Die fünf Parlamentsparteien hatten sich bereits in den von Februar bis Oktober 2010 gelaufenen Verhandlungen auf Eckpunkte einer Reform der Parteienfinanzierung geeinigt. Verhandlungsführer waren die Bundesgeschäftsführer bzw. Generalsekretäre der fünf Parlamentsparteien. Das "Ergebnisprotokoll" vom 20. Oktober 2010 enthält dabei die wesentlichen Kernpunkte der damals vereinbarten Neuregelung:
Nicht geklärt wurde in den Verhandlungen, ob auch Spenden aus dem Ausland generell verboten werden (SPÖ, ÖVP und Grüne waren dafür). Auch die Details des Stückelungsverbots sind damals offen geblieben. Ein Vorschlag der Grünen, Regierungswerbung acht Monate vor Wahlen zu verbieten und gleichzeitig die staatliche Presseförderung zu erhöhen, wurde von SPÖ und ÖVP abgelehnt (FPÖ und BZÖ begrüßten den Vorschlag, zeigten sich in Sachen Presseförderung aber skeptisch).
Umsetzung bis heute nicht erfolgt
Gemäß der im Oktober 2010 zwischen den Parteisekretären getroffenen Vereinbarung sollten die Verhandlungen "ab sofort" im Parlament fortgesetzt werden. Eine Umsetzung der Einigung kam allerdings bis heute nicht zustande. Der BZÖ-Abgeordnete Stefan Petzner kritisiert daher nun auch, dass die Koalition bereits vor einem Jahr einen entsprechenden Gesetzesentwurf der Regierung angekündigt, diesen aber nie vorgelegt hat.
Petzner pocht insbesondere auf ein Spendenverbot für (teil-)staatliche Unternehmen, weil dann auch die im U-Ausschuss aufgetauchten Zahlungen der Telekom (v.a. an das BZÖ, Anm.) nicht mehr möglich wären. "Ich verstehe nicht, warum die Regierung nicht angast", so Petzner.
Verhandlungsfahrplan wird am Donnerstag besprochen
Der grüne Vizeklubchef Werner Kogler hat bereits angekündigt, am Rande der Nationalratssondersitzung am Donnerstag eine Besprechung über den weiteren Verhandlungsfahrplan einzuberufen. FPÖ-Verhandler Generalsekretär Herbert Kickl vermutet, dass es der Koalition darum geht, ihre eigenen Vorfeldorganisationen von den Transparenzbestimmungen auszunehmen und vor der Neuregelung noch einmal die Kassen für den Wahlkampf zu füllen.
SPÖ und ÖVP streben vor Gesprächen jedenfalls noch eine koalitionsinterne Einigung über das weitere Vorgehen an. Im SPÖ-Klub hieß es dazu, mit der Opposition könne erst verhandelt werden, wenn SPÖ und ÖVP diesbezüglich einig seien. Einen Gesprächstermin zwischen den Koalitionsparteien soll es demnach noch diese Woche geben.
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