2010 wurden 31,4 Milliarden Euro in Österreichs Gesundheitssystem gesteckt. Wie es im Vergleich dazu um die Behandlungsqualität steht, sollte eine Studie im Auftrag der Wirtschaftskammer und des Forums der Forschenden Pharmazeutischen Industrie (FOPI) beleuchten.
Ziel war es, aufzuzeigen, in welcher Relation Kosten und Ergebnisse stehen und wie Österreich dabei im internationalen Vergleich abschneidet, erklärte Thomas Czypionka, Experte für Gesundheitswirtschaft am IHS.
Czypionkas Resümee: "Österreich ist mittelmäßig. Wir könnten im Vergleich ein wesentlich besseres Outcome erreichen." Laut Unterlage liegt Österreich bei der Wirkung von Maßnahmen an Patienten (Outcomeorientierte Performance) im europäischen Vergleich im Mittelfeld. 2009 war dies der zehnte Rang. Das System ist ausbaufähig, das zeige auch die Aussicht der Österreicher auf nur 59,4 gesunde und beschwerdefreie Lebensjahre. Der EU- Durchschnitt beträgt hier aber 60,7 Jahre. Bei einer Lebenserwartung von 80 Jahren bedeutet das, dass 20 Jahre an Lebensqualität durch Krankheit verloren gehen.
Notwendig ist aus Czypionkas Sicht, die Ressourcen besser und gezielter zu nutzen sowie eine höhere Flexibilität beim Leistungsangebot. Weiters sollen freiwerdende Mittel dem Gesundheitswesen nicht entzogen, sondern in die Bevölkerungsgesundheit reinvestiert werden. Damit ließen sich die Kosten im nachgeschalteten Bereich verringern, so der Experte.
Schelling, der auch Chef des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger ist, erklärte: "Wir haben eine einrichtungsorientierte Finanzierung, aber keine bedarfsorientierte Versorgung der Patienten." Es sei viel Geld vorhanden, dieses werde jedoch nicht effizient eingesetzt. "Prävention ist aber nicht nur eine Frage des Geldes, sondern des Bewusstseins und der Eigenverantwortung der Gesellschaft", räumte Schelling ein.
Ausschlaggebend für die Ineffizienz sei unter anderem das "Kompetenzenwirrwarr mit 400 Zahlungsströmen". Es gebe ein "Auseinanderdriften" zwischen Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten, dies mache das System teuer. "Die effizienten Systeme im internationalen Vergleich sind die, wo eine Hand steuert", so Schelling. Mit der jüngsten Gesundheitsreform liegen jedoch bereits erste Maßnahmen zur Effizienzsteigerung vor.
Der WKÖ- Vizepräsident schlägt weiters eine Ernährungsausbildung schon für Kindergarten- und Schulpädagogen vor. Auch in der Ärzteausbildung müsse das Bild des Gesundheitsmanagers vermittelt werden. Was die Zahl von Krankenstandstagen betrifft, verweist er auf ein Projekt für Integrationsmanagement. Dessen Ziel ist es ist, Betroffene nach Langzeitkrankenständen wieder in den Betrieb zu integrieren.
In den nächsten Monaten soll ein Reintegrationsmodell mit den Sozialpartnern erarbeitet werden. Die Zahl der Arbeitsunfälle und damit Krankenstandstagen soll auch durch Prävention verringert werden. Schelling pocht generell auch auf ein Präventionsgesetz, für das es bereits "viele Anläufe" gegeben habe.