Denn Punkte wie "Regierung angeloben", "Gesetzgebungsprozess überwachen" und "auf die Einhaltung der Verfassung schauen" waren wegen mangelnden Interesses schnell abgehakt. Vielmehr interessierte die Kinder, warum der Bundespräsident keine Krone trägt ("Wie soll man ihn denn dann erkennen?") - und eben was für ein Handy er hat. Letztere Frage brachte Fischer ein wenig ins Straucheln - doch gemeinsam mit den Kindern konnte er sich immerhin auf "Blackberry" festlegen.
Daraufhin erfuhren die Kinder, dass Fischer in ihrem Alter lieber Lokomotivführer als Bundespräsident werden wollte, dass sein Lieblingsfach Turnen war und er in einer Limousine fährt. Danach kamen auch die Schwierigkeiten des Präsidentenalltags zur Sprache. Nerven die vielen Fotografen nicht? "Es geht", sagte Fischer, viel schlimmer seien die japanischen Touristengruppen, die immer gleich zu fünfzigst über ihn herfielen. Gelächter bei den Kindern. Wie er eigentlich Bundespräsident geworden sei? "Ich hab' mich beworben", erklärte Fischer, "und dann wurde ich gewählt." So einfach kann Politik sein.
Es herrschte eine ausgelassene Stimmung, bereitwillig ging der Bundespräsident auch auf Zwischenrufer ein, wenn das Fragesystem per Zettel mal nicht so gut funktionierte. Dann stellte er Gegenfragen - per farbigem Zettel wurde über Musik, Sport und Politik abgestimmt, ganz wie im Parlament. In der dritten Reihe wusste sogar jemand, wie der österreichische Außenminister heißt. Erst beim chinesischen Präsidenten kapitulierten die Kinder.
Nach einer Stunde, vielen Autogrammen und Fotos - "Hierher, Herr Bundespräsident, hierher!" - war Fischer sichtlich zufrieden mit dem regen Interesse. Aber war die Vorlesung auch überzeugend, wäre Bundespräsident sein ein guter Job? "Lieber würde ich was mit Kindern machen", meint Anna. Und Lukas weiß ohnehin schon, dass er Wissenschaftler werden will. Abdullah hingegen kann sich mit dem Gedanken anfreuen: "Lustig war er. Bundespräsident - warum nicht?"
Etwa 4.500 Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren besuchen dieses Jahr die zehnte Auflage der Kinderuni Wien . 500 Veranstaltungen stehen zur Auswahl, jedes Kind kann dabei acht Vorlesungen oder Seminare und zwei Workshops besuchen. Die Kinderuni läuft noch bis 21. Juli, wobei vor Ort die Möglichkeit besteht, sich noch für Restplätze anzumelden.