Die Infektion sei seit Mittwoch bestätigt, gab das Rote Kreuz in einer Aussendung Donnerstagmittag bekannt. Bei einer Pressekonfernz am Nachmittag wurde dann mitgeteilt, dass es sich bei der Patientin um eine Frau mit Magenblutung handle. Die Patientin habe bereits eine antiretrovirale Kombinationstherapie erhalten und ist nach Angaben von Norbert Vetter, HIV-/Aids-Experte am Otto-Wagner-Spital in Wien derzeit frei von Symptomen. Er gehe davon aus, dass die Frau eine normale Lebenserwartung bei guter Lebensqualität hat.
Mit dem Spender steht das Rote Kreuz ebenso in Kontakt wie mit Angehörigen der betroffenen Frau. Ihr wurde laut ÖRK-Generalsekretär Kerschbaum finanzielle Unterstützung aus einem Fonds angeboten, in den das Rote Kreuz für derartige Fälle einzahlt. Hilfe - über deren Ausmaß nicht das Rote Kreuz entscheidet - wird den Angaben zufolge unter der Bedingung gewährt, dass keine anderen Rechtsansprüche gestellt werden.
"Kein schuldhaftes Verhalten bei Blutspendezentrale"
Das Blut wurde laut Kerschbaum am 10. Jänner im Bereich der Spendezentrale für Wien, Niederösterreich und das Burgenland gespendet. Es liege aber kein schuldhaftes Verhalten der Zentrale vor: "Die absolute Sicherheit - die gibt es bei einer Bluttransfusion nicht und wird es nach Auskunft von Spezialisten auch nicht geben." Die Überprüfung von Spenderblut erfolge nach international anerkannten Kriterien.
Die Infektion erfolgte den Angaben zufolge innerhalb des sogenannten diagnostischen Fensters. Das bedeutet, dass in den ersten Tagen einer Neuinfektion das HI-Virus im Blut nicht nachweisbar, eine Übertragung jedoch schon möglich ist. Dass das Spenderblut in diesem einen Fall HI-Viren enthielt, wurde durch einen Test bei der Patientin bekannt. In der Blutspendezentrale wurde daraufhin die sogenannte Rückstellungsprobe - der zurückbehaltene Rest des Spenderbluts - einer Einzelfalltestung unterzogen.
Das maximale Restrisiko, dass es zu so einem Fall kommt, beträgt laut Rotem Kreuz 1 zu 2,5 Millionen und könne mit keinem zur Verfügung stehenden Test ausgeschlossen werden. Dass weitere Personen betroffen seien, wird ausgeschlossen, da es sich um eine einzige Konserve gehandelt habe.
Erster entsprechender Fall beim Roten Kreuz seit 15 Jahren
Der aktuelle Fall einer HIV-Infektion durch eine Bluttransfusion ist der erste beim Roten Kreuz seit 15 Jahren, nicht aber die absolute Ausnahme: In Oberösterreich habe es 2007 oder 2008 einen solchen Fall gegeben, beim RK selbst zuletzt 1998 - ebenfalls verursacht durch ein diagnostisches Fenster, wie Kerschbaum sagte. In Rotkreuz-Blutspendezentralen seien in den vergangenen Jahren in 14 Fällen HI-Viren in Blutkonserven gefunden worden. In einem solchen Fall werde der Spender angeschrieben und zu einem persönlichen Gespräch eingeladen.
Blut kann nicht künstlich hergestellt werden, daher ist das Rote Kreuz auf freiwillige Spender angewiesen. 3,4 Prozent der Bevölkerung spenden regelmäßig Blut und sorgen so für eine flächendeckende Versorgung in ganz Österreich. Pro Minute wird im Schnitt eine Blutkonserve benötigt, 450.000 werden im Jahr von Krankenhäusern angefordert. Vor allem im Sommer drohen immer wieder Engpässe. Blut durchläuft nach der Abnahme vom Spender mehr als 15 Tests.
Tödlicher Angriff auf das Immunsystem
Aids, das Acquired Immune Deficiency Syndrome, ist eine Schwächung bzw. Störung des menschlichen Immunsystems. Ausgelöst wird die Erkrankung durch das Human Immunodeficiency Virus (HIV). Durch die Vermehrung der HI-Viren in den T-Helferzellen kommt es zu einer massiven Verminderung ebendieser Abwehrzellen im Blut. Letztendlich können für die Patienten selbst ansonsten harmlose Infektionen lebensbedrohlich werden.
Aids ist bisher nicht heilbar. Der Ausbruch und die Symptome lassen sich mit Medikamenten derzeit aber bereits langfristig hinauszögern. Die Zahl der Neuinfektionen mit dem HI-Virus ist in ganz Österreich zuletzt um rund 3,5 Prozent angestiegen. Die Angaben, wie viele Menschen hierzulande insgesamt mit dem Virus leben, sind unterschiedlich. Das Gesundheitsministerium schätzt die Zahl auf rund 6.000 bis 10.000 Menschen. laut Aids-Hilfe Wien dürfte die Zahl angesichts einer hohen Dunkelziffer bei 12.000 bis 15.000 liegen.
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