Die Weinfässer im schon seit langem leer
stehenden Keller sind mit Spinnweben überzogen. Überall
liegen Flaschen herum, dazwischen stehen ein paar Kerzen. In dem
dunklen, verliesartigen Gemäuer riecht es muffig. Die Luft
abgestanden. Auch die zwei verwahrlosten Häuser im nördlichen
Niederösterreich strahlen irgendwie etwas Bedrohliches aus.
Die Räume sind unordentlich, Kleidungsstücke liegen
verstreut am Boden. Es sind Orte des Schreckens, die mindestens
acht zarte Kinderseelen nie mehr vergessen werden. Hier wurden
die Mädchen und Buben seit neun Jahren missbraucht! Von ihrem
Onkel und Nachbarn . . .
Der 33- Jährige lockte seine ahnungslosen Opfer
mit Fernsehen und Süßigkeiten zu sich. Mit Faustschlägen
machte er dann die Kinder gefügig - und brachte sie bis heute
zum Schweigen. Erst jetzt fand die kleine Nichte des Verdächtigen
den Mut, über ihren unfassbaren Leidensweg mit Gendarmen
zu sprechen. Die weiteren Ermittlungen der niederösterreichischen
Kriminalabteilung (Gruppe für Sexualdelikte) brachte dann
das gesamte Ausmaß des Verbrechens ans Tageslicht.
Hunderte Male verging sich der Arbeitslose in den
vergangenen Jahren an seinen zwei Nichten, deren Bruder und mindestens
fünf Nachbarskindern. Verschleppte sie in den Weinkeller,
sein gegenüberliegendes Haus oder zu seinen Eltern, wenn
diese gerade nicht da waren. Bei den perversen Sex- Spielen ließ
der Peiniger fast immer die Kamera mitlaufen. Und raubte seinen
Opfern dadurch auch noch ihre letzte Würde.
Bei einer Durchsuchung fanden die Beamten im "Horror- Haus"
Dutzende Videos und DVDs. In den nächsten Wochen müssen
sich die Fahnder jede einzelne Aufzeichnung zum Sammeln von Beweisen
ansehen. Es sind Bilder, die auch den Kriminalisten nicht mehr
aus dem Kopf gehen werden . . .
Doch Reue über die furchtbaren Taten zeigte
der 33- Jährige bei der Einvernahme nicht. Seine höhnische
Verantwortung: "Ich lebe halt im falschen Land. Wo anders ist
das nicht strafbar." Nach diesen Aussagen wurde der skrupellose
Sex- Verbrecher noch am Gendarmerieposten verhaftet. Jetzt wird
nach weiteren Opfern des Kinderschänders gesucht. Hinweise
werden vertraulich behandelt: 01/711 40/3333
Von Christoph Budin