Beim Angeln sah das Ehepaar Romana und Siegfried K. aus dreißig Meter Entfernung die Tragödie: Sonntag um 13.15 Uhr testete der 48-jährige kroatische Schiffsführer der „Herzog Tassilo“ die reparierte Hydraulik des Steuerstandes - als er sie auf 13 Meter Höhe ausgefahren hatte, brach plötzlich die Hubstange, die Kabine fiel ins Wasser und versank sofort in der vier Meter tiefen Donau. Die geschockten Augenzeugen schlugen Alarm.
Minuten später waren Einsatzkräfte vor Ort am Linzer Donauufer, wo die „Herzog Tassilo“, die tags zuvor noch die Getreideladung gelöscht hatte, ankerte. Feuerwehrtaucher machten rasch Hoffnung: „Der Mann ist in einer Luftblase, er lebt noch. Aber die Kabine liegt mit der Tür im Schlamm - er hat keine Chance, sich selbst zu befreien!“ Ein Wettlauf gegen die Zeit begann.
Versuche, die tonnenschwere Kabine mit Seilen per Kran ans Ufer oder an die Wasseroberfläche zu bringen, scheiterten. Inzwischen sickerte immer mehr Wasser in den Steuerstand, der noch mit Strom- und Hydraulikleitung am Schiff hing. Die Zeit wurde knapp. Eine Stunde nach dem Unfall schaffte es der Schiffsführer, ein Fenster der Kabine aufzuschieben - sofort füllte sie sich mit eiskaltem Donauwasser, in dem man nur wenige Zentimeter Sicht hat.
Feuerwehrtaucher packten den Mann, brachten ihn sofort zur Oberfläche. Doch dabei verlor er das Bewusstsein. Ein Notarztteam reanimierte den Schiffsführer eine halbe Stunde lang am Donauufer. Der Kroate schien gerettet - doch während des Transports zum Spital erlag er einem Herz-Kreislauf-Versagen.
Johann Haginger und Markus Schütz, KronenZeitung
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