Wien-Wahl 2010

Körpersprache: Wie Häupl, Strache und Co. wirklich ticken

Österreich
22.09.2010 17:47
Seinem Röntgenblick entgeht nichts - mögen die Polit-Granden von ihren PR-Maschinerien auch noch so weichgespült sein. Kurz vor der Landtagswahl in Wien hat krone.at Körpersprache-Koryphäe Stefan Verra gebeten, die Spitzenkandidaten von SPÖ, ÖVP, FPÖ und den Grünen hinsichtlich ihrer Gestik und Mimik unter die Lupe zu nehmen. Der Experte erklärt, warum Michael Häupl Sicherheit, Christine Marek Sympathie, H.-C. Strache Angriffslust und Maria Vassilakou Tatendrang vermittelt.

"Der erste Eindruck zählt", sagt Stefan Verra. Gerade in Wahlkämpfen sei von besonderer Bedeutung, wie Politiker etwas sagen, sei doch der visuelle Anschein der stärkste. "Danach entscheiden sich die Wähler letztlich für oder gegen einen Kandidaten." Verra weiß, wovon er spricht, firmiert der studierte Musiker doch seit Jahren als führender Körpersprache-Experte im deutschsprachigen Raum. In dieser Funktion doziert er an der Steinbeis-Universität in Berlin.

krone.at konfrontierte Verra mit je fünf Bildern von Michael Häupl (SPÖ), Christine Marek (ÖVP), Heinz-Christian Strache (FPÖ) und Maria Vassilakou (Grüne) und bat, die Körpersprache auf den jeweiligen Fotos zu zerpflücken. Die konkreten Analysen Verras zu jedem Foto gibt's als Diashow in der Infobox.

Häupl, der Ruhepol
"Michael Häupl symbolisiert durch seine ruhige Körpersprache viel Sicherheit", so Verras Fazit zum SPÖ-Spitzenkandidaten, der als "Titelverteidiger" ins Rennen um das Bürgermeister-Amt in Wien geht. Augenzwinkernder Nachsatz: "Sein Körperbau ist dabei schon hilfreich." Dynamik, zum Teil Aggression sei bei Häupl kaum zu erkennen. "Typisch für ihn ist seine Gelassenheit, die er mit nach hinten geneigtem Oberkörper symbolisiert."

Marek, die Sympathische
Spontan "verliebt" hat sich Stefan Verra bei der Vorführung von Fotos der ÖVP-Spitzenkandidatin Christine Marek in deren ehrliches Lächeln. "Sie zeigt beim Lächeln meist die Zähne. Das wirkt auf Menschen viel offener und gewinnender als ein Lächeln mit verschlossenem Mund." So wirke Marek sehr sympathisch. Skurril: Mit den umstrittenen Plakaten der ÖVP, in der ausgerechnet SPÖ-Kapazunder Häupl zu sehen ist, dürfte die Volkspartei dem Bürgermeister einen Freundschaftsdienst erwiesen haben. "Häupl wird darauf sehr dynamisch inszeniert und kommt recht gut rüber."

Strache, der Angriffslustige
Im FPÖ-Wahlkampf ist Spitzenkandidat Heinz-Christian Strache oft mit in die Höhe gestreckten Armen zu sehen. "Hohe Hände wollen einen Menschen immer größer machen. So will Strache Dominanz symbolisieren. Das ist ähnlich wie bei einem Fußball-Spiel: Die siegreiche Mannschaft reißt die Arme in die Höhe, um ihre Überlegenheit zu zeigen", analysiert Verra. Gestreckte Zeigefinger, die Strache immer wieder einsetzt, zeugen von einem hohen Maß an Aggressivität. "Strache ist der Herausforderer und deswegen sehr angriffslustig", so Verra. Apropos: Weil unsere Lieblingsnachbarn aus Deutschland "Weltmeister darin sind, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen", würden sie oft unsympathisch wirken.

Vassilakou, die Umtriebige
Etwas unglücklich inszenierten die Organisatoren den Wahlkampf-Auftakt der Grünen. "Maria Vassilakou scheint hier einiges zu groß zu sein", analysiert Verra ein Foto, das die grüne Spitzenkandidatin vor einer Wand mit Riesen-Lettern zeigt. Außerdem wird ihr Körper zu einem Gutteil vom Pult und einem großen Mikrofon verdeckt. Für Vassilakou spreche die Eindringlichkeit, mit der sie bei Wortspenden gestikuliere: "Sie will ihren Zuhörern offensichtlich wirklich etwas verdeutlichen. Dafür nützt sie viel Energie. Sie scheint vor Tatendrang zu strotzen."

von Michael Fally

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