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Nataschas Vertraute im Gespräch mit der "Krone"

 
"Ich bin jung, ich weiß viel, ich bin stark" hat Natascha Kampusch zu ihrer Betreuerin, der Jugendanwältin Monika Pinterits, gesagt. "Krone"- Reporterin Nadia Weiss hat sich mit der wohl engsten Vertrauten unterhalten - und einen Einblick in Nataschas Welt bekommen.

Frau Pinterits, Sie sind die engste Vertraute von Natascha Kampusch. Wie oft sehen Sie sie?

Eigentlich täglich. Es geht ihr gut.

Leidet sie nicht unter der Einsamkeit, so wie in den vergangenen acht Jahren?

Das Gefühl habe ich nicht. Nur natürlich ist es nicht das, was sie will.

Was sie sich erträumt hat?

Wahrscheinlich möchte sie einfach spazieren gehen, so wie wir alle. Oder zum Friseur. Nur geht das im Moment leider nicht, weil sie weltweit gejagt wird.

Wie haben Sie von Frau Kampuschs Flucht erfahren?

Ganz normal im Radio. Ich habe mir gedacht, Gott sei Dank, sie hat es geschafft. Sie hat den richtigen Zeitpunkt für sich gefunden, um zu gehen. Wenn man religiös ist, kann man an ein Wunder glauben.

Empfinden Sie diesen Fall als ein Wunder?

Ich bewundere Frau Kampusch dafür, dass sie das geschafft hat. Es ist wirklich beeindruckend.

Wann wussten Sie, dass Ihre Hilfe erwünscht ist?

Frau Kampusch hat bei der Polizei ziemlich rasch "Weißer Ring" gesagt, mit dem wir bei der Kinder- und Jugendanwaltschaft bei Gewaltdelikten und Opferschutz zusammenarbeiten. So wurde ich kontaktiert.

Und nimmt Sie der Fall persönlich mit?

Sagen wir so, ich sollte diesen Abstand haben (zeigt ihn mit der Hand zwanzig Zentimeter vor dem Brustkorb an), und tatsächlich habe ich diesen (er verringert sich um die Hälfte).

Wie ist es möglich, dass jemand acht Jahre isoliert lebt und die Organisation "Weißer Ring" kennt?

Ich weiß es nicht, ich frage sie nicht danach. Schließlich bin ich nicht die Polizei. Es ist ganz wichtig, dass ich nichts von ihr will. Sondern ich bin einfach da, wenn sie etwas benötigt. Mich interessiert es aber selber, irgendwann werde ich sie fragen.

Verfolgt Frau Kampusch alle Medienberichte?

Im Moment macht sie das etwas weniger.

Wie sollte man sich ihr gegenüber verhalten? Erhofft sie Mitleid, Anteilnahme oder nur Schutz und Ruhe?

Interesse, Anteilnahme sind gut, die Wahrung der Privatsphäre wichtig. Fotos sollen nicht weitergegeben, Dinge, die jemand in Ausübung seines Dienstes erfährt, nicht erzählt werden. Respekt ist das Wichtigste.

Fühlt sich Frau Kampusch als Opfer?

Sie will das nicht. Auch nicht, dass außen dieser Eindruck entsteht. Sie sagt: "Ich bin jung, ich weiß viel, ich bin stark. Nehmt mich so an, wie ich bin!"

Also eine normale junge Frau mit einer besonderen Geschichte?

So ist es!

Die seelisch intakt ist?

Irgendwann wird sie ihre Vergangenheit so verarbeitet haben, dass sie nur noch in die Zukunft blicken kann. Ich bin mir ganz sicher, dass sie das schafft.

Sind bereits Kinder und Jugendliche mit vergleichbaren seelischen Narben zu Ihnen gekommen?

Es gibt viele, die Gewalt, Missbrauch, Sadismus von Seiten der Eltern erleben müssen. Der Fall Natascha Kampusch ist einzigartig. Aber was Kinder in unserer Gesellschaft zum Teil erleiden, ist unglaublich.

Man kann ja auch jemanden gern haben, obwohl er einem viel angetan hat. Wie soll Frau Kampusch mit ihren widersprüchlichen Gefühlen umgehen?

Das geht über eine Therapie. Acht Jahre hat die Gefangenschaft gedauert. Es war ihr Kerker, aber auch ihr Zuhause. Es wird eine Zeit dauern, bis es nur noch Vergangenheit ist.

Bei Natascha Kampusch wurde sofort über sexuellen Missbrauch spekuliert. Wie wesentlich ist dieses Delikt für die Traumatisierung?

Die Traumatisierung kann auch ohne Missbrauch eintreten. Frau Kampusch hat acht Jahre lang Überlebensstrategien entwickeln müssen. Sie musste ständig auf der Hut sein, dass sie nicht die Kontrolle verliert. Das muss so viel Energie gekostet haben. Nur, die junge Frau hat viel Energie.

Woher kam eigentlich der Wunsch, als "Frau Kampusch" angeredet zu werden?

Der Wunsch nach Respekt kam von ihrer Seite.

Empfindet sie "Natascha" als respektlos?

Die Menschen haben dann das Gefühl, sie gehört quasi zur Familie. Wie eine Telenovela, bei der jeden Tag etwas Neues passiert.

Wie möchte sie denn wahrgenommen werden?

Sie sagt: "Ich bin keine Außerirdische, kein Gegenstand, über den man einfach bestimmen kann."

Könnte sie, wenn sie es möchte, einfach ein paar Wochen im Ausland verbringen?

Sie hat alle Möglichkeiten. Wenn sie aufstehen will und gehen, kann sie es machen. Wir sperren sie nicht ein, wir manipulieren sie auch nicht.

Bekommt sie alle Briefe, die an sie gerichtet sind?

Wir zensieren nicht.

Steht eigentlich jedem Kind oder Jugendlichen ein derart umfassender Opferschutz zu?

Im Prinzip schon. Der Fall und die familiäre Situation werden ausgewertet und danach die Vorgangsweise entschieden. Wenn ein Kind bei uns Beratung sucht, heißt das noch lange nicht, dass es zu einem Prozess kommt. Häufig sind die Eltern überfordert und brauchen selber Hilfe.

Stimmt es, dass Frau Kampusch die Kraft zu ihrer Flucht durch den Wunsch nach einer eigenen Familie gefunden hat?

Sie werden sie zu sehen bekommen, und ich denke, Sie werden verblüfft sein. Sie ist eine ganz außerordentliche junge Frau.

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