"Jetzt geht's los!", mit diesen Worten hob Brauner (re. Bild) am Freitag kurz nach 22 Uhr - und damit gut zwei Stunden vor Beginn des eigentlichen Nachtbetriebs - im Museumsquartier die Nacht- U-Bahn aus der Taufe. Es handle sich vorrangig um ein Angebot für die Jugend, so Brauner bei der Kick- Off- Party im Cafe Leopold. Die Jugend habe sich durchgesetzt, sie habe in dieser Stadt was zu sagen, meinte die Vizebürgermeisterin.
Zu verdanken hatten die Wiener Linien das rege Passagieraufkommen in der Premierennacht sicherlich auch dem von ihnen ausgerufenen Partyreigen "Nightride". Dabei konnten sich feierfreudige Bundeshauptstädter ein Gratisticket im Internet ausdrucken, das auch freien Eintritt in 35 Locations in der ganzen Stadt garantieren sollte.
Während Personengruppen immer wieder bereitwillig vor den Kameras anwesender Medienvertreter posierten, setzte die Junge ÖVP alles daran, die Umsetzung der Nacht- U-Bahn für sich zu reklamieren. Träger von T- Shirts mit dem Aufdruck "Junge ÖVP Wien hat 24h- Verkehr für dich erreicht!" verteilten Flyer und Feuerzeuge in den Zügen und Stationen. "Wir wollen die Leute daran erinnern, wer's erfunden hat", sagte Angela, die als eine der rund 90 ausgeschwärmten Nachwuchs- Stadtschwarzen am Schwedenplatz postiert war.
Begleitet wurde jeder Zug - wie auch in Zukunft - von einem Polizisten- Duo (li. Bild links), wobei die Sitzplätze rund um den Standplatz der Exekutivbeamten tendenziell gemieden wurden. Die Passagiere, viele davon mit Bier oder anderen Alkoholika ausgerüstet, drängten sich eher in den übrigen Bereichen der durchgängigen Garnituren.
Neben der Polizei waren auch 44 sogenannte Nightliner der Wiener Linien im U- Bahnnetz unterwegs, um gegebenenfalls schlichtend einzugreifen. "Wir schauen, ob alles in Ordnung ist", erklärte etwa Safak Yilmaz. Nervös vor seinem ersten Einsatz sei er nicht. Er rechne eher mit einem entspannten Nachteinsatz, wobei Alkohol sicherlich ein Problem sein könne. Was die Dienstpläne betrifft, komme ein Zweierteam innerhalb von zehn Wochen fünf- bis sechsmal zum Einsatz. Die Nightliner- Truppe ist nicht nur zwecks Deeskalation unterwegs, sondern soll auch über geänderten Routen der Nachtbusse informieren und allfällige Fragen der Fahrgäste beantworten.
Aufklärungsbedarf schien es in der Auftaktnacht jedenfalls noch vereinzelt zu geben. "Manche glauben, wir fahren jetzt jeden Tag rund um die Uhr", wunderte sich eine andere Nightlinerin. Andere Fahrgäste wiederum glaubten an eine einmalige Aktion. Ein junger, sichtlich illuminierter Mann schien sich jedenfalls in der Premierennacht der 24- Stunden- U-Bahn noch an die Volksbefragung im Februar zu erinnern, als deren Folge die Nacht- U-Bahn umgesetzt wurde. Er blieb mit gefalteten Händen und gesenktem Kopf vor einer Rolltreppe am Stephansplatz stehen, schrie zweimal "Danke, Michael Häupl" in die gerade unbevölkerte Station und verschwand dann im Untergrund.
Insgesamt 22 Züge transportieren die Passagiere an den Wochenenden durch das nächtliche Wien. Insgesamt sind 200 Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe im Einsatz. Jährlich kostet die 24- Stunden- U-Bahn 5,1 Millionen Euro. Rechnet man den finanziellen Aufwand für die Nachtbusse noch dazu, schlägt der nächtliche Öffi- Betrieb ab sofort mit 10,7 Millionen Euro zu Buche. Das Nightline- System wird an Wochenenden und vor Feiertagen indes zusammengestutzt, um Parallelführungen zu vermeiden. So drehen die Busse keine Ringrunden mehr, einige Linien werden eingestellt, andere erweitert und an das U- Bahnnetz herangeführt (für genauere Informationen siehe Story in der Infobox).
Die Wiener Linien erwarten mittelfristig ein Passagieraufkommen von 30.000 Personen in den wochenendlichen Nächten. Bisher benutzten durchschnittlich 16.000 Menschen die Nachtbusse.