"Völlig friedlich"

Proteste in Wien: Hunderte fordern Rücktritt Erdogans

Österreich
16.06.2013 19:39
Auch in Wien haben am Sonntag Hunderte Menschen gegen das Vorgehen der türkischen Sicherheitskräfte in Istanbul protestiert. "Es ist unfassbar, wie brutal die Polizei dort im Gezi-Park gegen Menschen vorgeht", sagte Murat Barlan, der Obmann des Vereins zur Förderung des Gedankenguts Atatürks in Österreich und Veranstalter der Demonstration. "Nun hat Erdogan sein faschistisches Gesicht gezeigt."

"Wir unterstützen die Proteste von Wien aus", erklärte Barlan seine Motivation. Laut Walter Nevoral von der Landespolizeidirektion Wien ist der Marsch "völlig friedlich und ohne Probleme" verlaufen. Seiner Schätzung nach nahmen 700 Menschen teil.

Die Demonstranten forderten lautstark den Rücktritt von Premier Recep Tayyip Erdogan und der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP. Sie riefen Sprüche wie "Erdogan Faschist", "Erdogan tritt zurück", "Überall Taksim, überall Widerstand", "Die Jugend Atatürks ist jetzt aktiv" oder "Wir sind die Soldaten von Kemal Atatürk". Zahlreiche türkische und vereinzelt auch österreichische Flaggen wurden geschwenkt. Auch auf Schildern wurden der Rücktritt Erdogans und ein Ende der Gewalt gefordert.

Polizei-Vorgehen in Istanbul ist "versuchter Mord"
Neben Anhängern von Staatsgründer Kemal Atatürk waren viele nicht in Parteien oder Vereinen Organisierte gekommen, die erst durch die Ereignisse der letzten Wochen im Gezi-Park (siehe Infobox) mobilisiert wurden. "Ich bin eigentlich ein absoluter Couch-Potato, aber die Medienzensur ist wie eine Rückkehr in die Biedermeierzeit", sagte der 33-jährige Besim. "Ich bin völlig schockiert, genug ist genug", betonte er. Die 24-jährige Byhan habe "große Angst" um ihren Verlobten, der sich derzeit in Istanbul aufhalte, und ihre weiteren Familienangehörigen. Über das Vorgehen der Sicherheitskräfte und die Verfolgung von Demonstranten in Hotels sagte sie: "Das ist versuchter Mord."

Eine junge Familienmutter betonte, dass es wichtig sei, dass jeder Mensch frei denken und leben könne. Sie sei gekommen, um die Protestierenden in Istanbul im Kampf für Meinungs- und Versammlungsfreiheit zu unterstützen. Die 23-jährige Selam erklärte sich als bekennende Kemalistin und sagte: "Wir unterstützen die Regierung nicht, denn diese steht nicht für das Gedankengut Atatürks."

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