Die Käse- Rückrufaktion hatte Ende Jänner für Aufregung in Österreich gesorgt. Man hatte sogenannte Listerien in Quargel- Sorten nachgewiesen, angeblich in "Mengen unter dem Grenzwert". Tatsächlich sind vor dem Rückruf insgesamt zwölf Menschen in Österreich an genau dem im Käse gefundenen Bakterien- Typus erkrankt. Vier dieser Betroffenen starben sogar, bestätigte das Gesundheitsministerium am Montag. In Deutschland gab es bei vier Erkrankungen zwei Todesfälle.
"Bei uns laufen zu den Ereignissen rund um den Quargel die Telefone heiß", berichtete Martin Gressl, Leiter des AMA- Qualitätsmanagements, am Donnerstag bei einem Pressegespräch in Wien. Viele Anrufer fühlen sich durch die Kennzeichnung als "österreichisches" bzw. "steirisches" Produkt getäuscht.
Die Österreich- Auslobung für Produkte wie jene der Firma Prolactal ist aber rechtens, sofern 50 Prozent der Wertschöpfung, auch durch Verarbeitung und Verpackung, in Österreich erzielt wurden. "Das ist ein Irrlauf für den Kunden", kritisiert Gressl. "Die Herkunftskennzeichnung, so wie sie heute ist, ist umgangssprachlich ausgedrückt ein Quargel, der zum Himmel stinkt", pflichtet ihm Franz Floss vom Verein für Konsumenteninformation bei.
Das AMA- Gütesiegel sieht in seinem Kontrollprogramm für Käse unter anderem eine Nulltoleranz bei Listeria Monocytogenes und bei Salmonellen vor. Die Milch muss zu 100 Prozent aus Österreich stammen. "Wir schauen uns auch den Betrieb genau an, ob er die Kriterien erfüllt", so Gressl. "Und wir überwachen diese Vorgaben." Im Rahmen des AMA- Gütesiegelprogramms würden jährlich 400 bis 500 Proben von Käse auf Listerien und Co. untersucht.
"Die Kontaminierung mit Listerien ist ein Fehler in der Qualitätssicherung und in der Herstellung", berichtet Konsumentenschützer Floss. Bei ordnungsgemäßer Pasteurisierung "darf kein Listerien- Befall drinnen sein. Falls doch, dann ist das bei der Verarbeitung im Betrieb dazugekommen". Dass "sicherer" Käse erzeugt werden kann, zeige auch der jüngste VKI- Test zu Emmentaler aus heimischem Handel: Von 34 Proben war keine auffällig. "Nur die Herkunftskennzeichnung für Rohstoffe grenzt an Konsumententäuschung", so Floss.