Apotheker warnen

Gesundheitssystem in Griechenland vor dem Kollaps

Ausland
11.06.2012 14:57
Die Lage in den griechischen Krankenhäusern wird wegen der Finanzkrise immer dramatischer. Die größte Klinik der nördlichen Hafenstadt Thessaloniki führt etwa seit Tagen keine kardiologischen Untersuchungen und Operationen mehr durch. Auch die Apotheker-Verbände wandten sich in einem Brief an den Chef der EU-Task-Force, den deutschen Finanzexperten Horst Reichenbach, und baten dringend um Hilfe. Das Land brauche mindestens 1,5 Milliarden Euro für Medikamente und medizinisches Material.

"Meine Kollegen können keine Stent-Implantationen mehr durchführen", sagte ein Klinikarzt aus Thessaloniki am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Das Krankenhaus habe kein Geld mehr, um Stents (Gefäßstützen) zu kaufen. Die Staatsanwaltschaft in Thessaloniki ordnete eine Untersuchung an. Dabei soll festgestellt werden, inwiefern der Mangel an medizinischem Material Menschenleben gefährdet.

Auf der Insel Chios müssen die Verwandten der Patienten selbst Gips kaufen, damit die Ärzte gebrochene Arme und Beine behandeln können, berichtete die Athener Zeitung "Ta Nea". In den Städten Serres und Larisa bekommen die Patienten ständig Hühnchen zu essen, weil die Direktion kein Geld für Fisch oder Kalbfleisch hat, berichteten andere Zeitungen.

Medikamente nur noch gegen Barzahlung
Die Großhändler von Medikamenten und medizinischem Material beliefern die wichtigsten Krankenhäuser nur noch gegen Barzahlung. Auch Hunderttausende Versicherte der größten Krankenkasse EOPYY müssen ihre Medikamente bar in den Apotheken bezahlen und sich anschließend mit der Quittung an die Krankenkasse wenden.

"Es ist mehr als dringend notwendig, dass die Krankenkasse EOPYY mit 1,5 Milliarden Euro unterstützt wird. Das Gesundheitssystem bricht zusammen", warnen die Apothekerverbände des Landes nun in ihrem Appell an die 45-köpfige EU-Task-Force, welche den griechischen Staat beim Aufbau einer funktionierenden Verwaltung unterstützt.

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