Frau Schratter, stimmt es, dass der kleine Pandabär in zwei Jahren nach China auswandern muss?
Grundsätzlich ist es so, dass die Mutter eine Leihgabe ist und der Nachwuchs nach zwei Jahren nach China überstellt wird. Das ist aber auch der Zeitpunkt, an dem die Aussiedlung in die freie Wildbahn erfolgt.
Es geschieht also alles zum Wohle des kleinen Pandabären?
Selbstverständlich.
Haben Sie ihn bereits gesehen?
Nur durch die Videoaufnahmen, so wie jeder andere außer den zwei Pflegerinnen auch. Allerdings kann ich von meinem Computer direkt die Aufnahmen sehen, was ich während meiner Arbeit immer wieder voller Freude mache.
Empfindet man als Zoologe die gleiche Rührung einem Tierbaby gegenüber wie der Laie?
Natürlich ist man nicht gegen das Kindchen- Schema gefeit. Das ist unsere Biologie, und darauf reagieren wir alle.
Ist der Rummel um ein Tier für den Zoo ein Glück, oder überwiegt die Belastung?
Es ist auch Belastung, keine Frage. Aber auf der anderen Seite ein weitaus größeres Glück. Wir sehen solche Tiere als unsere Botschafter. In Schönbrunn haben wir zurzeit einen Babyboom. Es gibt nicht nur den kleinen Panda, sondern auch eine junge Giraffe oder das Ameisenbärenbaby, das besonders süß und eines meiner Lieblingstiere ist. Im Afrika- Teil gibt es einen richtigen kleinen Kindergarten bei den Flamingos.
Der Pandabär ist dennoch die größte Attraktion.
Ganz klar. Auch vom zoologischen Standpunkt war seine Geburt etwas ganz Besonderes.
Wie entsteht ein Babyboom im Zoo? Wirklich reiner Zufall?
Reiner Zufall. Die Geburten im Tiergarten passieren über das Jahr verteilt. Dass wir jetzt so viele für den Besucher attraktive Jungtiere gleichzeitig haben, kann man nicht planen.
Es gibt also keine Tricks oder Maßnahmen, mit denen man Tiere im Gehege zur Paarung anregt?
Die Haltung muss stimmen und die Paare harmonieren. Flamingos brauchen zum Beispiel eine gewisse Gruppengröße, damit sie überhaupt zur Paarung stimuliert werden. Manche tropischen Tiere kommen aber auch erst in Brutstimmung, wenn es zu regnen anfängt und sie im Gatsch Kegel bauen können.
Keine Hormone oder andere Kunstgriffe?
Nein, nein! Nur das normale Futter.
Ganz Österreich wartet auf ein Eisbärenbaby. Ist die Eisbärendame bereits schwanger?
Wir werden es erst im November wissen. Das Jungtier würde dann ab Jänner, Februar zu sehen sein.
Könnten wir uns auf einen ähnlichen Ansturm wie auf Knut in Berlin gefasst machen?
Das denke ich nicht. Wir hatten bei uns bereits Eisbärenbabys. Das Besondere an Knut war, dass ihn seine Mutter verstoßen hatte und er so von Menschen gefüttert und aufgezogen wurde.
Bemerkt ein Tier das Interesse an ihm und später den Verlust, weil es zum Beispiel groß und nicht mehr schnuckelig ist?
Nein, die Besucher müssen ihren Abstand einhalten, um dem Tier sein eigenes Revier zu lassen. Wir vertreten außerdem die Ansicht, dass sich ein Tier immer zurückziehen können muss.
Von Nadia Weiss, Kronen Zeitung