"Er hat seine kleine Naya, das Enkerl, noch nie gesehen", sagten sein Neffe Mohamed und Sohn Mataz während sie am Samstagnachmittag am Flughafen in Schwecaht mit Tränen in den Augen auf das lang ersehnte Wiedersehen warteten. Mit ihnen standen mehr als 30 Familienmitglieder inklusive Kindern und Enkelkindern, Freunde und Bekannte bei der Ankunft.
Applaus und Willkommensgrüße
Dann brandeten plötzlich Applaus und Willkommensgrüße auf Arabisch auf. Jamal war wieder unter ihnen - und er war äußerlich gesund. Doch der syrisch-österreichische Doppelstaatsbürger, der bei einer Mission der Nächstenliebe für die Hilfsorganisation Humanic Relief in der syrischen Metropole Aleppo von Beamten des Assad-Regimes verschleppt worden war - zeigte auch deutliche Anzeichen tiefer Erschöpfung.
Dennoch überwog bei seiner Rückkehr nach Wien die Freude. Jamal Arabi bedankte sich auch beim rot-weiß-roten Außenministerium für die Bemühungen um seine Freilassung. Und auch ausdrücklich bei der "Krone": "Ihr habt geholfen, dass ich nicht vergessen worden bin."
Vom Vorwurf der Spionage freigesprochen
Herr Arabi war am 17. Dezember des Vorjahres verhaftet worden, nachdem er Hilfsgüter in das Bürgerkriegsland gebracht hatte. Er musste in einem Gefängnis auch Folterungen ertragen, wurde aber jetzt vom Gericht vom Vorwurf der Spionage freigesprochen. Vor drei Tagen sei sein Onkel aus der Haft in Damaskus entlassen worden und bei seinen syrischen Angehörigen in Aleppo aufgetaucht. "Das war eine große Überraschung für die Familie", so Neffe Mohamed. Sein Onkel sei von dort mit dem Bus über die türkische Grenze nach Istanbul gefahren und habe sich einen Flug nach Wien gebucht.
Mit rund 80 weiteren Personen freigelassen
Laut Badran Farwati, österreichischer Politologe syrischer Herkunft, wurde Arabi im Rahmen einer Amnestie mit rund 80 weiteren Personen freigelassen. "Es handelt sich dabei vor allem um Prominente und Doppelstaatsbürger", so Farwati vom Verein Eunus. "Die Entlassung ist nicht auf Druck irgendwelcher Einzelpersonen, sondern auf Druck von Regierungen und der UNO geschehen", sagte er. Auch das österreichische Außenministerium habe Druck auf das syrische Regime ausgeübt – "aber dezent", so Farwati.
Direkt nach Ankunft vom Verfassungsschutz befragt
Direkt nach seiner Ankunft in Schwechat wurde der 57-Jährige von einem Beamten des Bundesamtes für Verfassungsschutz befragt. Die Befragung sei freiwillig erfolgt, Arabi habe dieser zugestimmt. Mangels vorheriger Kontaktmöglichkeiten, habe man den Syrer jedoch erst direkt am Flughafen um dessen Einverständnis bitten können, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Karl-Heinz Grundböck. Da der Mann lange Zeit in einem syrischen Gefängnis verbracht habe, würden sich die österreichischen Behörden von ihm jedoch Informationen erhoffen, so Grundböck.
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