Optimismus boomt

Jahreswechsel: Die “Raunzer” sind in der Minderheit

Österreich
30.12.2009 21:40
Dem weit verbreiteten Image des "Raunzers" werden die Österreicher am bevorstehenden Jahreswechsel ganz und gar nicht gerecht: Jeder zweite Österreicher ist für 2010 optimistisch, geht aus der "Silvesterumfrage" des Meinungsforschungsinstituts IMAS hervor. Damit ist die Stimmung weitaus besser als vor einem Jahr.

Von den insgesamt 1.103 repräsentativ für die Gesamtbevölkerung ab 16 befragten Personen gaben runde 50 Prozent an, sie würden den kommenden zwölf Monaten "mit Zuversicht" entgegenblicken. Nur 45 Prozent sind skeptisch oder besorgt. 

Diese Erwartungshaltung unterscheidet sich grundlegend von der düsteren Stimmungslage vor einem Jahr. Damals waren die Pessimisten mit 59 Prozent Anteil in der Mehrheit, die Optimisten brachten es nur auf 34 Prozent. Auch über einen längeren Zeitpunkt hinweg betrachtet - IMAS stellt die Silvesterfrage bereits seit 1972 - entsprechen die nunmehrigen Daten einem recht entspannten, furchtarmen Meinungsklima.

Nach Bevölkerungsschichten betrachtet, stellen nur die ungelernten Arbeiter eine Ausnahme dar. Bei ihnen überwiegt der Pessimismus den Optimismus mit 54 zu 37 Prozent. Auch ältere und wenig gebildete Personen sind vergleichsweise bedrückt. Facharbeiter gehen hingegen schon sehr unbesorgt ins kommenden Jahr.

Zuversicht ist nicht von Analysten eingeredet
IMAS widerspricht der Vermutung, das gegenwärtige Stimmungsklima könnte bloß eine Reaktion der Bevölkerung auf die Aussagen der Wirtschaftsforscher sein, die ja zuletzt von einem Aufwärtstrend berichteten. Denn die Meinungsforscher stellten bei Zwischenmessungen während des heurigen Jahres bereits im späteren Frühjahr eine Zunahme der Zuversicht fest, die sich dann über den Sommer und Herbst kontinuierlich fortgesetzt habe. Parallel dazu hätten Skepsis und Sorge abgenommen, obwohl die Wirtschaftsexperten noch gegenläufige Aussagen gemacht hätten.

Laut einer ähnlichen Umfrage des GfK-Insituts rechnen 36 Prozent der Österreicher mit einer Verbesserung der wirtschaftlichen Situation im kommenden Jahr, 35 Prozent erwarten ein Gleichbleiben und nur 28 Prozent gehen davon aus, dass sich die Wirtschaftslage noch weiter verschlechtern wird. Der Anteil der Optimisten hat sich seit dem April von 18 Prozent ausgehend mehr als verdoppelt. 

Bittere Pille Arbeitslosigkeit: 75% befürchten Anstieg
Mit einem Ende der Wirtschaftskrise innerhalb der kommenden zwölf Monate rechnen laut GfK 38 Prozent der Befragten. Ein knappes Viertel vermutet eine Dauer von bis zu eineinhalb Jahren und ein Drittel meint, die Krise werde noch länger anhalten. Die Maßnahmen der Regierung zur Krisenbewältigung halten sechs von zehn Befragten für richtig, 37 Prozent dagegen für falsch. 

Dass optimistisch nicht mit "naiv" gleichzusetzen ist, beweist die Einschätzung der Österreicher zum Thema Arbeitslosigkeit: Fast 75 Prozent befürchten 2010 einen weiteren Anstieg.

Bei Unternehmern bessert sich die Stimmung langsam
Die österreichischen Unternehmer blicken indes auf das schlimmste Jahr seit langem zurück, erwarten für die nächsten 12 Monate aber ebenfalls deutliche Verbesserungen. Künftiges Wirtschaftsklima, Umsatzerlöse und Auftragslage werden von den Betrieben deutlich besser beurteilt als vor einem halben Jahr, die Zukunftserwartungen sind in Summe aber noch immer niedriger als unmittelbar nach dem Ausbruch der Wirtschaftskrise vor gut einem Jahr.

In praktisch allen Einzelfragen des sogenannten Wirtschaftsbarometers zum Jahresende zeigen sich die befragten 1.500 Unternehmer optimistischer als zuletzt. Nur bei den Investitionen wird pro futuro eine weitere Verschlechterung erwartet (minus drei), bei der künftigen Beschäftigungsentwicklung erwartet man praktisch keine Veränderung zu den vergangenen 12 Monaten (plus eins). "Die Unternehmen sind für 2010 deutlich zuversichtlicher, und das ist uneingeschränkt positiv", meint Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl. "Das heißt aber leider noch nicht, dass wir über dem Berg sind - das heißt nur, dass wir wahrscheinlich die Talsohle durchschritten haben."

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