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Psychogramm des "Snipers von Wien": Taten nur Vorstufe?

20.09.2011, 17:09
Psychogramm des "Snipers von Wien": Taten nur Vorstufe? (Bild: Werner Kerschbaummayr)
Foto: Werner Kerschbaummayr
Der "Sniper von Wien" ist nicht älter als 50 Jahre, vermutlich arbeitslos, hat ein Machtproblem und wohl auch keine Freundin – Psychologe Dr. Cornel Binder- Krieglstein kann auch nicht in die Zukunft sehen, er kann aber hoch professionell Täterprofile miteinander vergleichen. Und über den irren Luftdruck- Heckenschützen (bereits zehn Verletzte) sagt er etwas, das bei allen Ermittlern die Alarmglocken losschrillen lässt: "Dass diese Attacken erst die Vorstufen zu etwas Schlimmeren sind, ist nicht auszuschließen." Ein Blick in einen irren Geist...

"Krone ": Herr Binder- Krieglstein. Ein hundertprozentiges Psychogramm kann derzeit noch niemand abgeben. Was aber könnte den Heckenschützen zu seinen feigen Taten antreiben?
Dr. Cornel Binder- Krieglstein: Da gibt es zwei Möglichkeiten. Er könnte eine Person in einem abnormen psychischen Zustand sein. Geleitet von uns entfremdeten Gedanken, könnte er in den Opfern sogar eine Bedrohung sehen.

"Krone": Eine Schizophrenie etwa?
Binder- Krieglstein: Ein Zwang, ein Angstszenario. Vielleicht eine Stimme, die ihm das befiehlt.

"Krone": Und was ist Möglichkeit Nummer zwei?
Binder- Krieglstein Er ist ein Neurotiker, sein Selbstwertgefühl ist in Mitleidenschaft gezogen. Das Auswählen der Opfer gibt diesem Mann, und er ist sehr wahrscheinlich ein Mann, Macht. Das Schießen ist für ihn möglicherweise ein Ventil für seine Aggressionen.

"Krone": Könnte das Feuern mit Luftdruckgewehren vielleicht erst der Anfang sein?
Binder- Krieglstein: Dass es sich dabei um eine Vorstufe handelt, ist zumindest nicht auszuschließen.

"Krone": Wann zeigt sich, welcher Tätertyp er genau ist?
Binder- Krieglstein: Bei seinen nächsten Attacken. Das Ganze könnte sich auch noch zu einem Spiel mit der Polizei entwickeln. Wie es etwa Kaufhaus- Erpresser Dagobert auch gemacht hat.

"Krone": Führt der Sniper eine glückliche Beziehung?
Binder- Krieglstein: Das kann ich nicht sagen. Es spricht vieles dagegen.

Der Psychologe ist sich zudem sicher, dass der Mann gezielt vorgeht: "Es ist keine Affekthandlung, es ist ein geplantes Verhalten. Er muss dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen passen. Er muss seine Waffe und seine Munition herrichten", sagte Binder- Krieglstein. Der Heckenschütze schießt nicht immer am gleichen Ort. "Das hat einen Grund: Entweder, damit er nicht erkannt wird und für die Polizei nicht schnell greifbar ist. Oder dass er dabei eine andere Tätigkeit ausführt. Er mixt das Schießen vielleicht zu anderen Handlungen dazu."

Es stelle sich die Frage, welche Ursache seine Taten haben. "Warum macht er das? Vielleicht braucht er eine Steigerungsstufe. Besonders dann, wenn das, was er tut, erfolgreich gelaufen ist, ohne von der Exekutive belangt zu werden", sagte der Psychologe.

Michael Pommer, Kronen Zeitung/AG
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