Auch AUA betroffen

Lufthansa setzt bei Mega-Sparkurs u.a. auf Leihpersonal

Österreich
07.02.2012 19:14
Im harten Wettbewerb mit Billigfliegern und expandierenden arabischen Airlines will der AUA-Mutterkonzern Lufthansa mit massiven Einsparungen die Oberhand gewinnen. Das neue Programm "Score" umfasse alle Geschäftsfelder und Tochter-Fluggesellschaften wie Austrian Airlines oder Swiss, teilte die Lufthansa am Dienstag mit. Das Unternehmen will - u.a. auch mit dem Einsatz von Leiharbeitern - sein Ergebnis bis 2014 um mindestens 1,5 Milliarden Euro steigern.

"Die deutlich höheren Ergebnisse benötigen wir, um anstehende Investitionen in Flotte, innovative Produkte für unsere Kunden und Perspektiven für unsere Mitarbeiter finanzieren zu können", sagte Lufthansa-Chef Christoph Franz, der das Programm in Frankfurt mehr als 1.000 Führungskräften vorstellte. Konkrete Angaben dazu, wie das Ergebnis-Plus erreicht werden soll, machte Franz nicht.

Massive Steigerung der operativen Rendite 
Wie jedoch ein Konzern-Insider erklärte, soll auch durch strukturelle Veränderungen gespart werden. Demnach könne etwa der Einkauf von Flugzeug-Ersatzteilen der Töchter gebündelt werden, ohne die Eigenständigkeit der Tochter-Airlines anzutasten. Langfristig hat Franz das Ziel ausgeben, die operative Rendite der Lufthansa auf acht Prozent von derzeit zwei bis drei Prozent zu steigern.

Mit dem vorherigen Sparprogramm "Climb", das Ende 2011 auslief, hatte Deutschlands größte Fluggesellschaft die Kosten insgesamt um eine Milliarde Euro gedrückt. Unter anderem strich die Lufthansa Stellen in der Verwaltung und nahm kleine und weniger rentable Maschinen aus der Flotte.

Die neuen Sparbemühungen hatte Franz bereits vor einigen Wochen angekündigt. Der Manager, der einst die Swiss Airline sanierte, will die Lufthansa damit unabhängiger von den Konjunkturschwankungen machen und für den Konkurrenzkampf mit Discount-Fliegern wie Ryanair sowie Golf-Airlines wie Emirates rüsten. Zudem müssen jede Menge neue Flugzeuge bezahlt werden. In den nächsten sieben Jahren erwartet der Konzern Flugzeugauslieferungen mit einem Listenpreis von 17 Milliarden Euro.

Leihpersonal vorgesehen: Protest angekündigt
Die Mitarbeiter des deutschen Marktführers spüren den Druck bereits. So sollen auf Flügen nach Berlin ab Sommer Leiharbeiter als Stewards und Stewardessen eingesetzt werden. Die Gewerkschaften halten das für illegal - der Lufthansa-Plan soll mit einer Klage, die bereits beim Arbeitsgericht Frankfurt eingereicht wurde, verhindert werden.

Für die AUA schloss Unternehmenssprecher Peter Thier am Dienstag Leihpersonal an Bord der Maschinen aus - Kabinenmannschaften von anderen Firmen kostengünstiger auszuleihen und kein eigenes Personal mehr einzusetzen, sei für ihn unvorstellbar. Leiharbeiter setze man lediglich im technischen Bereich ein.

Die Lufthansa wiederum bleibt bei ihrer Position und hält den Einsatz von Leihkräften für rechtens. Die Betriebsräte des AUA-Boden- und Bordpersonals verlangen von der Konzernmutter nun in einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung am Freitag klare Worte.

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