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Projekt "Töchter-Hymne" ist schon wieder abgeblasen

26.01.2010, 13:06
Projekt "Töchter-Hymne" ist schon wieder abgeblasen (Bild: APA FOTO: HERBERT PFARRHOFER)
Foto: APA FOTO: HERBERT PFARRHOFER
Das Projekt, in der Bundeshymne zukünftig auch die "Töchter" zu besingen, ist - zumindest vonseiten der Politik - im Rekordtempo abgeblasen worden. Frauenministerin Gabriele Heinisch- Hosek hat im Ministerrat am Dienstag nicht einmal mehr den von ihr angekündigten Vorschlag eingebracht. Allerdings steht Bildungsministerin Claudia Schmied in ihrem Rechtsstreit mit dem Rechteinhaber der Hymne noch die eine oder andere Debatte bevor.

Der Wunsch, die Bundeshymne bei der Passage "Heimat bist du großer Söhne" geschlechtergerecht zu machen, kam im Jahr 2005 schon der damaligen ÖVP- Frauenministerin Maria Rauch- Kallat über die Lippen. Über Wochen hinweg debattierte Schwarz- Blau/Orange mit der damals noch oppositionellen SPÖ und den Grünen. Schließlich scheiterte der Vorstoß am Widerstand des BZÖ.

Im Zuge der Bildungskampagne von Claudia Schmied, in der Christina Stürmer eine rockige Töchter- Version der Bundeshymne singt und dafür vom Rechteinhaber der Hymne mit Klagen bedroht wird, brachte Heinisch- Hosek das Thema mit mehreren Zeitungs- Interviews wieder aufs Tapet - und sich selbst auf die Titelseiten.

Heinisch- Hosek gibt ÖVP die Schuld

Am Dienstag erklärte die Frauenministerin das Projekt nun wieder für beendet und gab als Grund die ÖVP an. Da die Zustimmung fehle, werde sie auch keinen Vorschlag einbringen. Sie sei "verwundert", denn eine geschlechtergerechte Bundeshymne wäre aus ihrer Sicht ein schönes Signal gewesen, das nichts gekostet hätte.

Die Gründe für das Scheitern des Vorhabens verstehe sie nicht, denn der Koalitionspartner habe damit argumentiert, dass im ÖVP- Klub dafür keine Mehrheit zustande käme. Der ÖVP- Klub sei aber für eine Änderung gar nicht notwendig, es reiche ein Ministerratsbeschluss, betonte Heinisch- Hosek. Derzeit wolle sie aber keine Energie mehr auf das Thema verwenden.

ÖVP- Familienstaatssekretärin Christine Marek reagierte gelassen auf Heinisch- Hoseks Vorwürfe: Ihres Wissens nach habe es nicht einmal eine Diskussion über den Vorschlag gegeben, dieser sei über die Medien ausgerichtet worden. "Wir haben in Wirklichkeit auch andere Sorgen", etwa die Bewältigung der Wirtschaftskrise, erklärte Marek.

Schmied- Kampagne: Verlag möchte mehrere Stellen ändern

Der Sessler- Verlag hat indes im Streit um Urheberrechte an der Bundeshymne einen Kompromissvorschlag vorgelegt. Verlagsgeschäftsführer Ulrich N. Schulenburg schlägt vor, in der Schmied- Kampagne die Melodie der Hymne unverändert zu belassen, den Text aber zu ändern. Dabei sollten neben den Töchtern auch andere Passagen neu gestaltet werden. Als Beispiel nannte Schulenburg, dass etwa auch der Textteil "Land der Hämmer" nicht mehr zeitgemäß sei. Gemeinsam mit dem Ministerium könnte alle Autoren zu einer Neugestaltung des Textes eingeladen werden.

In die dafür einzuberufene Jury könnte auch Fritz Molden, einer der Erben nach der Textdichterin Paula von Preradovic, eingeladen werden, schlug Schulenburg vor. Das wäre seiner Ansicht nach eine Möglichkeit, die Angelegenheit aus der Welt zu schaffen.

Klage kommt trotzdem

Für die Verwertung der Rechte würde der Sessler- Verlag nur einen symbolischen Betrag verlangen, stellte der Geschäftsführer in Aussicht. Und diesen würde man dann auch für karitative Zwecke spenden. Damit wolle man deutlich manchen, dass es dabei nicht ums Geld gehe. Der Verlag sei aber verpflichtet, die Verträge zu erfüllen, heißt es. Nach wie vor werde daher eine Unterlassungsklage eingebracht, weil das Bildungsministerium an seiner Kampagne festhalte. Eine vom Verlag gesetzte Frist dafür ist bereits am gestrigen Montag abgelaufen.

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