Nach Angaben der deutschen Bundesanwaltschaft soll Maqsood L. für die terroristische Vereinigung "Deutsche Taliban Mujaheddin" versucht haben, Teilnehmer für den militanten Dschihad (Heiliger Krieg) zu gewinnen. Zudem soll er für die Organisation rund 1.000 Euro beschafft haben. Vor dem Hintergrund dieser Vorwürfe erließ am Freitag ein Ermittlungsrichter des deutschen Bundesgerichtshofes in Karlsruhe einen Haftbefehl.
Die "Deutschen Taliban Mujaheddin" wollen in Afghanistan eine islamisch- fundamentalistische Gesellschaftsordnung errichten. Sie verüben laut Bundesanwaltschaft Anschläge auf afghanische und pakistanische Regierungstruppen und auch auf Mitglieder der internationalen NATO- Schutztruppe ISAF. Wegen der Beteiligung der Bundeswehr an dem Militäreinsatz der NATO ist auch die Bundesrepublik Deutschland ins Visier der Gruppe geraten. Mit den weiteren Ermittlungen ist das Bundeskriminalamt beauftragt.
Die österreichische Botschaft in Berlin ist von den deutschen Behörden über den Fall Maqsood L. unterrichtet worden - sowohl über die Festnahme des 21- Jährigen Mitte Mai als auch über den deutschen Haftbefehl wegen der Terrorvorwürfe, hieß es aus dem Wiener Außenministerium. "Wir kümmern uns primär um die konsularische Rolle", sagte Außenamtssprecher Peter Launsky- Tieffenthal auf Anfrage. Man habe die nächsten Angehörigen des Mannes informiert. Aus dem Innenministerium hieß es, die Eltern von Maqsood L. hätten ihren Sohn bereits 2009 als vermisst gemeldet.
Über die Vorwürfe, die Österreich gegen den österreichischen Staatsbürger erhoben hat, gab es zunächst keine Angaben. Der Europäische Haftbefehl der österreichischen Justizbehörden könnte womöglich auch erst nach dem deutschen Haftbefehl erlassen worden sein. Eine Auslieferung von Maqsood L. wurde offenbar bisher nicht beantragt. Bei der Staatsanwaltschaft Wien war am späten Freitagnachmittag zunächst niemand zu dem Fall zu erreichen.
Die Nachrichtenagentur AFP berichtete unter Berufung auf die deutsche Bundesanwaltschaft, der mutmaßliche Terroristenhelfer sei Mitte Mai im Auftrag eines Mitglieds der "Deutschen Taliban Mujaheddin" von Budapest nach Berlin gereist, um von diesem ausgewählte potenzielle Kämpfer und Förderer anzuwerben. Dort sei er am 16. Mai, kurz vor seiner Rückreise, ursprünglich wegen eines anderen Tatvorwurfes festgenommen worden.
Die "Deutschen Taliban Mujaheddin" erscheint mitunter als Splittergruppe der bekannteren Islamischen Jihad- Union, aber die genauen Beziehungen unter den Organisationen sind unklar. Der deutsche Islamist Eric Breininger, der vor einem Jahr bei einem Gefecht getötet wurde, trat auch als Sprecher der "Deutschen Taliban Mujaheddin" auf.