Das Ergebnis sei zwar nicht, was man sich erhofft habe, kleinreden dürfe man es aber auch nicht, sagte der Grünen- Chef. Vielleicht sei für eine gesellschaftsliberale Partei in Österreich bei 10 Prozent eben die Grenze erreicht, stellte er in den Raum. Man werde zwar über Konsequenzen reden, an bestimmten Positionen wolle man aber sicher weiter festhalten, so Van der Bellen. So werde man weiter für "unbescholtene Tierschützer" oder die Homo- Ehe eintreten, betonte er. "Das Wahlergebnis bestärkt mich in meiner Sturheit", meinte er weiter und erntete dafür heftigen Applaus.
"Wir haben einen guten Wahlkampf" geführt, ist Van der Bellen nach wie vor überzeugt. Als positiv hob er auch die Verluste der beiden Großparteien hervor, auf deren "Umdenken" er nun angesichts der starken Zugewinne von FPÖ und BZÖ hofft. Außerdem hoffe er, dass in der Auslandspresse rüberkommen werde, dass es noch "ein gallisches Dorf gibt, das Widerstand leistet". "Wir sollten auf unser Wahlergebnis stolz sein", rief er dem Publikum Mut zu.
Die Ursachen für das schlechte Abschneiden sucht man bei den Grünen offensichtlich hauptsächlich abseits der eigenen Partei. So sei der Wahlkampf eine Zeit der "rechtspopulistischen Verführungen" gewesen. Im Gegensatz dazu habe man selbst Wahrheiten angesprochen, so Glawischnig weiter. Das Ergebnis bezeichnete sie aus "durchaus passabel". Angesichts des "Rechtsrucks" äußerte sie außerdem Besorgnis über die Zukunft Österreichs. Für eine Führungsdebatte sieht sei nun "kein Zeitpunkt", da auf Van der Bellen "alle stolz" seien, meinte sie.
Am Stuhl von Van der Bellen wurde bei den Grünen am Sonntag vorerst nicht gesägt. Sozialsprecher Karl Öllinger wagte sich am ehesten aus der schweigenden Deckung, indem er von einer Niederlage, gemessen an den Wahlzielen, sprach. Auf personelle Änderungen an der Parteispitze angesprochen, winkte er ab: "Keine Ahnung". Justizsprecher Albert Steinhauser konzedierte, dass das Thema Teuerung keines sei, wo man den Grünen besondere Kompetenz zugeschrieben habe. Obwohl Van der Bellen ein Wirtschaftsprofessor ist? - "Das ist eines der großen Fragezeichen", so Steinhauser.
Wiens Grüne Klubchefin Maria Vassilakou zeigte sich am Sonntagabend zuversichtlich: "Ich gehe weiter davon aus, dass wir das Ergebnis von 2006 halten werden." Man habe es dennoch gegenüber den anderen Oppositionsparteien schwer gehabt, sich zu behaupten: "Wir haben uns nicht als Protestpartei positioniert." Man müsse nun die Weichen für die kommenden zwei Jahre stellen, wie man die eigenen Themen prononcierter verkaufen könne.
Grundsätzlich gebe es aber einen massiven Rechtsruck im Land, gegen den man wenig habe ausrichten können. Ob der Grüne Frontmann Alexander Van der Bellen personelle Konsequenzen aus dem Wahlergebnis der Grünen ziehen sollte, wollte Vassilakou nicht prognostizieren: "Ich halte überhaupt nichts von Zurufen von irgendwoher."