Der Betreiber des Cafes ist kein aufdringlicher Mensch. Wenn jemand nicht über den Fall F. reden will, dann ist das für ihn in Ordnung. Doch wer schafft das schon? "Haben Sie auch gehört, dass der möglicherweise in sechs Jahren wieder freigeht?", "Was passiert jetzt mit dem Haus?" und "Glauben Sie, dass er sich aufhängt oder seine Memoiren schreibt?". Fragen über Fragen fliegen durch den Raum, Schultern zucken abwechselnd, Zigaretten werden gedankenverloren auf halber Länge ausgedämpft.
Was auch sehr komisch sei, so jetzt im Nachhinein gesehen, grübelt er, warum die anderen Hausbewohner so plötzlich ausgezogen sind. Oder ausziehen mussten, wie es bei einem Nachbarn von F. der Fall gewesen sei. Wahrscheinlich, vermutet der Kaffeehaus- Betreiber, werden sich bald ausländische Medienkonzerne das Haus unter den Nagel reißen, die Sachen mit dem Verlies ausschlachten und dann die Immobilie schnell wieder abstoßen.
Eine Gruppe TV- Journalisten erhebt sich seufzend von ihren Sitzen. "Na ja, pack' mas." Noch eine Runde ums Haus, noch einmal dieselben Bilder von der Rückseite aus hässlichem Waschbeton, von der Garageneinfahrt, vielleicht ja sogar ein Interview. Obwohl die Amstettner "die Schnauze schon voll haben" von der Fragerei, wie die Kellnerin meint. "In fünf Tagen ist endlich alles vorbei."
Ein einsamer Übertragungswagen einer slowenischen TV- Station langweilt sich. Der befürchtete zweite Medienansturm auf Amstetten ist bis jetzt einigermaßen ausgeblieben. Dabei hat der Kaffehaus- Betreiber am Sonntag wieder einige Interviews geben müssen. Dabei ist "müssen" so ein starkes Wort. Wirklich stören tut es ihn ja mittlerweile nicht mehr, wenn Kameras und Mikrofone auf ihn gerichtet sind. Aber jetzt hofft er, dass niemand mehr kommt, keine Medienhorden, die über sein kleines Cafe herfallen. Endlich wieder Alltag, ein kleiner Brauner da, eine Melange dort, den Aschenbecher ausleeren und mit seiner Stammkundschaft über irgendwas Alltägliches reden. Nicht über F., das wäre fein.