Bei dem am 24. Mai 2009 verübten Attentat im Tempel der "Shri Guru Ravidass Sabha"-Gemeinde wurde der aus Indien angereiste Guru Sant Niranjan Dass von radikalen Sikh schwer verletzt und sein Stellvertreter Sant Rama Nand getötet. Die Beziehung zwischen den Sikhs und den Ravidass, einer hauptsächlich von Dalits (Unberührbaren) getragenen Glaubensrichtung, ist seit jeher konfliktbeladen, weil die Sikh ausschließlich dem Heiligen Buch, dem "Guru Granth Sahib", und keinen spirituellen Führern Verehrung zuteilwerden lassen und in der Auslegung der Glaubensregeln wesentlich strenger sind als die Ravidass.
"Wir wollen, dass es friedfertig bleibt"
Hierzulande habe sich das Verhältnis nach dem Anschlag wieder beruhigt, meinte Jasbir Jnagal, die Wiener Sprecherin der vor allem im nordindischen Punjab verbreiteten Ravidass-Bewegung. Die Gemeinde habe die Verse und Lehren ihres Religionsgründers Guru Ravi Dass in einem eigenen Buch zusammengefasst, um bei den Sikh nicht mehr anzuecken. "Es gibt in Österreich keine Konflikte untereinander. Wir wollen, dass es friedfertig bleibt", betonte Jnagal.
Die Gedenkfeier wurde von einem Großaufgebot der Wega überwacht. Aus Sicherheitsgründen nahmen an dem Fest keine hochrangigen spirituellen Führer teil. Im kommenden Jahr sollen aber wieder Prediger aus Indien die österreichische Gemeinde besuchen, die derzeit rund 300 Personen umfasst. Mittelfristig sind die Ravidass bestrebt, als eigenständige Religionsgemeinschaft staatlich anerkannt zu werden.
Opfer nach Attentat noch "sehr angeschlagen"
Der angeschossene Sant Niranjan Dass hat sich übrigens von den Folgen des Anschlags noch immer nicht erholt, gab Jnagal bekannt: "Er ist sehr angeschlagen. Wesentliche Aufgaben muss sein Stellvertreter Survinder Dass Bawa wahrnehmen."
Vom bevorstehenden Prozess - die Mordanklage gegen sechs Sikhs wurde vor wenigen Wochen beim Wiener Straflandesgericht eingebracht - erwarten sich die Ravidass, "dass die Täter bestraft werden". Noch wichtiger wäre es jedoch, "die Drahtzieher und Hintermänner auszuforschen", betonte Jnagal.
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