Unterstützt wurde Darabos bei seiner Pressekonferenz am Donnerstag von der Arbeitsmarktexpertin Gudrun Biffl, der Autorin der Studie (links im Bild). Die Professorin erklärte auf Basis ihrer aktualisierten Wirtschaftsstudie, dass der Grundwehrdienst zu einem Verlust des Lebenseinkommens führe.
Laut diesen Berechnungen handelt es sich um 77.500 Euro. Der Verteidigungsminister sagte, dass es daher "zynisch ist zu behaupten, dass der Grundwehrdienst noch niemandem geschadet hat". Die Wissenschaftlerin sagte auch noch, dass es gut wäre, wenn junge Männer ihre Ausbildung fortsetzen oder ihren Beruf weiter ausüben könnten, statt Wehrdienst abzuleisten.
Der Grund: Sie sieht in der Unterbrechung des Bildungsweges durch den Wehrdienst einen "Nachteil für die Qualifikationsstruktur Österreichs. Durch den Wehrdienst sinkt die Motivation, sich weiterzubilden".
Abgesehen von den Auswirkungen auf die finanzielle Situation einzelner Wehrpflichtiger erleide die Volkswirtschaft ebenfalls einen wirtschaftlichen Schaden. Jedes Jahr gehen laut der Expertin 0,25 Prozent des Wirtschaftswachstums durch die Wehrpflicht verloren.
Das seien, so Biffl, umgerechnet rund 300 Millionen Euro. Die Wehrpflicht wirke zudem wie eine Naturalbesteuerung, die nur junge Männer mit niedrigem Einkommen betrifft. Ihr Schluss: "Ein Wehrdienst ist in Entwicklungsländern sinnvoll. In hoch entwickelten Ländern wie Österreich ist er mit hohen Kosten verbunden."
Scharfe Kritik übte die ÖVP an der aktualisierten Version der bereits 2001 erstellten Studie. Einige Teile aus der ursprünglichen Studie seien in der jetzt vorgestellten neuen Version seltsamerweise "verschwunden", sagte ÖVP- Wehrsprecher Oswald Klikovits. "So steht in der Erstfassung, dass eine Berufsarmee teurer ist und weniger Leistung bringt und dass mit einer höheren Arbeitslosigkeit zu rechnen ist. Diese Passagen sind aber offensichtlich der Zensur zum Opfer gefallen", so Klikovits.
Vergleiche mit anderen Ländern zeigen außerdem, dass "eine kostenneutrale Umstellung auf eine Berufsarmee bei gleichbleibender Leistung völlig unrealistisch" sei.