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Großalarm wegen Ammoniak-Austritt in Wien

21.02.2012, 21:19
Großalarm wegen Ammoniak-Austritt in Wien (Bild:  (Bild: Andi Schiel))
Der Austritt von Ammoniak aus einem Kühlhaus in der Baumgasse im Wiener Bezirk Landstraße hat am frühen Dienstagabend für einen Großalarm gesorgt. 62 Personen wurden leicht verletzt, 50 von ihnen zur Überwachung in Spitäler gebracht. Nach rund zwei Stunden Aufregung kam um 20.45 Uhr die Entwarnung: "Die Lage ist stabil, das Leck geschlossen", informierte Branddirektor Gerald Hillinger. Der Grund für den Austritt ist unklar, die Ermittlungen laufen.

Die erste Warnung war kurz nach 19 Uhr von der Feuerwehr gekommen: "Menschen klagen über Augenschmerzen und Atemnot", berichtete ein Sprecher, der zugleich den Appell an die Anrainer richtete, die Fenster geschlossen zu halten und in den Wohnungen zu bleiben.

Großaufgebot an Einsatzkräften

An Ort und Stelle spielten sich dramatische Szenen ab: Straßen wurden großräumig gesperrt, die Leute per Lautsprecher aufgefordert, sich vom Freien in geschlossene Räume zu begeben. Die Wiener Rettung rückte mit dem gesamten Katastrophenzug aus, insgesamt 80 Feuerwehrleute und Chemiker standen - teils mit Gasschutzanzügen ausgerüstet - im Einsatz.

Das daumengroße Leck wurde schließlich von Technikern der Kühlhaus- Firma in Zusammenarbeit mit Experten der Feuerwehr abgedichtet. Nicht zuletzt hätten ständige Übungen dazu geführt, dass "der Einsatz präzise wie ein Uhrwerk ablief", hieß es von den Behörden.

Hustenanfälle und Tränenfluss

"Ammoniak führt schon bei geringem Kontakt mit den Schleimhäuten zu Hustenanfällen und Tränenfluss", erklärte Dieter Sebald, interimistischer ärztlicher Leiter bei der Wiener Rettung. Besonders gefährdet sind Kleinkinder, ältere Personen oder etwa Menschen mit grippalen Infekten. "Die Konzentration verdünnt sich aber mit der Entfernung", so der Arzt.

Man könne die Symptome gut behandeln, die Helfer an Ort und Stelle hätten über ausreichende Medikamente verfügt. Die Patienten wurden mit Cortison versorgt, wie der leitende Notarzt mitteilte. Allerdings: Bei ein "paar Atemzügen zu viel" können auch - durchaus behandelbare - Spätfolgen "wie das gefürchtete toxische Lungenödem" auftreten. "Betroffene werden deshalb zur Sicherheit 24 Stunden lang im Krankenhaus unter Beobachtung gestellt", so Sebald.

Der Großteil der allesamt nicht schwer Verletzten gehörte zu den Einsatzkräften: 39 Feuerwehrleute und fünf Rettungssanitäter waren betroffen. Davon mussten 32 Florianis und vier Sanitäter ins Spital.

Außerhalb des Einsatzortes war keine Gefährdung gegeben, jedoch musste mit Geruchsbelästigung gerechnet werden. Anrainer sollten die Fenster geschlossen halten, größere Unternehmen wurden gebeten, Lüftungsanlagen auszuschalten.

Umfangreiche Straßensperren

Im Zuge der Maßnahmen war es zu umfangreichen Straßensperren gekommen, größere Staus blieben laut ÖAMTC aber aus. Die U- Bahn- Linie U3 verkehrte nur zwischen Ottakring und Kardinal- Nagl- Platz, die Straßenbahnlinie 18 wurde kurzgeführt. Taxis waren keine mehr zu bekommen. Viele Fußgänger warteten entlang der Sperrzone zunächst an den Haltestellen, machten sich dann aber zu Fuß auf den Weg.

In der "Arena" wurde das Konzert der Gruppe Eisbrecher abgesagt, das nahe Etap- Hotel auf dem Franzosengraben geräumt, die evakuierten Gäste in anderen Häusern untergebracht. Nach Ende der Vorstellung des Musicals "Cats" im Zelt auf dem Medienareal Neu Marx sorgten Einsatzkräfte für eine rasche Abreise der Besucher.

AG/red
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