Frau Ministerin, Österreich rätselt über Ihre politische Zukunft. Wie stehen die Chancen, dass Sie der Republik als Justizministerin erhalten bleiben?
Das steht in den Sternen. Eigentlich hatte ich mich damit abgefunden, dass ich aus der Politik ausscheide. Ich wäre auch nicht für das BZÖ in den Nationalrat eingezogen.
Dem Bundeskanzler würden Sie aber nicht absagen?
Ich stehe natürlich als Justizministerin zur Verfügung. Keine Aufgabe zuvor hat mich so sehr ausgefüllt.
Auch nicht die Mutterrolle?
Für mich persönlich wäre es nicht vorstellbar, nur Hausfrau zu sein und keinen Beruf auszuüben. Obwohl ich mir schon einen weniger zeitintensiven Job vorstellen könnte.
Zurück nach Kärnten?
Nein, nach Kärnten kann ich nicht mehr! Ich fühle mich jetzt in Wien zuhause. Der Consulting-Bereich ist interessant.
Fühlen Sie sich als Parteilose befreit oder alleine?
Einerseits bin ich erleichtert, weil mich die Entscheidungsfindung sehr belastet hat. Andererseits empfinde ich dem BZÖ gegenüber große Dankbarkeit. Ohne Jörg Haider würden wir zwei heute nicht hier sitzen.
Jetzt haben Sie ihm den Laufpass gegeben.
Wie man hört per E-Mail?
So ist es nicht, es gab durchaus Vorgespräche. Man kann das Ganze mit dem Ende einer Ehe vergleichen. Bis zum Schluss hofft man, dass es doch noch geht. Ich bin ja schon einmal geschieden. Gott sei Dank, sonst hätte ich jetzt nicht meinen Mann und meinen Sohn.
Suchen Sie das Gespräch mit Jörg Haider?
Sicherlich, das gehört dazu, wenn man eine Beziehung beendet. Mit Ursula Haubner habe ich am selben Tag telefoniert. Das ist schon schwierig für mich, dass ich Menschen, die ich wirklich gern habe, so schwer enttäuscht habe.
Schuldgefühle?
Nein, mit Peter Westenthalers ausländerfeindlichem Programm kann ich einfach nicht mit. Ich muss mir ins Gesicht schauen können. Und vor allem muss ich meinem Buben irgendwann erklären können, welcher Partei ich angehört habe. Achtung und Respekt vor Menschen sind für mich Grundwerte. Peter Westenthaler hat vor knapp vier Monaten angekündigt, 300.000 Ausländer abschieben zu wollen.
Warum haben Sie bis fünf Tage vor der Wahl
mit dem Austritt gewartet?
Wie gesagt, man hofft immer, dass sich noch etwas zum Besseren ändert.Außerdem habe ich mich bereits damals klar gegen seine Aussagen gestellt. Ich habe festgehalten, dass ich für diese Art von Wahlkampf nicht zur Verfügung stehe. Und mit der Geburt meines Sohnes war ich im Sommer ja auch etwas beschäftigt...
Zu beschäftigt für eine Auseinandersetzung
mit Peter Westenthaler?
Durch die Geburt meines Sohnes haben sich eher meine Wertevorstellungen verschärft. Diese passen nicht mit Westenthalers Programm zusammen. Dann kam dazu, dass ich in meiner Position keinen Mutterschutz, keine Karenz habe. Und irgendwann wollte ich nicht die Zeit, die ich nicht mit meinen Kind verbringen kann, für Dinge einsetzen, hinter denen ich nicht stehe. An diesem Spagat bin ich zerbrochen.
Warum konnten Sie sich nicht mit Ihren
Vorstellungen im BZÖ durchsetzen?
Ich bin keine Populistin. Meine Ansätze sind sehr sachlich orientiert, ja fast schon langweilig. Das hat auch gar nicht in das BZÖ hineingepasst.
Und das ist Ihnen erst im Sommer aufgefallen?
Wie das BZÖ gegründet wurde, war es nicht so rechtslastig wie heute. Bis zum letzten Obmann-Wechsel waren wir nie ausländerfeindlich. Hören Sie nun, ich sage immer noch „wir“... Und man kann zu Jörg Haider stehen, wie man will, in Kärnten hat er sehr viel weitergebracht.
Wieso haben Sie beim Ortstafelstreit geschwiegen?
Das ist ein Kärntner Problem. Hier vertrete ich sicher einen anderen Standpunkt als der Kärntner Landeshauptmann. Es war sehr schwierig für mich. Jörg Haider hat Sie bei Ihrem Amtsantritt als "Boxenluder" bezeichnet.
Hat das in Ihnen gegärt?
Diese Bemerkung war sicher entbehrlich. Aber wir haben uns ausgesprochen.
Hatten Sie damals das Gefühl, von ihm
nicht ernst genommen zu werden?
Am Anfang sicher. Wer hat mich damals schon ernst genommen? Keiner hat geglaubt, dass ich mich länger als 14 Tage im Amt halten kann.
Nun haben Sie es allen gezeigt...?
Das war nicht mein Ziel. Aber natürlich freue ich mich, wenn meine Tätigkeit Anerkennung findet. Für mich ist es wichtig, Lösungen zu finden. Wichtiger als auf Parteiinteressen Rücksicht zu nehmen.
Für wen machen Sie am Sonntag Ihr Kreuzerl?
Uih, das ist in dieser Situation eine schwierige Frage.
Wohl nicht für die FPÖ?
Und auch nicht für den Hans-Peter Martin. Mehr möchte ich jetzt aber nicht mehr ausschließen!
Na, vielleicht die KPÖ?
Der (Spitzenkandidat Mirko) Messner ist ja ein netter Kerl!
Sie als Spitzenpolitikerin haben Schwierigkeiten mit dem Parteien-Denken. Was sollen die Wähler denken?
Natürlich muss man sich irgendwann fragen, wo man hingehört. Diese Entscheidung ist für mich genau so schwierig.
Sehen Sie sich als Spitzenbeamtin oder Politikerin?
Vor zwei Jahren hätte ich gesagt Beamtin, mittlerweile sehe ich mich als Politikerin und bin mir auch meiner Verantwortung bewusst.
Finanzminister Karl-Heinz Grasser hat Ihren Austritt
scharf kritisiert. Ihre Antwort?
Er soll sein Leben leben, ich lebe meines.
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