Tod nach Zahn- OP in Graz: "Wie konnte das passieren?"

19.06.2012, 16:45
Tod nach Zahn-OP in Graz: "Wie konnte das passieren?" (Bild: Jürgen Radspieler, privat)
Foto: Jürgen Radspieler, privat
Der Tod eines vierjährigen Kindes nach einer Zahnoperation im LKH- Uni- Klinikum Graz ist Gegenstand von Ermittlungen durch Staatsanwaltschaft und Polizei. Die kleine Laura war am Wochenende gestorben, nachdem sie während des - nach Angaben der zuständigen Ärzte - "Routineeingriffs" einen Lungenkrampf erlitten hatte und dann aus der Narkose nicht mehr aufgewacht war. Die Familie des Mädchens versteht die Welt nicht mehr.

Lauras Großvater Franz R., selbst fünffacher Familienvater, ist vom Kummer gezeichnet: "Wie konnte das passieren? Sie ist doch pumperlg'sund gewesen!" Der Tubus sei verrutscht, erzählte R. der "Krone". "Sie haben uns im Spital noch selbst gesagt, dass ein Fehler passiert ist. Sie wüssten aber nicht, welcher. Und jetzt will auf einmal keiner die Verantwortung übernehmen."

Auch die verantwortlichen Ärzte nahmen am Dienstag in einer Pressekonferenz - sichtlich betroffen - zu dem tragischen Fall Stellung: Laut interner Untersuchung habe kein Fehlverhalten festgestellt werden können. "Es handelte sich um eine Komplikation, wie sie mir noch nie untergekommen ist", meinte ein Anästhesist.

"Ohne Narkose nicht zu machen"

In etwa 150 Fällen pro Jahr sei der Zahnstatus bei Kleinkindern so schlecht, dass man um eine OP unter Narkose nicht herumkomme, so der Zahnmediziner Norbert Jakse. Nachsatz: "Ein zunehmendes Problem." Auch im Fall der Vierjährigen war ein massiver Kariesbefall gegeben, zehn Milchzähne mussten extrahiert werden - ein Eingriff, der ohne Narkose nicht zu machen sei.

Trotzdem sei es ein "Routineeingriff" gewesen, der am 11. Juni im Kinderzentrum stattgefunden habe, wie der ärztliche Leiter des LKH- Uni- Klinikums Graz, Gernot Brunner, sagte: "Es ist im Verlauf der Operation zu einem schweren Lungenkrampf gekommen, zu einem Spasmus, bei dem es auch mittels künstlicher Beatmung nicht möglich war, die Lunge ausreichend zu versorgen." Man verlegte das Kind sofort auf die Intensivstation, dennoch starb es einige Tage später an den Folgen des Sauerstoffmangels, ohne wieder aufgewacht zu sein.

"Fall wie dieser noch nie vorgekommen"

Wie das Ärzteteam erklärte, komme es bei 5.000 Kindernarkosen in drei Prozent der Fälle zu Komplikationen, die zur Hälfte die Atemwege beträfen. Lebensbedrohlich seien aber nur welche im Promillebereich: "Mir ist in meiner zehnjährigen Tätigkeit ein Fall wie dieser noch nie vorgekommen", so Anästhesist Wolfgang Toller.

Zur Einleitung sei laut Toller das Narkotikum Propofol verwendet worden, es gebe aber keinen zeitlichen Zusammenhang mit dem Lungenkrampf, weshalb ein Vergleich mit einem Fall in Tirol aus jüngster Vergangenheit nicht zulässig sei (siehe Storys in der Infobox). Eine Allergie oder eine andere Vorerkrankung sei bei der Vierjährigen nicht festgestellt worden.

"Schicksalhafter Verlauf"

Eine interne Untersuchung habe zudem keine Hinweise auf Fehlverhalten oder Fahrlässigkeit erbracht, erklärte Brunner, es handle sich "allem Anschein nach um einen schicksalhaften Verlauf". Man sei jedenfalls um volle Aufklärung bemüht. Wie üblich sei sofort eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft ergangen, die Patientenombudsstelle wurde informiert. "Gegenüber den Eltern haben wir von Anfang an ein aktives Informationsmanagement betrieben, es gab nach der OP mehrere Gespräche, ein Kriseninterventionsteam wurde beigestellt."

Seitens der Staatsanwaltschaft Graz wurde bestätigt, dass die Ermittlungen aufgenommen wurden - wegen Verdachts der fahrlässigen Tötung unter besonders gefährlichen Umständen, so Sprecher Hansjörg Bacher. Zur Feststellung der genauen Todesursache wurde auch eine gerichtsmedizinische Obduktion angeordnet, das Landeskriminalamt führt Erhebungen durch.

Familie muss bereits zweiten Kindstod verkraften

Für Familie R. war Lauras Tod bereits der zweite Schicksalsschlag, der mit dem Grazer LKH in Verbindung steht. Wie die "Steirerkrone" erfuhr, musste man bereits vor vier Jahren einen tragischen Verlust verkraften. Enkerl Simon, ein Frühchen, war vom Landeskrankenhaus nach Hause geschickt worden, bevor er daheim immer wieder blau angelaufen sei. Interventionen im Spital hätten nichts gebracht, so die Familie. Das acht Wochen alte Baby starb. "Plötzlicher Kindstod, hat man uns damals erklären wollen."

AG/Kronen Zeitung/red
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