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Käse-Skandal: Ein Ex-Mitarbeiter packt aus

11.03.2010, 09:45
Käse-Skandal: Ein Ex-Mitarbeiter packt aus (Bild: Sepp Pail)
Foto: Sepp Pail
Mittlerweile werden acht Todesfälle in Zusammenhang mit listerienvereuchtem Quargel aus der Steiermark gebracht, 21 Menschen sind erkrankt. Die Hartberger Erzeugerfirma Prolactal will die Ursache gefunden haben: Man habe fälschlicherweise Schutzkulturen ausgetauscht, Käfer sollen die Listerien übertragen haben. "Alles Ausreden", behauptet jetzt ein Ex- Mitarbeiter gegenüber der "Krone". Vielmehr seien die hygienischen Zustände vor Ort katastrophal.

"Ich weiß wirklich, wie es bei Prolactal zugeht", sagt ein mittlerweile gekündigter Mitarbeiter, der im Labor als Angestellter arbeitete. Wo genau, will der Steirer im Gespräch mit der "Krone" (Bild) nicht verraten, da ihm saftige Geldbußen angedroht wurden.

"Seit Jahren abgelaufene Zutaten"

Nach einem zweiwöchigen Einführungs- "Crashkurs" war unser Insider für den Laborbetrieb als "tauglich" qualifiziert worden und durfte danach mit Lebensmittelzutaten hantieren und experimentieren.

Dabei sei ihm Haarsträubendes untergekommen: Enzyme, die für die Backmittelherstellung verwendet wurden, seien teils seit Jahren abgelaufen gewesen - und in kleinen Mengen trotzdem in die Backwaren gemischt worden. "Wissentlich", behauptet der Arbeiter. Nachdem er dies der Firmenleitung mitgeteilt hatte, habe man zwei Tonnen abgelaufener Enzyme als "Giftmüll" entsorgt.

"Massive gesundheitliche Probleme"

"Als ich dort zu arbeiten begonnen habe, war ich kerngesund", erzählt der Insider. "Nach einigen Wochen habe ich dann aber massive gesundheitliche Probleme bekommen." Ausschläge, Durchfall, Kehlkopfentzündung, Kopfschmerzen. "Ganz plötzlich, ohne ersichtlichen Grund." Sein Verdacht: Giftige Materialien hätten seinen Körper ruiniert. Der Mann ging in den Krankenstand, zuvor dokumentierte er die angeblichen Missstände aber fotografisch.

Seit mehreren Monaten pendelt der Ex- Werksarbeiter nunmehr von einem Arzt zum nächsten, mittlerweile wurde ihm von Prolactal gekündigt. "Mir geht's nicht ums Geld, ich will auch nicht mehr zurück in das Unternehmen, mir ist nur wichtig, dass ich wieder gesund werde!" Dass Käfer für die Todesfälle verantwortlich sein sollen, glaubt er nicht: "Vielmehr sind es die katastrophalen hygienischen Zustände vor Ort!"

Bei der steirischen Arbeiterkammer hat man über den Fall bereits einen dicken Akt angelegt. Dr. Wolfgang Nagelschmied, der Leiter der Abteilung Arbeitsrecht, ist entsetzt: "Diese Firma hat offenbar billigend in Kauf genommen, dass Mitarbeiter mit abgelaufenen Chemikalien in Kontakt kommen und dadurch auch erkranken. Wir prüfen jetzt rechtliche Schritte, die bis zur Zahlung von Schmerzensgeld reichen."

Prolactal: "Bösartige Unterstellungen"

Die "Steirerkrone" konfrontierte Prolactal am Mittwoch mit den Vorwürfen, die ihr Sprecher Harald Schiffl allerdings "auf das Schärfste" zurückwies: "Diese Anschuldigungen entbehren jeglicher Grundlage! Unser Unternehmen hat niemals mit gesundheitsschädlichen Chemikalien gearbeitet beziehungsweise sie in Umlauf gebracht. Das sind bösartige Unterstellungen!"

von Gerald Schwaiger, Gerhard Felbinger ("Steirerkrone") und krone.at

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