Mit dem neuen Papst aus Lateinamerika beginne eine neue Ära in der katholischen Kirche, so Fischer am Dienstagnachmittag nach der Zeremonie im Vatikan. "Die Wahl des Namens Franziskus bezeugt, dass er Einsatz für den Frieden und soziale Fragen als Orientierung gewählt hat", sagte Fischer. Mit seinem Appell an die Mächtigen der Welt, sich um die Schöpfung zu kümmern, könne der Papst der Politik wichtige Impulse geben.
"Spektrum der Kirche wird erweitert"
Er begrüße die Tatsache, dass der Papst aus einem nicht-europäischen Land kommt, sagte Fischer. "Das Spektrum der Kirche wird dadurch erweitert. Die lateinamerikanische Kirche ist ohnehin schon für viele Persönlichkeiten bekannt, die sich stark für soziale Fragen engagieren", meinte Fischer im Gespräch mit Journalisten in Rom.
Fischer berichtete außerdem, er habe dem Papst im Petersdom auf Deutsch zu seinem Pontifikat gratuliert und ihm Grüße aus Österreich überbracht. Anschließend stellte er ihm Bundeskanzler Faymann, Vizekanzler Michael Spindelegger und Bundesratspräsident Edgar Mayer vor.
Faymann begrüßt soziale Akzente
Kanzler Faymann begrüßte die sozialen Akzente in der Predigt des Papstes bei dessen Einführungsgottesdienst. In einer Zeit, in der die Arbeitslosigkeit in Europa stark zunehme, seien Fragen wie Armutsbekämpfung, eine gerechtere Verteilung der Ressourcen und Umweltschutz besonders wichtig. "Der Papst hat all das angesprochen, was wir uns für unsere Kinder und Enkelkinder wünschen, wenn wir an Nachhaltigkeit denken", sagte Faymann.
Vizekanzler Spindelegger zeigte sich von der Welle der Freude und Sympathie beeindruckt, die der Papst ausgelöst habe. Es sei offenkundig, dass Franziskus unter den Gläubigen viel Hoffnung geweckt habe. Auch dessen Appell, sich um die Umwelt zu kümmern, begrüßte Spindelegger. "Wir sind es nicht gewohnt, dass dem Umweltschutz derartige Bedeutung eingeräumt wird", so der ÖVP-Chef.
Schönborn: "Einfach, herzlich, ansprechend"
"Einfach, herzlich und ansprechend": Diese Worte fielen dem Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, zur Predigt des Papstes ein. "Franziskus vermittelt einfache Botschaften, die mit seinem Namen eng verbunden sind. In seiner Ansprache hat er seine Bedenken um den Frieden und seine Liebe für die Schöpfung ausgedrückt", so Schönborn.
Die Sorge für die Armen und Leidenden sei laut Schönborn ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt der Predigt gewesen. "Diese Welt braucht Hoffnung in einer Zeit, in der die Hoffnungslosigkeit immer größer wird", sagte Schönborn.
Der Kardinal hob die Verbundenheit von Franziskus mit den Gläubigen hervor. "Vor dem Angelus-Gebet am Sonntag zelebrierte Franziskus die Messe in der Vatikan-Kirche Sant'Anna. Danach begrüßte er alle Gläubigen persönlich und schüttelte ihnen die Hand. Er hat wie ein normaler Pfarrer in Buenos Aires gehandelt. Er tut das mit größter Natürlichkeit", so Schönborn am Dienstag.
132 ausländische Delegationen im Vatikan
An der Messe zur Amtseinführung von Franziskus nahmen offizielle Delegationen aus 132 Staaten teil. Die Delegationsleiter trafen unmittelbar nach Ende des Gottesdienstes zu einer kurzen Begegnung mit dem Papst zusammen. Unter ihnen waren 33 Staatsoberhäupter, zwölf Regierungschefs sowie sechs regierende Monarchen. Der Empfang im Petersdom dauerte mehr als eine Stunde.
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