Eigentlich täglich. Es geht ihr gut.
Das Gefühl habe ich nicht. Nur natürlich ist es nicht das, was sie will.
Wahrscheinlich möchte sie einfach spazieren gehen, so wie wir alle. Oder zum Friseur. Nur geht das im Moment leider nicht, weil sie weltweit gejagt wird.
Ganz normal im Radio. Ich habe mir gedacht, Gott sei Dank, sie hat es geschafft. Sie hat den richtigen Zeitpunkt für sich gefunden, um zu gehen. Wenn man religiös ist, kann man an ein Wunder glauben.
Ich bewundere Frau Kampusch dafür, dass sie das geschafft hat. Es ist wirklich beeindruckend.
Frau Kampusch hat bei der Polizei ziemlich rasch "Weißer Ring" gesagt, mit dem wir bei der Kinder- und Jugendanwaltschaft bei Gewaltdelikten und Opferschutz zusammenarbeiten. So wurde ich kontaktiert.
Sagen wir so, ich sollte diesen Abstand haben (zeigt ihn mit der Hand zwanzig Zentimeter vor dem Brustkorb an), und tatsächlich habe ich diesen (er verringert sich um die Hälfte).
Ich weiß es nicht, ich frage sie nicht danach. Schließlich bin ich nicht die Polizei. Es ist ganz wichtig, dass ich nichts von ihr will. Sondern ich bin einfach da, wenn sie etwas benötigt. Mich interessiert es aber selber, irgendwann werde ich sie fragen.
Im Moment macht sie das etwas weniger.
Interesse, Anteilnahme sind gut, die Wahrung der Privatsphäre wichtig. Fotos sollen nicht weitergegeben, Dinge, die jemand in Ausübung seines Dienstes erfährt, nicht erzählt werden. Respekt ist das Wichtigste.
Sie will das nicht. Auch nicht, dass außen dieser Eindruck entsteht. Sie sagt: "Ich bin jung, ich weiß viel, ich bin stark. Nehmt mich so an, wie ich bin!"
So ist es!
Irgendwann wird sie ihre Vergangenheit so verarbeitet haben, dass sie nur noch in die Zukunft blicken kann. Ich bin mir ganz sicher, dass sie das schafft.
Es gibt viele, die Gewalt, Missbrauch, Sadismus von Seiten der Eltern erleben müssen. Der Fall Natascha Kampusch ist einzigartig. Aber was Kinder in unserer Gesellschaft zum Teil erleiden, ist unglaublich.
Das geht über eine Therapie. Acht Jahre hat die Gefangenschaft gedauert. Es war ihr Kerker, aber auch ihr Zuhause. Es wird eine Zeit dauern, bis es nur noch Vergangenheit ist.
Die Traumatisierung kann auch ohne Missbrauch eintreten. Frau Kampusch hat acht Jahre lang Überlebensstrategien entwickeln müssen. Sie musste ständig auf der Hut sein, dass sie nicht die Kontrolle verliert. Das muss so viel Energie gekostet haben. Nur, die junge Frau hat viel Energie.
Der Wunsch nach Respekt kam von ihrer Seite.
Die Menschen haben dann das Gefühl, sie gehört quasi zur Familie. Wie eine Telenovela, bei der jeden Tag etwas Neues passiert.
Sie sagt: "Ich bin keine Außerirdische, kein Gegenstand, über den man einfach bestimmen kann."
Sie hat alle Möglichkeiten. Wenn sie aufstehen will und gehen, kann sie es machen. Wir sperren sie nicht ein, wir manipulieren sie auch nicht.
Wir zensieren nicht.
Im Prinzip schon. Der Fall und die familiäre Situation werden ausgewertet und danach die Vorgangsweise entschieden. Wenn ein Kind bei uns Beratung sucht, heißt das noch lange nicht, dass es zu einem Prozess kommt. Häufig sind die Eltern überfordert und brauchen selber Hilfe.
Sie werden sie zu sehen bekommen, und ich denke, Sie werden verblüfft sein. Sie ist eine ganz außerordentliche junge Frau.