Für den Verteidiger des ehemaligen Chefs des burgenländischen Gasversorgers ist die Tatbegehungsgefahr nicht gegeben, da Simandl längst nicht mehr in dem Unternehmen tätig sei. Auch die Verdunkelungsgefahr "ist mir nicht nachvollziehbar", kommentierte er die Verhängung der U-Haft am Freitag. Kier meldete daher Haftbeschwerde an. Dadurch endet die Haftprüfungsfrist nun nicht wie normal in 14 Tagen, sondern in einem Monat und somit am 5. Mai.
"Es geht ihm furchtbar"
Simandl hat nach der Festnahme (siehe Infobox) seine erste Nacht in der Justizanstalt Wien-Josefstadt hinter sich. Dem früheren Topmanager gehe es laut seinem Anwalt "furchtbar, sehr schlecht". Es sei durch das gesamte Verfahren "psychisch schwer gezeichnet", so Kier am Freitag. Simandl sei nahezu nicht ansprechbar und kaum einzuvernehmen. "Er leidet an schwersten Depressionen - das geht auch aus einem Gutachten der Staatsanwaltschaft hervor."
Wenn es nach Kiers Einschätzung geht, muss der Ex-BEGAS-Chef noch einige Zeit in der Justizanstalt bleiben. Denn: "Ich gehe davon aus, dass das Oberlandesgericht erst in zwei, drei Wochen über die Haftbeschwerde entschiedet", so der Anwalt. Für Simandl sei das eine enorme Belastung. "Er sitzt da und starrt die Wand an."
Für Kier ist auch die Festnahme nach wie vor unverständlich. Zu den Behauptungen, Simandl habe sich einer Ladung widersetzt, hielt der Jurist fest: "Das ist absolut unwahr." Auch Berichte über eine Festnahme im Spital seien nicht korrekt. Simandl sei in Wien im Kreise seiner Angehörigen festgenommen worden - unverständlicherweise, wie der Verteidiger meinte.
Lange Liste an Vorwürfen gegen Simandl
Simandl werden laut Kier "eine Reihe von Untreuehandlungen" sowie Abgabenhinterziehung vorgeworfen. Der Ex-BEGAS-Chef soll unter anderem 14 Millionen Euro in Liechtenstein gehortet haben - mittlerweile sollen zehn Millionen verschwunden sein. Weiters wurde in den vergangenen Wochen bekannt, dass Simandl einen Pkw mit Gas-Gutscheinen "gekauft" haben soll. Einer der größten und schwerwiegendsten Punkte dürfte allerdings die Bar-Übergabe von 1,325 Millionen Euro durch den Bauunternehmer Klaus Ortner sein. Simandl weist alle Vorwürfe zurück. Es gilt die Unschuldsvermutung.
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