Ministerin bedauert

Sexualstrafrecht: Grapscher-Passus bleibt draußen

Österreich
02.05.2013 11:57
Po-Grapschen und ähnliche Formen sexueller Belästigung werden auch künftig nicht strafrechtlich verfolgt. Die Regierungsvorlage für die schon länger geplanten Änderungen im Sexualstrafrecht soll kommende Woche ohne einen entsprechenden neuen Passus beschlossen werden. Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek bedauerte die Entwicklung, wollte die Novelle aber "nicht als Ganzes gefährden".

Ein Sprecher von Justizministerin Beatrix Karl bestätigte am Donnerstag den neuen Entwurf, in dem Po-Grapschen nicht mehr als Delikt enthalten ist. Damit setzte sich Karls ÖVP gegen die SPÖ - allen voran Heinisch-Hosek - durch, die auf eine Verankerung dieser Art von sexueller Belästigung gedrängt hatte.

"Das war nicht zu machen, auch wenn es aus Sicht der Frauen wünschenswert gewesen wäre", sagte eine Sprecherin Heinisch-Hoseks. Es handle sich um eine "umfassende Novelle mit wesentlichen Punkten. Diese als Ganzes zu gefährden, war für uns keine Option".

Höhere Strafen bei Sex-Delikten
Die Änderungen des Strafgesetzbuchs sehen unter anderem höhere Strafrahmen bei Sexualdelikten vor. Außerdem werden die Altersgrenze bei besonders schwerem sexuellem Missbrauch ausgedehnt und der Tatbestand des "Groomings" (Anbahnung sexueller Kontakte zu Minderjährigen über das Internet) verschärft. Weiters werden EU-Richtlinien zu Kindesmissbrauch bzw. -pornografie sowie zu Menschenhandel umgesetzt.

Einzige Änderung gegenüber dem Begutachtungsentwurf ist laut Justizministerium die Erhöhung des Strafrahmens bei Zuhälterei von einem auf zwei Jahre. Das schreibt sich Heinisch-Hosek auf die Fahnen: Man habe diesen Punkt in der Begutachtung hervorgehoben und letztlich durchgesetzt.

Abgeblitzt ist sie dagegen mit dem Begehr, sexuelle Belästigung als strafrechtliches Delikt festzuschreiben. Regierungskollegin Karl hatte sich vehement dagegen gewehrt und wiederholt darauf hingewiesen, dass es ausreichend Handhabe im Verwaltungsstrafrecht und im Zivilrecht gebe. In dieser Einschätzung sieht sie sich von Experten bestätigt.

Auch ÖVP-Politiker gegen Karl
Allerdings vertraten auch in der eigenen Partei nicht alle Karls Meinung. So hatte sich ÖVP-Frauenchefin Dorothea Schittenhelm für eine strafrechtliche Verankerung ausgesprochen. Auch vom niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll war der Ruf nach "entsprechenden Schritten" gekommen.

Der Ministerrat soll die Regierungsvorlage am kommenden Dienstag beschließen, eine Behandlung im Justizausschuss ist für den 29. Mai geplant. In Kraft treten sollen die neuen Regeln mit 1. Juli, so der Fahrplan des Justizministeriums.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Österreich
02.05.2013 11:57
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung