Willkommen | Registrieren | Hilfe | Login
krone.at/Videos kronehat.at krone.at/mobil cookingstars.at

"In fünf Tagen ist endlich alles vorbei"

16.03.2009, 13:41
"In fünf Tagen ist endlich alles vorbei" (Bild: APA/MICHAEL WESSIG)
Foto: APA/MICHAEL WESSIG
Wenn sich vor dem graugrünen Allerweltshaus in Amstetten (im Bild der Angeklagte Josef F. bei einem Lokalaugenschein) wieder einmal jemand mit offenem Mund und Digitalkamera aufbaut, entlockt das einem Kaffehaus- Betreiber schon längst kein Lächeln mehr. "Schau da ist schon wieder einer", verzieht seine Kellnerin halb amüsiert, halb ermattet die Mundwinkel. Nirgendwo ist man dem Haus von Josef F. näher als in dem kleinen Eck- Cafe, nirgendwo sonst in Amstetten wurden jemals mehr internationale Medienvertreter gesehen. Jetzt, wo der Prozess in St. Pölten begonnen hat, herrscht in der Mostviertelmetropole fast schon wieder alltägliche Ruhe: Und kaum jemand will, dass sich das ändert.

Der Betreiber des Cafes ist kein aufdringlicher Mensch. Wenn jemand nicht über den Fall F. reden will, dann ist das für ihn in Ordnung. Doch wer schafft das schon? "Haben Sie auch gehört, dass der möglicherweise in sechs Jahren wieder freigeht?", "Was passiert jetzt mit dem Haus?" und "Glauben Sie, dass er sich aufhängt oder seine Memoiren schreibt?". Fragen über Fragen fliegen durch den Raum, Schultern zucken abwechselnd, Zigaretten werden gedankenverloren auf halber Länge ausgedämpft.

Zahlreiche Spekulationen in der ansässigen Bevölkerung

Was auch sehr komisch sei, so jetzt im Nachhinein gesehen, grübelt er, warum die anderen Hausbewohner so plötzlich ausgezogen sind. Oder ausziehen mussten, wie es bei einem Nachbarn von F. der Fall gewesen sei. Wahrscheinlich, vermutet der Kaffeehaus- Betreiber, werden sich bald ausländische Medienkonzerne das Haus unter den Nagel reißen, die Sachen mit dem Verlies ausschlachten und dann die Immobilie schnell wieder abstoßen.

Eine Gruppe TV- Journalisten erhebt sich seufzend von ihren Sitzen. "Na ja, pack' mas." Noch eine Runde ums Haus, noch einmal dieselben Bilder von der Rückseite aus hässlichem Waschbeton, von der Garageneinfahrt, vielleicht ja sogar ein Interview. Obwohl die Amstettner "die Schnauze schon voll haben" von der Fragerei, wie die Kellnerin meint. "In fünf Tagen ist endlich alles vorbei."

Ein einsamer Übertragungswagen einer slowenischen TV- Station langweilt sich. Der befürchtete zweite Medienansturm auf Amstetten ist bis jetzt einigermaßen ausgeblieben. Dabei hat der Kaffehaus- Betreiber am Sonntag wieder einige Interviews geben müssen. Dabei ist "müssen" so ein starkes Wort. Wirklich stören tut es ihn ja mittlerweile nicht mehr, wenn Kameras und Mikrofone auf ihn gerichtet sind. Aber jetzt hofft er, dass niemand mehr kommt, keine Medienhorden, die über sein kleines Cafe herfallen. Endlich wieder Alltag, ein kleiner Brauner da, eine Melange dort, den Aschenbecher ausleeren und mit seiner Stammkundschaft über irgendwas Alltägliches reden. Nicht über F., das wäre fein.

Lesezeichen hinzufügen:
Schließen
Lesezeichen Drucken
0
Du hast einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreibe hier dein Storyposting! Du möchtest mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht dir jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings, bitten wir dich, unsere AGB und Netiquette einzuhalten!
Kommentar schreiben
500 Zeichen frei.
Werbung
Meistgelesen
Meistkommentiert
Verkehrsmeldung
Werbung
Angaben gem ECG und MedienGesetz: Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber bzw. Diensteanbieter
Krone Multimedia GmbH & Co KG (FBN 189730s; HG Wien) Internetdienste; 1190 Wien, Muthgasse 2
Krone Multimedia © 2011 Krone.at | Impressum