Die 74- Jährige war laut Obduktionsergebnis am Freitag gegen 4.00 Uhr früh gestorben, es könnte auch etwas später gewesen sein. Die Pensionistin hatte auf dem Herd eine Eierspeis mit drei Eiern zubereitet, zum Essen kam sie aber nicht mehr. Bekleidet war sie mit einem Nachthemd, ihrem Morgenmantel und - ungewöhnlich - einem Kopftuch.
Warum die Frau die Handtasche in ihr Bett gestellt hatte, kann sich niemand erklären. Es wäre möglich, dass sie ihrem Mörder - der sich vielleicht als guter Bekannter ausgegeben hatte - die Tür öffnete. Die alte Dame wurde in der Küche erschlagen, danach schnitt ihr der Täter die Kehle durch.
Auch das Motiv der Bluttat bleibt offen. Die Steirerin, die sich zuletzt von einer schweren Krankheit erholt hatte, lebte von der Mindestrente und damit in sehr bescheidenen Verhältnissen. Sie betreute Hühner, eine Kuh, ein Pferd und einen Esel. Den Esel hatte ihr der Ziehsohn, ein gebürtiger Pakistani, geschenkt. Die Fahnder wollen auch den 34- Jährigen befragen, doch der befindet sich seit 17. März mit Frau und Kleinkind in seinem Heimatland.
Das Verhältnis zwischen dem Adoptivsohn und den drei leiblichen Kindern der Pensionistin ist mehr als angespannt. Die Frau hatte den Pakistani im Jahr 2000 adoptiert und ihm vier Jahre später die gesamte Liegenschaft (Haus und sechs Hektar Grund) unter der Bedingung überschrieben, dass sie lebenslang dort wohnen dürfte.
"Er hat unsere Mutter ausgenutzt und ihr nie geholfen!", klagt eine Tochter. "Und es ist noch viel ärger gekommen. Kurz nach der Adoption habe ich im Internet nach einem Haus gesucht und dabei mein Elternhaus entdeckt. Er hat's einfach ins Web gestellt." Die 44- Jährige bat die Behörden um Hilfe: "Vergebens. Alle meine Anträge wurden abgewiesen."
von Manfred Niederl ("Steirerkrone") und steirerkrone.at