"Von Anfang an"

Kurz will besseres Service für Neuzuwanderer

Österreich
27.02.2012 15:23
Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz will in Österreich ein besseres Service für Neuzuwanderer etablieren. Bis jetzt gebe es keine bundesweite, institutionalisierte Erst-Kontaktaufnahme, sondern lediglich regionale, unterschiedliche Angebote. Bei Integration sei jedoch "nicht nur entscheidend, dass sie geschieht, sondern auch wann", nämlich von Anfang an, stellte Kurz im Rahmen einer Tagung in Wien fest.

In Unternehmen sei eine Vorstellungsrunde für Neuzugänge selbstverständlich, man müsse sich deshalb die Frage stellen, wie der Staat Österreich mit Zuwanderern umgeht, erklärte der Staatssekretär. Auch erwarte man sich umgekehrt von neuen Mitbürgern, dass sie Kultur und Werte hierzulande akzeptieren und annehmen.

Kurz: "Integrationsbogen spannen"
"Klare Regeln, was die Zuwanderung betrifft, sind nötig. Aber wie man mit jemandem umgeht, der zuwandern darf, da gibt es noch viel Luft nach oben", ist Kurz überzeugt. "Wir wollen mittelfristig einen ordentlichen Bogen spannen", von der österreichischen Botschaft im Drittland bis hin zur gelungenen Integration, so der Staatssekretär.

Herzstück der ersten Kontaktaufnahme mit Zuwanderern soll künftig die "Rot-Weiß-Rot-Fibel" sein, deren Fertigstellung Kurz noch in diesem Jahr erwartet. Gefallen gefunden hat der Staatssekretär auch an flächendeckenden Informationszentren für Zuwanderer, sogenannten Österreich-Zentren. Wichtig sei hier, dass für alle Regionen gleiche Mindeststandards definiert werden, damit ein einheitliches Angebot gewährleistet ist, betonte Kurz.

Laut Kurz wanderten im Jahr 2010 114.000 Menschen nach Österreich zu, 80.000 bis 90.000 Zugewanderte verließen das Land. Die Netto-Zuwanderung belief sich somit auf knapp 28.000 Personen.

Grüne wollen bundesweites Begleitprogramm
Begrüßt wurden Kurz' Pläne von Grünen und Wirtschaftskammer Österreich. Grünen-Integrationssprecherin Alev Korun drängte auf die Umsetzung eines bundesweiten Begleitprogramms. Korun verwies hier auf das Wiener Projekt "Start-Wien", das auf eine "bundesweite Umsetzung wartet". An dieser 2008 gestarteten freiwilligen Integrationsmaßnahme nehmen in der Bundeshauptstadt 90 Prozent aller Neuzuwander teil, wie die Wiener Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger erklärte.

Im Rahmen des Projekts bekommen Neuzuwanderer zunächst ein Startcoaching, bei dem sie auch den "Wiener Bildungspass" mit drei Sprachgutscheinen im Wert von insgesamt 300 Euro erhalten. Als drittes Element bietet das Programm die Möglichkeit, muttersprachliche Informationsveranstaltungen zu zahlreichen Themen, wie etwa Arbeitsmarkt, Schulsystem und Wohnen, zu besuchen.

WKÖ: "Attraktive Rahmenbedingungen notwendig"
Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit in der Wirtschafskammer Österreich, meinte in einer Reaktion auf Kurz' Pläne zudem, dass attraktive Rahmenbedingungen notwendig seien, um hoch qualifizierte Zuwanderer ins Land zu holen. Es gelte daher, eine Willkommenskultur für "High Potentials" zu etablieren, so Gleitsmann.

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