Es ist Montagmittag, als der 14- jährige Sohn des Ex- "Bauer sucht Frau"- Stars die grausame Entdeckung machen muss. Auf dem Küchenboden des Bauernhauses in Göstling an der Ybbs liegt Cornelia L. (45), die deutsche Geliebte seines Vaters, in einer Blutlache, tot. Ob Kopf, Rumpf, Arme oder Beine – ihr Körper ist übersät mit Stichwunden.
Starr vor Schreck läuft der Schüler ins Freie, schreit sich die Seele aus dem Leib. Er bricht beinahe zusammen, doch mit letzter Kraft schafft er es, die Rettung zu alarmieren. Aber – es ist zu spät.
Zehn Minuten später befindet sich auf dem "Schober- Hof" das größte Polizeiaufgebot, das die beschauliche Gegend in den niederösterreichischen Alpen je erlebt hat. Grund: Die Ermittler gehen davon aus, dass der Landwirt selbst, Alfred Tippelreiter, diese schreckliche Tat verübt hat – und sich noch irgendwo auf dem Anwesen versteckt hält. Während die Elite- Einheit Cobra Raum um Raum des Gebäudekomplexes untersucht (in Schutzausrüstung und schwer bewaffnet), versuchen Dutzende Beamte, die Schaulustigen und Dorfbewohner hinter die Sicherheitssperren zu drängen.
Was sie zu diesem Zeitpunkt nicht wissen können: Der Täter, ein dreifacher Vater, ist bereits tot. Er liegt in einer Scheune, hat sich die Pulsadern aufgeschnitten. Am späten Abend finden die Ermittler laut Alfred Schüller vom Landeskriminalamt einen Abschiedsbrief des Täters. Das Schreiben steckt in der Hosentasche des Landwirts. Über den Inhalt gibt es - unter Hinweis auf den Schutz der Privatsphäre der Angehörigen, insbesondere der hinterbliebenen Kinder – keine Informationen.
Da die Sachlage aus den Zeilen aber klar hervorgehe, habe die Staatsanwaltschaft St. Pölten auf eine Obduktion der Leichen verzichtet, so Schüller. Die Tatortgruppe müsse nur noch die Spuren aufarbeiten und für den Abschlussbericht dokumentieren. Der 14- jährige Sohn, der die tote Lebensgefährtin entdeckt und Alarm geschlagen hatte, sei mit seinem Bruder bei Verwandten gut aufgehoben. Der Jugendliche werde auch weiterhin vom Kriseninterventionsteam betreut.
Bei den Bewohnern von Göstling an der Ybbs, einer 2.000- Seelen- Gemeinde am Fuße des Hochkar und Heimat von Skistar Katrin Zettel, herrscht Entsetzen über die Bluttat. "Mein Gott, so was, unser Fredl", sagte eine Nachbarin zur "Krone". Er sei so ein hilfsbereiter und lieber Mensch gewesen, "und jetzt das". "Was für ein Schock", sagt auch Franz Heigl, Bürgermeister und ausgerechnet an diesem Unglückstag 60 Jahre alt geworden.
Und auch Rudolf B., Zug- Kommandant bei der Feuerwehr, ist am Boden zerstört: "Wennst den Fredl 'braucht hast, wer er immer zur Stelle. Da hat's nix 'geben." In seine Freundin sei er sehr verliebt gewesen, "ganz narrisch war er am Anfang nach ihr", wird hinter vorgehaltener Hand gemunkelt. Spekulieren darüber, was passiert sein könnte, will aber niemand.
2005 hatte Tippelreiter bei der Kuppelshow auf ATV mitgemacht, wo er sich keck, lebensfroh und überaus sympathisch präsentierte. "Familie, Treue, Vertrauen - bodenständige Werte sind mir überaus wichtig. Nur eine Frau, die eine ähnliche Einstellung hat, kann mein Herz erobern", sagte er damals. Einer Reporterin erzählte er, dass er viel im Internet chatte, auch ständig Single- Frauen treffe. Aber er sei kein Typ für One- Night- Stands. "Ich bin geschieden, würde es aber noch mal mit der Ehe versuchen", so Tippelreiter, der sich als Single aus der TV- Show verabschiedete. Keine Kandidatin hatte ihn begeistern können.