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22.09.2009, 23:30
Ring-Sperre ließ in Wien die Wogen hochgehen
0:00 | 02:29
krone.tv
Der zehnte europaweite Autofreie Tag ist am Dienstag auch in Österreich begangen worden. 375 Gemeinden beteiligten sich an diversen Aktionen. Zwar nicht von offizieller Seite, dafür durch einen Coup mehrerer Umweltorganisationen fand die spektakulärste auf der Wiener Ringstraße statt: Per Demonstrationsrecht veranstalteten dort Greenpeace, GLOBAL 2000 und Co. am Nachmittag ein Massenpicknick auf eigens ausgelegten Rasenstreifen. Die Wiener Stadtpolitik schäumt vor Wut. "Als Autofahrer ist man hier wirklich eine arme Sau", meinte der FPÖ-Gemeinderat Toni Mahdalik. Für City-Vorsteherin Ursula Stenzel (ÖVP) ist die Aktion "reine Provokation". Die SPÖ bezeichnete es als "inakzeptabel, die ganze Stadt lahmzulegen".

Die Blockade des Rings zwischen Operngasse und Bellariastraße, die eine Sperre bis zum Schwarzenbergplatz notwendig machte, begann unter dem zweideutigen Motto "Rasen am Ring" um 14.00 Uhr und dauerte bis 20.00 Uhr. Unterstützt bzw. organisiert wurde der autofreie Ring von den Organisationen IG-Fahrrad, GLOBAL 2000, Greenpeace, der Fahrrad-Selbsthilfe WUK, der Bürgerinitiative "Rettet die Lobau", der Umweltorganisation Virus, der Arge Schöpfungsverantwortung und von Ökonews.

Die Blockade zur Stoßzeit sorgte in ganz Wien für noch dichteren Verkehr. Sie (über-)belastete die Ausweichrouten und die anderen Verkehrsadern, wie den ohnehin bereits aufgrund eines Rohrbruchs verengten Gürtel. Autofahrer mussten bei der Heimfahrt vom Büro massive Verzögerungen in Kauf nehmen.

Blockade via Demonstrationsrecht

Wann solle man eine Verkehrsfläche für klimapolitische Anliegen nutzen, wenn nicht am autofreien Tag, meinte Wolfgang Rehm, Sprecher der Öko-Organisation Virus: "Einige Herren können es wohl nicht verwinden, dass wir Frevler es wagen, die heilige Kuh anzutasten." Entsprechend "erbärmlich" sei die Distanzierung von Verkehrsstadtrat Rudolf Schicker, der am Montagvormittag gemeint hatte: "Wir sehen das Demonstrationsrecht grundsätzlich als unantastbar an. Aktionen, bei denen dieses Recht aber bewusst nur deshalb in Anspruch genommen wird, um im Wiener Straßenverkehr zur Hauptverkehrszeit künstlich Hindernisse zu erzeugen, schätze ich absolut nicht."

Schicker betonte in einer Aussendung, dass die Stadt Wien für die Blockade nicht verantwortlich sei. Das Demonstrationsrecht sei im Übrigen eine polizeiliche Angelegenheit, die Genehmigung liege außerhalb des Einflussbereiches der Stadt Wien.

Lobbying für die Autofahrer am Autofreien Tag

Auch die anderen Parteien sparen nicht mit Kritik an der Aktion und brechen ausgerechnet am Autofreien Tag eine Lanze für die Autofahrer: "Ich habe Respekt vor der Demonstrationsfreiheit. Es ist aber inakzeptabel, eine ganze Stadt lahmzulegen", kritisierte auch der ÖVP-NR-Abgeordnete Ferdinand Maier. BZÖ-Verkehrssprecher Christoph Hagen geißelte die Ringsperre als "Schnapsidee".

Eine Ringsperre "für die Spendenkeiler von GLOBAL 2000, Greenpeace und Co.", unterstützt von den "desolaten Grünen" sei umweltpolitischer Schwachsinn, ärgerte sich FPÖ-Gemeinderat Toni Mahdalik in einer Aussendung. Die Grünen stellten damit unter Beweis, dass sie für ein paar Zeitungsartikel ihre Großmütter en gros verkaufen würden. "Als Autofahrer ist man in Wien wirklich eine arme Sau", konstatierte er.

Stenzel: "Das ist eine Provokation"

Es sei ein "starkes Stück" einen ganzen Teil des Ringes für ein Happening der Grünen zu sperren, echauffierte sich auch die Bezirksvorsteherin der Inneren Stadt, Ursula Stenzel (ÖVP) in einer Aussendung. Dahinter stecke offenbar die Absicht, die Ringstraße zu einer Event- und Demonstrationszone zu machen, denn der Rathausplatz alleine genügt scheinbar nicht mehr. "Diese Ringsperre wird als Provokation empfunden", machte Stenzel klar.

Der Umweltsprecher der Wiener Grünen, Rüdiger Maresch, hatte die Maßnahme hingegen verteidigt: "Die Aktionen am Ring sind ein wichtiges und sinnvolles Signal für eine grundlegende Änderung der Klima- und Verkehrspolitik in Österreich und auch in Wien." Das Verhalten von ÖVP und FPÖ sei unverständlich: "FP und VP blockieren seit Jahrzehnten wirksame Maßnahmen für den Klimaschutz und gefährden so die Lebensgrundlagen unserer Kinder."

375 Gemeinden beteiligten sich an Aktionen

Der Autofreie Tag wurde auf Initiative der EU-Kommission im Jahr 2000 eingeführt und findet europaweit auf freiwilliger Basis statt. Insgesamt beteiligten sich österreichweit 375 Gemeinden am Autofreien Tag. Peter Czermak vom Klimabündnis Österreich, das die Aktionen koordinierte, wollte damit zeigen, wie und wann man auch ohne Auto gut unterwegs sein kann. "Das ist viel öfter möglich, als die meisten glauben. Immerhin sind die Hälfte der Autofahrten unter fünf Kilometer", sagte er am Vortag des Autofreien Tages.

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