese Feldkirch bedankte sich der Ex- Pfarrer für ihre "große Unterstützung und den menschlichen Umgang". Die Diözese wird dem 54- Jährigen in den nächsten sechs Monaten sein Gehalt weiterbezahlen, auch hinsichtlich seiner Pension sei "alles abgeklärt".

Diözese kann Entscheidung "nicht nachvollziehen"

Bei der Pfarrerinitiative sah man sich durch den Rücktritt Waibels in der Auffassung bestätigt, dass das Arbeitsfeld der Geistlichen zu groß sei, wie Priester Erich Baldauf am Montag am Rande des Herbstsymposiums der Diözese Feldkirch gegenüber dem ORF- Radio erklärte.

Diözesanadministrator Benno Elbs, der Waibels Entscheidung "im Gesamten nicht nachvollziehen" kann, sah das hingegen anders. Er glaube nicht, dass ein Pfarrer eine größere Arbeitsbelastung habe als vor Jahren, so Elbs, der keine weiteren Priester- Rücktritte befürchte. Auch wenn die Entscheidung nicht nachvollziehbar sei, müsse sie respektiert werden, hieß es. Elbs bedauerte den Schritt und dankte Waibel für seinen Einsatz als Priester in verschiedenen Pfarreien.

AG/red
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